Auf dieser Seite finden Sie Informationen zur Langen Nacht der Demokratie in Freising am 2. Oktober 2021 sowie den Akteur*innen Veranstaltungen. Darüber hinaus berichten wir über die Veranstaltungen, die vom 2. Oktober 2020 bis zur eigentlichen Nacht stattfanden.

#langenachtderdemokratie

Die „Lange Nacht der Demokratie“ fand am 2. Oktober 2021 statt – ein Jahr später als ursprünglich geplant. Wir haben gefragt: Was hält unsere Gesellschaft zusammen – in Freising, in Bayern, in Deutschland und in Europa? Die Lange Nacht fand in über 30 Kommunen in Bayern zeitgleich statt, von Coburg über Freising bis Rosenheim.  Das ausführliche Freisinger Programm können Sie hier als pdf einsehen.

Die krumme Zeit für den Beginn der Langen Nacht ist eine Verneigung vor einer der Grundsäulen der Demokratie und deren Begründer: 1748 veröffentlichte Montesquieu seine Abhandlung zur Gewaltenteilung. Er schrieb, dass die Staatsgewalt in drei unabhängige Organe – Exekutive, Legislative, Judikative – aufgeteilt werden müsse. Dadurch sollten Machtmissbrauch und Korruption verhindert werden. Nur auf diese Weise konnte sich Montesquieu eine gerechte politische Ordnung vorstellen, in der die Freiheiten der Bürgerinnen und Bürger gesichert werden. Die Gewaltenteilung ist im Grundgesetz verankert.

Die „Lange Nacht der Demokratie“ ist ein Projekt des Wertebündnis Bayern.
#wertebuendnisbayern:
Seit der Gründung im Jahr 2010 hat sich das Wertebündnis Bayern zu einer echten Erfolgsgeschichte entwickelt. Mittlerweile vereint das Bündnis 190 Organisationen aus allen gesellschaftlichen Bereichen, darunter Kirchen, Religionsgemeinschaften, Lehrer*innen- und Elternverbände sowie Expert*innen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik.

2015 wurde das Wertebündnis mit der Gründung der Stiftung durch den Freistaat Bayern zukunftsfähig gemacht. Aufgabe der Stiftung ist es, das Wertebündnis zu unterstützen, um auch in Zukunft die für den Zusammenhalt in einer demokratischen Gesellschaft relevanten Werte ins Bewusstsein zu rufen.

 

Eröffnung und Abschluss

Pünktlich um 17.48 spielte die Stadtkapelle Freising in kleiner Formation das erste Stück zur Eröffnung. Oberbürgermeister Eschenbacher eröffnete die Lange Nacht der Demokratie mit einem Dank an alle beteiligten Organisationen und die vielen Aktiven. Er unterstrich, dass alle eingeladen sind, sich mit der Demokratie auseinanderzusetzen und freute sich über die überdurchschnittliche Wahlbeteiligung Freisings zur Bundestagswahl. Demokratie ist es wert sie zu feiern und fortzuentwickeln.
Philipp Potthast, Poetry Slammer hatte sich ausführlich Gedanken zur Demokratie gemacht - ihrer Entwicklung in Griechenland, als Sklaven und Frauen natürlich kein Mitspracherecht hatten - bis heute. Deutschland ist im Demokratie-Index auf Platz 14 angekommen, nicht schlecht, aber mit Luft nach oben..
Zum Abschluss des Abends spielten noch einmal Niall Palfreyman und seine Gruppe - sängerisch unterstützt von den Besucher*innen der Langen Nacht. Das letzte Lied des Tages bei Kerzenschein war ein extra von Niall Palfreyman komponiertes Lied auf Europa: "Wir singen laut mit einer Stimme: Wir sind, Du bist Europa, jetzt und hier"

Ausstellungen

Drei Ausstellungen unter dem Dach der vhs Freising waren am 2. Oktober zu sehen: "Acryl und Kaffeesack", "Starke Frauen in Tansania und Freising" sowie "Wir sind das Volk". Die letzten beiden sind verlängert bis zum 7.11. und können  jeweils dienstags und freitags von 9.30 bis 12.30 Uhr, am Donnerstag von 15.00 bis 18.00 Uhr besucht werden. Auch die Audio-Installation zum Frauenwahlrecht ist noch bis 7.11. zu sehen und zu hören.
Am ersten Oktoberwochenende waren darüber hinaus die großformatigen "Friedensbanner" an der Sperrer-Bank zu sehen. Fünf gemalte Auseinandersetzung mit Demokratie, Verantwortung und Vielfalt, die Jugendliche im Ferienprogramm mit Unterstützung des sächsischen Malers Marian Kretschmer und Pepito Anumu gestaltet hatten.

Lesungen

„Babylon oder Ordnungszelle“
war die szenische Lesung im großen Sitzungssaal des Rathauses überschrieben. Das Kreisbildungswerk hatte dazu die beiden Historikern Georg Schulz und Markus Schmalzl sowie den Musiker Bernd Kohlmann geladen, die als eingespieltes Trio bayerische Geschichte auf die Bühne brachten. Dynamisch, lebendig, nicht ohne eine Portion Humor und mit viel schauspielerischem Engagement bekamen die zahlreichen Zuhörer einen Einblick in die Anfänge der Demokratie in Bayern in den 1920er Jahren.

Frieden, ein geschundenes Wort
Pax Christi setzt sich seit Jahrzehnten auf vielfältige Weise für Frieden und Demokratie ein. Natürlich durfte die Freisinger Gruppe auch nicht fehlen bei der „Langen Nacht der Demokratie“. „Frieden: das geschundene Wort“ war die literarische Stunde im Rathaussaal überschrieben. Texte und Gedichte aus verschiedenen Epochen gaben Denkanstöße, brachten zum Lachen und machten betroffen. Untermalt wurde die Lesung von bekannten Liedern rund um das Thema Frieden.

Workshops

Was hat Schokolade mit Demokratie zu tun?
Drei Teams, spielten gemeinsam das "Schoko-Spiel." Ziel war es, die Schokolade auf dem letzten Spielfeld als Team durch Würfeln zuerst zu erreichen. Bei den Ereignisfeldern hatten die Teams die Möglichkeit, Regeln für alle aufzustellen.
Hierbei sind meist Regeln entstanden, die Aktionen, Ratespiele etc. zur Folge hatten. Es wurde wenig versucht, sich gegenüber den anderen Vorteile zu verschaffen. Dennoch: Die Auswertungsrunde brachte spannende Beobachtungen zum Vorschein. Gleich wurden auch Verbindungen zum wirklichen Leben hergestellt. Es ging um die Fragen: Was macht eine Regel unfair? Wann wäre eine Regel fair? Wie wäre ein Leben ohne Regeln?

Argumentationstraining gegen Verschwörungstheorien
Das Training  stieß auf ein großes Interesse bei den vielen Freisinger Demokratiegeisterten. Die meisten der Teilnehmenden waren schon im privaten oder beruflichen Zusammenhängen mit Menschen in Kontakt gekommen, die an Verschwörungstheorien glauben und berichteten von den Schwierigkeiten, sich mit diesen Personen konstruktiv und zugleich kritisch auszutauschen. Durch die Darlegung der unterschiedlichen Motive, aus denen Menschen Verschwörungstheorien Glauben schenken, wurden gemeinsam Handlungsoptionen entwickelt, um besser auf Verschwörungsgläubige reagieren zu können. Ein besonderes Augenmerk lag dabei auf den argumentativen Mustern verschwörungstheoretischer Erzählungen, deren Kenntnis die Auseinandersetzung mit Verschwörungstheorien unterschiedlicher Couleur erleichtert.

Zum 60. Geburtstag von Amnesty International: ein Brettspiel
Auf dem Spielfeld gab es Fragefelder, auf der man eine Frage zum Thema Menschenrechte beantworten musste, um weiter zu kommen. Zur Hilfe standen die Antworten auf bunten Postern an der Wand. Fieser Trick – man hatte nur solange Zeit, bis die Mitspieler dreimal "Happy Birthday, liebe Amnesty!" gesungen haben! Kinder und Erwachsene hatten viel Spaß dabei und haben Neues zu den Menschenrechten erfahren.

Bundesverfassungsrichter*in in 45 Minuten
Stadtjuristin Dr. Sammüller-Gradl führte die vielen interessierten Zuhörer*innen anhand des Grundgesetzes in die Arbeit des Bundesverfassungsgerichts ein und erklärte, warum man mit den Mitteln des Grundgesetzes die Demokratie nicht abschaffen kann.

 

Vortrag: Kirche in der Demokratie

In Deutschland gibt es keine so klare Trennung zwischen Kirche und Staat wie beispielsweise im Nachbarland Frankreich. Die Schnittstellen bergen Synergieeffekte, aber auch Konfliktpotential. Darüber diskutierte der Theologe Florian Heinritzi vom Kath. Kreisbildungswerk Freising im St. Georgsaal mit den Besuchern. „Kirche in der Demokratie – vom (schwierigen) Verhältnis zwischen Kirche und Staat“ warf einen Blick auf diese Schnittstellen, in denen Kirche und Staat Hand in Hand arbeiten, beispielsweise beim Einzug der Kirchensteuer. Seinem informativen Vortrag folgte eine lebendige und spannende Diskussion.

Hören - Schauen - Staunen - Mitmachen

Speakers' Corner
Zwei Stunden lang übten Bürger*innen vor der Sparkasse in der Unteren Hauptstraße wie im Londoner Hyde Park ihr Recht auf öffentliche freie Meinungsäußerung aus.
Vertreter*innen der Freisinger Agenda-Projektgruppen diskutierten die Wahrnehmung von Migrant*innen in der Stadt, brachten den 2000 m²-Weltacker ins Bewusstsein, forderten die Umwandlung von Innenstadtparkplätzen in Parks, stießen einen Diskurs über eine Obergrenze des Wahlalters an, warben für ein komplett bio-faires Uferlos und Volksfest sowie für Solar-Anlagen auf den Dächern der Freisinger Innenstadt. Visionäre Statements regten zu lebendigen Diskussionen mit dem Publikum an. Niall Palfreyman und seine Sängerinnen setzten einen passend politischen musikalischen Rahmen.

Demokratie für dich
Das Video der Interviews war an verschiedenen Orten zu sehen.

Demagogen, Drohnen, Egoismus – Demokratie in der Spannung
Die Spannungsfelder und Gefährdungen der Demokratie standen im Mittelpunkt eines Abends mit drei Kurzfilmen. Der oscarprämierte Trickfilm „Balance“ machte deutlich, dass egoistisches Handeln in einer Gemeinschaft in die Sackgasse führt. Der Film „Demagogen – Von Führern und Verführungen“ stellte die typischen Muster von demagogischem und populistischem Handeln vor. Und der abschließende Film „Find Fix Finish“ zeigte auf, dass drohnenunterstützte Kriegsführung eine wehrhafte Demokratie selbst bedrohen kann. Die Diskussionen nach den beiden Filmvorführungen betonten, dass Gemeinwohlorientierung, Zivilcourage und eine kritische Auseinandersetzung mit den Schattenseiten einer wehrhaften Demokratie demokratisches Handeln und die demokratische Zukunft stärken können.

Jugendpolitikforum
Der Arbeitskreis Jugendpolitik des Kreisjugendring Freising veranstaltete im Furtnerbräu ein Jugendpolitikforum mit dem Thema „Kinder, geht wählen! Wahlalter senken?“. Die Referenten: Simon Schindmayr, Bezirksrat der CSU und Christian Schroth, Grundsatzreferent beim Bayerischen Jugendring.
Zur Einstimmung gab der Poetry-Slammer Philipp Potthast Texte zum Besten. Unter anderem zu Männlichkeits-Privilegien, der besonderen deutsch-französischen Freundschaft und der Butterbreze als konsensstiftendem Element schlechthin.
Im Anschluss tauschten die Referenten das Für und Wider einer Absenkung des Wahlalters auf beispielweise 16 Jahre aus. Durchaus kontroverse Diskussionsschwerpunkte waren der Grad der Reife von Jugendlichen, deren mögliche Beeinflussbarkeit und generell deren Interesse sich überhaupt an Wahlen zu beteiligen. Auch Koppelung von Änderungen an die Volljährigkeit wurde überlegt. Die Diskutanten sehen Kompromissmöglichkeiten darin, hinsichtlich des passiven und aktiven Wahlrechts zu unterscheiden sowie die Kommunal-, Landes- und Bundesebene separat zu betrachten. Es entspann sich eine lebendige Diskussion bis zum Veranstaltungsende.

Aus der Diktatur in die Demokratie: Pub-Quiz zu DDR, Deutsche Einheit und Veränderung im „Osten“
Schüler*innen des Camerloher-Gymnasiums hatten Fragen erarbeitet, ihr Lehrer Andreas Decker und Ronny Homann vom Freisinger Raum der Begegnung e.V. moderierten charmant und witzig die Fragerunden. Was ist ein Subotik? (ein unbezahlter Arbeitseinsatz am Samstag) Welche Parteien gab es in der DDR? SED, CDU, LDPD oder NDPD? Die richtige Antwort: alle vier!

Gedankenflüge
Gedankenflüge– schmale weiße Fahnen mit Gedankensplittern zur Demokratie schmücken das Alte Gefängnis. Zur Eröffnung hielt Helma Dietz, Vorsitzende vom Modern Studio eine flammende Rede für Demokratie und gegen einen falsch verstanden Freiheitsbergriff. Es gilt Verantwortung zu übernehmen – die demokratisch verfasste und aktive Zivilgesellschaft ist gefordert.

Sapere Audio
In der Freisinger Stadtbibliothek trafen die drei Philosophen Kilian Karger, Manuel Schäfler und Richard Rupp vom Philosophie Podcast „Sapere Audio“ auf ein interessiertes und sehr diskussionsfreudiges Publikum. In drei gut besuchten Sessions wurde über die Themen Öffentlichkeit, Künstliche Intelligenz und Solidarität debattiert. Im Fokus der Gesprächsrunden stand dabei das Verhältnis dieser drei aktuellen Themenfelder zur Demokratie. Durch die rege Beteiligung der Besucher ergaben sich spannende Diskussionen, die bereits aufblitzen ließen, worauf es in der Zukunft der Demokratie ankommt – nur durch gemeinsame aktive Teilnahme und Gestaltung lassen sich gegenwärtige und zukünftige Herausforderungen gemeinsam meistern.

Schreib- und Streitgespräch in der Domberg-Akademie
Hier wurde um Antworten auf die Fragen gerungen „Was ist Ihnen unsere Demokratie wert?“, „Was gefährdet die Demokratie“ und „Was stärkt die Demokratie?“.


Ihr Kontakt

Treffpunkt Ehrenamt
Johanna Sticksel
treffpunkt-ehrenamt@freising.de
Telefon: 08161/54-45252


Hausanschrift

Major-Braun-Weg 12 (Raum 10, im Erdgeschoss, rechter Eingang)
85354 Freising

Nach oben