Tunnelbau Vötting

Von der 3560 Meter langen Strecke der Westtangente Freising zwischen der Thalhauser Straße und der Staatsstraße 2350 entfallen 705 Meter auf einen Tunnel. Etwa 150 Meter südlich des Kreisverkehrs, der an der Kreuzung von Thalhauser Straße und Weihenstephaner Ring entsteht, taucht die Straße in den Tunnel ab und kommt südlich der Moosach wieder an die Oberfläche. Auf dieser Seite informieren wir Sie über die Baufortschritte.

Aktueller Stand

Das Ingenieurbauwerk Tunnel Vötting wird bis Ende 2020 fertiggestellt, angelaufen ist auch die elektrische Ausstattung, die bis Sommer 2021 installiert wird. Zwei Meilensteine wurden im März und April 2020 erreicht: der Durchbruch zwischen Nord- und Südabschnitt des Tunnels, der somit durchgängig ist, sowie der Lückenschluss in der Betonsohle (Infos und Bilder weiter unten). 

Weitere gute Nachricht: Trotz Beschränkungen durch die Corona-Pandemie ist der Tunnel-Rohbau von zeitlichen Verzögerungen nicht betroffen. 

Im Bereich des fertiggestellten Schachtbauwerks befindet sich auch ein Notausstieg mit dem neuen Betriebsgebäude. 

Ausblick:

Straßen- u. Brückenbau:

  • Bau des fünfarmigen Kreisverkehrs an der Thalhauser Straße: Das europaweit ausgeschriebene Projekt konnte im September 2020 begonnen werden, Fertigstellung etwa Frühsommer 2021.
  • Straßenbau Südportal Tunnel bis Anbindung Angerstraße: Bauarbeiten für den Straßenlückenschluss durchs Moos laufen, Fertigstellung bis Mitte 2021 vorgesehen.

Tunnelbau:

  • Die technische Ausstattung des Tunnels (Beleuchtung, Belüftung, Beschilderung etc.) ist beauftragt und im Spätherbst 2020 angelaufen. Diese wird einschließlich eines Probebetriebs knapp ein Jahr in Anspruch nehmen.

Allgemein:

  • Mit einer Verkehrsfreigabe der Westtangente ist weiterhin im Herbst 2021 zu rechnen.

Arbeiten am Tunnel-Südportal

Es geht voran! Am Südportal des Tunnels Vötting wurden am 24. November 2020 die Stahlrahmen für die Verglasung des Portaleingangs eingebaut. Hier einige Eindrücke der Arbeiten. (Fotos: Martin Bullinger/edr)


Tunnelbau auf der Zielgeraden

Bedeutender Schritt auf dem Weg zur Fertigstellung des Westtangenten-Tunnels: Am Montag, 16. November 2020, wurden die Asphaltarbeiten mit Einbau der Deckschicht abgeschlossen. Unter Beobachtung von Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher wurde auf einer Strecke von 850 Metern der oberste Straßenbelag aufgebracht. Noch im Dezember 2020 soll das Ingenieurbauwerk Tunnel abgenommen werden, anschließend wird mit der technischen Ausstattung begonnen. Auch oberirdisch nimmt die Westumfahrung Freisings Gestalt an.

Es dröhnte und der intensive Geruch von Asphalt erfüllte den Tunnel. Nachdem in den vergangenen Wochen zunächst die 14 Zentimeter starke Tragschicht und anschließend eine acht Zentimeter dicke Binderschicht aufgebracht worden waren, stand jetzt die Straßendecke auf dem Programm: Innerhalb eines Tages wurden vier Zentimeter Asphaltmastix eingebaut. Lastwagenweise wurde das Material von Norden in den Tunnel eingefahren, in den Asphaltfertiger gekippt und – beginnend am Südportal – auf der Fahrbahn verteilt. Mehrere Walzen zogen ihre Bahnen und verdichteten das Material. Diese Arbeiten machten sich übrigens nicht nur geräuschvoll bemerkbar, sondern zudem durch eine schweißtreibende Hitze in der Röhre: Damit der Asphaltmastix ordnungsgemäß eingebaut und verdichtet werden kann, wurde er mit einer Temperatur von 180 Grad angeliefert.

Den durchdringenden Lärm interpretierten Franz Piller, Projektleiter der Stadt Freising für die Westtangente, und Martin Bullinger (Ingenieurgesellschaft edr) übereinstimmend als „Musik in den Ohren“, da ein weiterer Meilenstein für die Fertigstellung des Tunnels gemeistert ist. Anerkennung spendete OB Eschenbacher, dass die gesamte Tunnelstrecke an einem Tag „erfolgreich erledigt“ wurde. In den nächsten Wochen stehen nun Restarbeiten wie der Einbau eines Vogelschutz-Glases am Südportal und die Fertigstellung der Notgehwege auf der Agenda. „Voraussichtlich noch im Dezember 2020 kann der Tunnel abgenommen werden“, resümierte Franz Piller zufrieden. Bereits angelaufen sind auch erste Arbeiten für die technische Ausstattung der 705 Meter langen Röhre. Bis zum Sommer 2021 werden Strahler, Notbeleuchtung, CO2-Messung, Tunnelüberwachung und weitere Elemente der elektrischen Infrastruktur installiert.

Die Beobachtung der letzten Asphaltarbeiten nahm OB Eschenbacher zum Anlass, auch an anderer Stelle die Fortschritte beim Neubau der Westumfahrung persönlich zu begutachten. So steht an der Bachstraße im Bereich der Moosachtunnel-Baustelle die Wiederherstellung der Straße kurz vor dem Abschluss. Am anderen Ende der Tangente sind die Bauarbeiten für den Kreisverkehr an der Thalhauser Straße in vollem Gange. „Und parallel wird der Straßenlückenschluss durch das Moos gebaut“, berichtete Franz Piller. Zuversichtlich äußerte sich der Projektleiter, dass die Westtangente im Spätsommer oder Frühherbst 2021 in Betrieb gehen kann, fügte freilich einschränkend hinzu: „Wenn es wie momentan reibungslos klappt und uns kein zu strenger, langer Winter oder Corona-Ausfälle einen Strich durch den Zeitplan machen.“

Video: Der Straßenbelag wird aufgebracht

Eindrücke von den Asphaltarbeiten


Weitere Meilensteine beim Tunnelbau

Tunneldurchbruch & Lückenschluss Betonsohle

Unter normalen Umständen wäre auf der Tunnelbaustelle für den Neubau der Freisinger Westtangente gleich zwei Mal groß gefeiert worden. Mitte März 2020 wurde der Durchschlag vom nördlichen zum südlichen Tunnelabschnitt vollbracht und damit eine durchgehende Verbindung hergestellt. Mitte April konnte nun in der Betonsohle die letzte Lücke geschlossen werden. Mit diesen beiden Meilensteinen sind nahezu alle technischen, geologischen und hydrogeologischen Maßnahmen am Tunnel Vötting trotz Einschränkungen wegen der Corona-Krise erfolgreich gemeistert.

Vor zwei Jahren begeisterten sich Tausende Schaulustige beim „Tag der offenen Tunnelbaustelle“ an dem Guckloch am Ende des bergmännischen Tunnels mit Blick auf das Schachtbauwerk an der Giggenhauser, an das sich der Abschnitt in Deckelbauweise anschließt. Diese Schnittstelle zwischen den beiden Röhren ist seit dem 17. März 2020 offen: Die Mineure durchbrachen die Wand und stellten im Bereich der Deckelbauweise, unmittelbar unter der Moosach, die finale Verbindung im Tunnel zwischen Nord und Süd her. Statt eines Festes anlässlich der Durchschlags, zu dem auch die Nachbarschaft gebeten worden wäre, spendeten Franz Piller, Projektleiter der Stadt Freising für die Westtangente, und Martin Bullinger (Leiter der Bauüberwachung/ Ingenieurbüro edr) den Arbeitern anerkennenden Applaus.

Auch das zweite bedeutsame Ereignis am 16. April 2020 konnte Corona-bedingt nicht gefeiert werden – erhielt allerdings prominenten Besuch: Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher verfolgte mit großem Interesse, als die letzte Sprießplatte im Tunnel hergestellt wurde. Sprießplatten sind (horizontal eingebaute) Betonplatten und fungieren als Aussteifung der gegenüberliegenden Bohrpfähle. Innerhalb von 45 Minuten transportierten drei Betonmischer insgesamt 17,5 Kubikmeter Beton herbei, die nach und nach eingefüllt wurden. Mit dieser letzten Sprießplatte verfügt der 700 Meter lange Tunnel jetzt über eine durchgängige Sohle.

Bilder Tunneldurchbruch und Lückenschluss


Geologische Probleme gemeistert

Dass bei einem Vorhaben wie der Westtangente, dem größten Verkehrsprojekt in der Geschichte der Stadt Freising, die ein oder andere Schwierigkeit auftritt, ist nicht außergewöhnlich. Nicht zu rechnen war indes mit den (hydro)geologischen Problemen im südlichen Abschnitt des Tunnels. Schließlich gab es vor Baubeginn umfangreiche Probebohrungen, bei denen eine stark verdichtete, gut zwei Meter dicke Tonschicht in etwa 23 Metern Tiefe identifiziert wurde. Dieser sogenannte „Stauer“, der vor schätzungsweise drei Millionen Jahren entstanden sein dürfte, schirmt das Grundwasser ab. Und das ist für die Deckelbauweise des Tunnels bedeutsam: An den Seiten der künftigen Röhre werden nämlich Bohrpfahlwände gesetzt, zwischen diesen wird dann ein Deckel gebaut und darunter der eigentliche Tunnel gegraben. Laut den Untersuchungen wäre der Tunnel nicht direkt vom Grundwasserdruck betroffen.

Völlig unerwartet stellte man bei den Arbeiten im Sommer 2018 fest, dass dieser natürliche Stauer zum Teil völlig fehlt: Nur fünf Meter entfernt von einer im Vorfeld entlang der Bauachse diagnostizierten Tonschicht, die sogar besonders mächtig war, befindet sich quasi ein Loch; einige Meter weiter ist der Stauer wiederum deutlich geringer als erwartet.

OB Eschenbacher macht sich persönlich ein Bild

Erfolgreiche Lösungen

Auf diese unerfreulichen Nachrichten hat die Stadt umgehend reagiert und ein aufwändiges Erkundungsprogramm sowie ein Gutachten in Gang gesetzt mit dem Ziel, für die erforderliche Grundwasserabschirmung der betroffenen Docks – so lautet der Fachbegriff für die insgesamt sieben Tunnelabschnitte in Deckelbauweise – zu sorgen. Beim Dock drei fehlte noch der Deckel, was es ermöglichte, zwischen den Bohrpfählen nachträglich abzudichten. Prüfungen haben erfreulicherweise ergeben: Die Sohle ist absolut dicht. Komplizierter die Lösung für Dock zwei, das schon mit einem Deckel ausgestattet ist. Mitte Juni 2019 wurde damit begonnen, außen an den Bohrpfahlreihen mittels Hochdruckinjektionsschützen Zement in einer Tiefe zwischen 23 und 30 Metern einzuspritzen. Die Prüfungen haben ergeben: Die Tunnelsohle ist dicht, die umfangreichen Maßnahmen waren erfolgreich. 

Eine Neuplanung erforderten die geologischen Überraschungen am Schachtbauwerk und am Betriebsgebäude, deren Fertigstellung sich auf Frühjahr 2020 verzögert hat. All die genannten Änderungen und Nachbesserungen gehen leider mit einem gravierenden Zeitverlust einher (hochgerechnet eigentlich 25 Monate), zumal auch die Baulogistik neu geordnet werden musste. Zeit wird allerdings gutgemacht, indem an der Deckelbauweise für den Tunnel seit Herbst 2019 parallel von Süd und von Nord gearbeitet wurde. Weiterhin wurden Straßen- und Brückenbaulose sowie die Arbeiten für den provisorischen Anschluss der Angerstraße vorgezogen. Trotz dieser misslichen Situation ist es gelungen, durch gezielte Beschleunigungsmaßnahmen die Bauzeitverlängerung auf etwa 18 Monate zu begrenzen. Die Verkehrsfreigabe der Tangente wird sich gleichwohl auf den Herbst 2021 verschieben. Zudem erhöht sich das momentan abschätzbare Investitionsvolumen: Der Stadtrat hat im Dezember 2019 die Fortschreibung der Projektkosten auf 133,8 Millionen Euro genehmigt.


Wichtige Daten für den Tunnelbau

  • Startschuss: Die Arbeitsgemeinschaft Wayss & Freytag/Bauer begann am 05. Dezember 2016 mit den Arbeiten für den Tunnel Vötting.
  • Der feierliche Tunnelanstich fand am 22. Mai 2017 statt.
  • Die Ausbrucharbeiten für den Tunnel waren Ende November 2017 bei 390 Metern angelangt. Dabei ging es im Mittel täglich etwa 1,2 Meter voran. Der Durchschlagspunkt an der Giggenhauser Straße war zu diesem Zeitpunkt etwa 70 Meter entfernt. 
  • Erste Rettungsübung Ende November 2017 im Tunnel: Die Einsatzkräfte von Freiwilliger Feuerwehr Freising und Bayerischem Roten Kreuz kamen mit den völlig ungewohnten und schwierigen Bedingungen bravourös zurecht.
  • Meilenstein beim Bau des Tunnels: Am Donnerstag, 18. Januar 2018, wurde der Tunneldurchschlag geschafft und es öffnete sich sozusagen ein Fenster vom bergmännisch errichteten Tunnel zum Schacht an der Giggenhauser Straße. 
  • Öffentliche Besichtigungsmöglichkeit der Tunnelbaustelle am Sonntag, 28. Januar 2018: An die 10.000 Menschen nutzten die Gelegenheit, die etwa 460 Meter lange Strecke vom Nordportal bis zum Ende des bergmännischen Teils zu erkunden. 
  • Der Strossenvortrieb (also der untere Teil der 461 Meter langen Röhre unter Vötting) wurde in der Nacht des 13. April 2018 abgeschlossen.
  • Seit 03. Mai 2018 gehören Tunnelarbeiten sieben Tage die Woche und 24 Stunden pro Tag der Vergangenheit an. Hintergrund: Nicht nur die Kalotte (der obere Teil des bergmännischen Tunnels) sowie die Sohle/ Strosse (unterer Teil) sind mittlerweile ausgebaut; auch der Querstollen, also die Verbindung zwischen dem Westtangenten-Tunnel und dem nördlichen Notausstieg im Bereich Vöttinger Schule/ Bolzplatz, wurde mittlerweile geschaffen.
  • Seit 17. März 2020 sind bergmännischer Tunnel und der in Deckelbauweise errichtete Abschnitt miteinander verbunden und durchgehend.
  • Am 16. April 2020 wurde die letzte Sprießplatte hergestellt, somit existiert auf der gesamten Länge des Tunnels eine durchgehende Betonsohle.

Bildergalerien

Chronologisch: vom Tunnelanstich bis zu aktuellen Eindrücken

Impressionen vom Tunnelanstich

22. Mai 2017: Stadtbaumeisterin und Tunnelpatin Barbara Schelle hebt einige Erdladungen gekonnt mit dem Schaufelradbagger aus.

Rettungsdienste proben den Ernstfall

Realistisches Szenario für die Übung am 25.11.2017: Ein Kleinwagen kollidiert etwa 350 Meter tief im Tunnel mit einem Schwerfahrzeug, dabei wird der Fahrer schwer verletzt und im Auto eingeklemmt.

Tag der offenen Tunnelbaustelle

Sensationelle Resonanz auf die Besichtigungsmöglichkeit am 28.01.2018. Am Eingang waren Pläne ausgestellt, die von Fachleuten ebenso erläutert wurden wie die eindrucksvollen Maschinen, die vor dem Portal abgestellt waren und für einige Stunden pausierten.

Durchbruch der Strosse

Im Januar 2018 war der Durchbruch geschafft und der obere Teil des bergmännisch gebauten Tunnels fertiggestellt. Seit der Nacht des 13. April 2018 ist auch der Durchschlag des unteren Bereichs geschafft. Die Bilder entstanden wenige Stunden davor.

Tunnel Deckelbauweise

Arbeiten 07. März 2018 an der Bachstraße und Oktober 2018

Tour Juni 2019

Fotostrecke: Tunnel bergmännisch, Deckelbauweise, oberirdische Trasse durchs Freisinger Moos bis zur Bahnbrücke

Eindrücke Herbst 2019 (Fotos: Martin Bullinger/edr)

Im Bergmännischen Bereich des Tunnelbaus ist die Innenschale fertig und der Ausbau läuft. Für das Schachtbauwerk laufen ebenso die Bauarbeiten, die Fertigstellung ca. Frühjahr 2020 terminiert. Tunnel in Deckelbauweise macht ebenso Fortschritte.


Ihr Kontakt

Referat Technische Betriebe
Franz Piller
Amtsgerichtsgasse 6
85354 Freising


Telefon 08161/54-4 70 00
westtangente@freising.de


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