Eine der Kernaufgaben des Stadtarchives ist die historische Bildungsarbeit, in deren Rahmen verschiedene Veröffentlichungen entstehen. Ein Teil der Publikationen ist das Ergebnis unserer Forschungstätigkeit im Bereich der Geschichte der Stadt, des ehemaligen Hochstifts und der Diözese Freising; sie finden Eingang in die Reihe "Schriften des Stadtarchivs Freising". Die Reihe "Kataloge des Stadtarchivs Freising" dient der Publikation von Bild- und Textmaterial unserer Ausstellungen. Das "Archivstück des Monats" gibt alle paar Wochen einen kleinen, aber sicher feinen Einblick in die reichen Bestände des Stadtarchivs.

Schriftenreihe des Stadtarchivs Freising

Die Reihe "Schriften des Stadtarchivs Freising" dient der Veröffentlichung wissenschaftlicher Untersuchungen zur Geschichte der Stadt, der Diözese und des ehemaligen Hochstifts Freising. Sie wurde in den Jahren 2015/16 konzipiert.

Bisher sind folgende Bände erschienen:

Band 1: Freising als "Stadt des Bieres". Kulturgeschichtliche Aspekte

Die Produktion und der Konsum von Bier haben die wirtschaftliche, politisch-gesellschaftliche und kulturelle Entwicklung der Stadt Freising zwar in unterschiedlicher Intensität, aber doch stetig begleitet. Es ist ein ungemein facettenreiches Bild, das sich aus den vielerlei erhaltenen Zeugnissen in diversen Archiven und Museen zu diesem Thema ergibt. Der Band versucht, einige stadtgeschichtliche Aspekte rund ums Thema Bier näher zu beleuchten. Neben einem umfangreichen Überblick über alle historischen Brauereien in Freising werden darin folgende Themen aufgegriffen: die mittelalterlichen Quellen zum Freisinger Brauwesen, der Braubetrieb des fürstbischöflichen Hofbräuhauses im 17. und 18. Jahrhundert, die Architektur Freisinger Brauereien und Braugasthäuser des 19. Jahrhunderts, eine in den Jahren um 1900 in der Stadt existierende Steinzeugfabrik sowie die 150-jährige Geschichte der Braufakultät in Weihenstephan.

Der Band ist im Buchhandel und direkt im Stadtarchiv erhältlich (34,90 Euro).


Kataloge des Stadtarchivs

In der Reihe "Kataloge des Stadtarchivs Freising" finden die Ausstellungen des Stadtarchivs ihren publizistischen Niederschlag.

Bisher sind folgende Bände erschienen:

Band 1: Freising in der Frühzeit der Fotografie. 60 Aufnahmen der Jahre 1860 bis 1900 (2015)

Sie gehören zweifellos zu den Raritäten der Sammlungsbestände des Stadtarchivs Freising: die Fotografien aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Lokale Pioniere der Fotografie wie Anton Unthal, Julius Lösch und Franz Ress haben Freising vor beziehungsweise während eines vielschichtigen gesellschaftlichen, ökonomischen und kulturellen Veränderungsprozesses ins Bild gesetzt. Der vorliegende Band präsentiert eine Auswahl von 60 Fotografien der 1860er bis 1890er Jahre. Der Kernbestand aus der Sammlung des Stadtarchivs Freising wird dabei um einige Fotografien aus den Sammlungen des Historischen Vereins Freising, der Freiwilligen Feuerwehr Freising, des Archivs des Erzbistums München und Freising, der Dombibliothek Freising sowie von privater Seite ergänzt. Jede Fotografie ist dabei mit einer eingehenden Beschreibung versehen.

Der Band ist im Buchhandel erhältlich sowie direkt im Stadtarchiv (24,90 Euro).

Band 2: Aufbruch und Umbruch. Freising in Fotografien der Jahre 1900 bis 1920 (2017)

Freising, die alte Bischofsstadt an der Isar, befand sich in den Jahren um 1900 in Aufbruchstimmung. Die Stadt wuchs deutlich über ihre alten Grenzen hinaus: Die Vorstädte wurden größer und mit der Eingemeindung des Nachbarortes Neustift konnte das Stadtgebiet erheblich erweitert werden. Partieller Wohlstand ließ auf den nordseitigen Anhöhen das neue "Villenviertel" entstehen. Gleichzeitig investierten Kirche und Staat kräftig in ihre Lehreinrichtungen auf dem Domberg bzw. auf dem Weihenstephaner Berg. Durch die Verlegung der prestigeträchtigen Eliteeinheit des 1. Jägerbataillons wurde auch der Garnisonstandort Freising gestärkt.

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 hatte diese Entwicklung eine erkennbare Abschwächung erfahren. Auch in Freising veränderten der Krieg, die Revolution von 1918/19 und schließlich die neue demokratische Ordnung das politische und gesellschaftliche Leben spürbar.

Der vorliegende Band präsentiert 80 Fotografien aus städtischen und diözesanen Beständen. Prägnant und ausdrucksstark geben sie das Freising des frühen 20. Jahrhunderts wieder.

Der Band ist im Buchhandel erhältlich sowie direkt im Stadtarchiv (24,90 Euro).


Das Archivstück des Monats

Archive gehören wohl zu den unergründlichsten Institutionen, die eine Kulturgesellschaft zu bieten hat. Aufgrund der relativ abstrakten Materie und auch der Tatsache, dass sie über viele Jahrhunderte hinweg den Blicken der Öffentlichkeit entzogen waren, hat sich ein ambivalentes Bild von Archiven herausgebildet: eine Mischung aus fantastischer Wunderkammer und feuchtem Kellergewölbe, dazwischen Archivare und Historiker, die scheinbar aus der Zeit gefallen sind und misstrauisch auf ihren Schätzen sitzen.

Ein solches Bild ist natürlich falsch. Ein Archiv wie das Freisinger Stadtarchiv ist eine öffentliche Einrichtung und eine Dienstleistungsbehörde, die in zweierlei Hinsicht für Bürgerinnen und Bürger da ist:
Zum einen, weil sie - und das ist die Hauptaufgabe des Stadtarchivs - die kontinuierliche Überlieferung des Stadtgeschehens organisiert ("records management"); alles Wesentliche, das sich in einer bestimmten Zeit im Bereich des Freisinger Stadtgebiets ereignet hat, wird idealerweise Eingang in die Überlieferung des Archivs finden und sich in den dortigen Beständen widerspiegeln. Die Überlieferungsbildung erfolgt nicht zufällig, sondern nach wissenschaftlichen Grundsätzen und detailliert ausgearbeiteten Strategien.
Zum anderen ist das Stadtarchiv für Bürgerinnen und Bürger da, indem es die Zeugnisse vergangenen Geschehens für jede und jeden Interessierte(n) bereitstellt, freilich unter Wahrung von Persönlichkeits- und Datenschutzrechten.

Die enorme Quantität und Vielfalt der einzelnen Zeugnisse machen es, wenn man nicht gerade Mitarbeiter im Stadtarchiv ist, sehr schwer, einen Überblick darüber zu erhalten, was sich im Stadtarchiv alles verbirgt. Um ein bisschen Licht ins Dunkel zu bringen und einen tieferen Einblick in die Bestände des Stadtarchivs zu erhalten, werden hier verschiedene Archivalien präsentiert und beschrieben. Das aktuelle Archivstück des Monats finden Sie auf unserer Startseite.
Bei Interesse können Ihnen diese Stücke auch auf Anfrage im Original im Stadtarchiv vorgelegt werden.



Januar 2020 - Denkmalprojekt für König Ludwig II. in Freising (1906/07)

König Ludwig II. (1845-1886, reg. seit 1864) gilt heute unbestritten als der populärste Herrscher Bayerns. Seine komplexe Persönlichkeit, die große Zahl an außergewöhnlichen Bauunternehmungen und nicht zuletzt auch sein unter bis heute ungeklärten Umständen erfolgter Tod im Starnberger See üben auf eine breite nationale wie internationale Öffentlichkeit eine enorme Faszination aus. Tatsächlich setzte diese besonders intensive Popularität um die Person Ludwigs II. erst nach seinem Tod 1886 ein, zu seinen Lebzeiten wurde ihm insgesamt nicht mehr (und nicht weniger) Aufmerksamkeit zuteil als seinen Vorgängern.

Als beliebte Form der Erinnerungskultur etablierte sich in den Jahren nach dem Tod des Königs zunächst vor allem die Errichtung von Denkmälern. Es verging kaum ein Jahr, an dem nicht irgendwo im Königreich eine Statue, eine Büste, ein Medaillon oder eine Gedenktafel für Ludwig II. enthüllt wurde. Erst mit dem Ende der Monarchie in Bayern 1918 erlahmte das Interesse. Einen neuen Aufschwung gab es für Ludwig-II.-Denkmäler dann erst wieder in den 1960er Jahren.

Jener ersten Phase der Errichtung von Ludwig-II.-Denkmälern ist ein entsprechendes Projekt in Freising zuzuordnen. Im Stadtarchiv hat sich eine Akte mit einer überschaubaren Korrespondenz, einer Planskizze und drei Fotografien, die das Gipsmodell des projektierten Denkmals zeigen, erhalten. Die Initiative zur Errichtung eines Freisinger Ludwig-II.-Denkmals ging demnach vom „Verein zur Erbauung eines Monumentes für Weiland König Ludwig II. in Freising“ aus. Dieser war am 17. September 1904 gegründet worden und hatte bis 1906 einen Mitgliederstand von 192 Personen erreicht. Derartige Vereine waren im Fall der Ludwig-II.-Denkmäler als Initiatoren und Projektträger nicht ungewöhnlich, sondern eher die Norm.

Als Standort für das neue Denkmal kristallisierte sich nach einiger Zeit ein Grundstück heraus, das am unteren Teil der Haindlfinger Straße (seit 1910 „Prinz-Ludwig-Straße“) lag, inmitten des damals sogenannten „Villenviertels“. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts schossen hier zahlreiche stattliche Häuser aus dem Boden, die in der Regel vom wohlhabenderen Teil der Stadtbevölkerung bewohnt wurden. Die meisten Grundstücke im Bereich des neuen Stadtviertels und so auch dasjenige, auf dem das Denkmal entstehen sollte (nachmals Anwesen Deutingerstraße 2, nördlich des Finanzamtes), gehörten dem Baumeister und Ziegeleibesitzer Alois Steinecker. Nachdem dieser der vorgesehenen Nutzung seine Zustimmung gegeben hatte, beauftragte der Verein den Freisinger Bildhauer und Steinmetzmeister Josef Franz mit der Fertigung von Gipsmodellen, die eine Vorstellung vom Königsdenkmal geben sollten (siehe Abb.).

Für den Denkmal-Entwurf waren stattliche Ausmaße vorgesehen: Ein mehrere Meter breiter Unterbau aus Muschelkalkstein samt einem vorgelagerten steinernen Podest, darüber die rund 2,5 Meter hohe Figur aus Untersberger Marmor. Der König wurde hier im Ornat des bayerischen St.-Georgs-Ritterorden dargestellt. Vor dem Denkmal sah man die Anlage zweier Rabatten sowie die Bepflanzung mit Hecken und Parkbäumen vor.

Insgesamt hätte die Realisierung gemäß dem Kostenvoranschlag des Bildhauers Franz rund 10.000 Mark gekostet, eine gewaltige Summe für ein Projekt, dessen Finanzierung ausschließlich über Spenden erfolgen sollte (zum Vergleich: Das 1904 bis 1911 errichtete und aufwändig ausgestattete Freisinger Rathaus kostete knapp 220.000 Mark). Letztlich überforderten diese enormen Kosten den Verein. Bis Mai 1907 hatte er über die Hälfte seiner Mitglieder verloren, was der Vorsitzende, Notariatsbuchhalter Isidor Prantl, damit erklärte, dass „durch die nur langsam fortschreitende Ansamlung [sic] von Beiträgen der Endzweck des Vereines sich erst in einer Zeit erreichen ließe, zu welcher die meisten der zahlreichen Mitglieder sich nicht mehr am Leben befinden.“ Im Juli 1907 erklärte man den Verein schließlich für aufgelöst. Die Errichtung eines Freisinger Denkmals für König Ludwig II., mit welchem die Stadt Freising laut dem damaligen Bürgermeister Stephan Bierner ihre „Anhänglichkeit an [ihr] hohes Herrscherhaus“ hätte demonstrieren können, war damit gescheitert.

Autor: Florian Notter
QUELLEN: StadtAFS, Akten II, o. Sign.
WEITERFÜHRENDE LITERATUR: Schulze, Dietmar: Ludwig II. Denkmäler eines Märchenkönigs (Schriftenreihe des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege 2), München 2011.

Nach oben