Das Stadtarchiv Freising ist die älteste Kultureinrichtung der Stadt Freising. Auf den folgenden Seiten haben Sie die Möglichkeit, sich einen Überblick über die Arbeit des Stadtarchivs sowie dessen vielfältige Archiv- und Bibliotheksbestände zu verschaffen. Zudem erhalten Sie hier praktische Informationen für Ihren Besuch sowie zu den Veranstaltungen und den Publikationen des Stadtarchivs.

Corona - Hinweise

Bitte beachten Sie:

Auf Grund der in Freising herrschenden 7-Tage-Inzidenz von über 100 treten ab Dienstag, den 10. November 2021, neue Regelungen für die Lesesaalnutzung in Kraft.

Wir bitten Sie sich im Vorfeld ihres Archivbesuches unter der Telefonnummer 08161/54-44710, oder schriftlich, unter der Mail-Adresse stadtarchiv@freising.de, für die Nutzung des Lesesaales anzumelden.

Ab einem Inzidenzwert von über 35 gilt die 3G-Regel. Dies bedeutet, dass nur getestete, genesene oder geimpfte Personen den Lesesaal benutzen dürfen. Wir bitten Sie darum einen entsprechenden Nachweis bei ihrem Besuch mitzubringen und diesen dem Archivpersonal bei Nachfrage vorzulegen.

Ebenso bitten wir zu beachten, dass während des gesamten Aufenthalts im Lesesaal des Stadtarchivs sowie im Gebäude des „Hauses der Vereine“ eine Maskenpflicht gilt. Nach den neuen Bestimmungen muss es sich hierbei wieder um eine FFP2-Maske handeln.

Archivbesuch

Die Bestände des Stadtarchives reichen bis in das 14. Jahrhundert zurück. Damit  spiegeln sie fast 700 Jahre Stadtgeschichte wider und machen es zu einem Ort einmaligen historischen Wissens über Freising und seine Umgebung.

Zugleich ist das Stadtarchiv Freising eine öffentliche Einrichtung: Die unterschiedlichen, stets wachsenden Archivbestände wie Urkunden, Akten, Pläne, Grafiken, Fotografien, Postkarten oder Musikalien können zu den Öffnungszeiten von jeder Interessentin und jedem Interessenten im Lesesaal eingesehen werden - ob aus einer wissenschaftlichen, heimatkundlichen, familienkundlichen oder auch anderweitigen Perspektive heraus.

Öffnungszeiten und Kontakt

Öffnungszeiten
Montag bis Mittwoch: 8:00 - 12:00 Uhr und 14:00 - 16:00 Uhr
Donnerstag: 8:00 - 12:00 Uhr und 14:00 - 17:30 Uhr
Freitag: 8:00 - 12:00 Uhr
sowie nach Vereinbarung


Kontakt
Stadtarchiv Freising
Major-Braun-Weg 12
(Zimmer-Nr. 1.07 bis 1.10)
Telefon 08161/54-44710
Telefax 08161/54-54700
stadtarchiv@freising.de


Neueste Berichte

Jahresbericht des Stadtarchivs Freising 2020

Trotz der pandemiebedingten Einschränkungen konnte das Stadtarchiv Freising im Jahr 2020 seinen Betrieb durch Homeoffice-Regelungen weitgehend aufrechterhalten. Der Lesesaalbetrieb musste während der Beschränkungen immer wieder unterbrochen werden. 

Mit den nachfolgenden kurzen Berichten können Sie sich einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen im Bereich der Beständeorganisation, der Erschließung und der Archivbenutzung verschaffen. Zudem stellen wir Ihnen die bedeutendsten Archivalienzugänge des vergangenen Jahres sowie einzelne erfolgte Maßnahmen der Bestandserhaltung vor. Am Ende des Berichts finden sie Informationen zu vergangenen Veranstaltungen unserer historischen Bildungsarbeit sowie Hinweise für geplante Veranstaltungen in den kommenden Monaten.

Jahresbericht des Stadtarchivs Freising 2020


Das Archivstück des Monats

Das Stadtarchiv besitzt eine enorme Quantität und Vielfalt an Zeugnissen aus den vergangenen Jahrhunderten der Stadtgeschichte. Jeden Monat erhalten Sie hier einen tieferen Einblick in unsere Bestände, indem wir Ihnen ein besonderes Archivstück präsentieren und beschreiben.

Falls Sie Interesse an weiteren interessanten Archivstücken besitzen, können sie auf unserer Publikationsseite die weiteren "Archivstücke des Monats" aus den vergangenen Monaten und Jahren nachlesen.


Juli/August 2021 - Dem Freisinger Himmel ganz nahe. Drei Spengler auf dem St. Georgs-Turm (1892)

Im Frühjahr 1889, als sich die Blicke der Weltöffentlichkeit auf den soeben fertiggestellten Eiffelturm richteten, eröffnete ein junger Mann in der Freisinger Amtsgerichtsgasse ein Fotoatelier. Der Mann hieß Jakob Werkmeister (1859-1938) und er war neu in der Stadt. Der Zeitpunkt, sich hier als Fotograf niederzulassen, schien günstig: Mehrere Freisinger Fotografen der Pioniergeneration hatten in den zurückliegenden Jahren ihre Ateliers aufgegeben und die Stadt verlassen. Als einziges längerfristig bestehendes Atelier war dasjenige von Franz Ress verblieben. Freising mit seinen damals rund 13.000 Einwohnern konnte einen weiteren geschäftstüchtigen Fotografen also gut gebrauchen.

Jakob Werkmeister brachte einige Berufserfahrung mit. Zum Fotografen ausgebildet worden war der gebürtige Giesinger ab 1874 bei seinem Onkel in der südrussischen Stadt Saratow. Bevor er sich in Freising niederließ, war er in Höchstädt an der Donau tätig. In Freising gelang es Werkmeister, relativ schnell Fuß zu fassen. Das Fotografengeschäft entwickelte sich gut und war aus dem städtischen Alltagsleben bald nicht mehr wegzudenken. Als Mitglied des Kollegiums der Gemeindebevollmächtigten engagierte er sich auch politisch. 1902 wurde Werkmeister eine seltene Ehre zuteil: Durch die Verleihung des bayerischen Hoftitels durfte er sich fortan „Königlich Bayerischer Hofphotograph“ nennen.

Neben seinem Hauptgeschäftszweig, der Porträtfotografie, widmete sich Jakob Werkmeister auch der Architekturfotografie. Unübersehbar war zudem sein Faible für spektakuläre Inszenierungen. Zahlreiche Fotografien, die der Meisterfotograf hinterlassen hat, veranschaulichen dies. Er verstand es, sich außergewöhnliche Begebenheiten zunutze zu machen. Das Ergebnis waren nicht minder außergewöhnliche Fotomotive, wobei Werkmeister das eigentliche Geschehen nicht selten neu arrangierte und die Szenerie dabei plakativ übersteigerte.

So verhält es sich auch bei der Fotografie, die drei Spengler auf der Laterne des Freisinger St.-Georgs-Turmes zeigt. Glücklicherweise finden sich auf der Rückseite des Fotokartons zeitgenössische Angaben zum Datum und zu den Personen. Demnach schoss Werkmeister die Fotografie am 14. Juni 1892 – um kurz vor halb elf am Vormittag, wie die Turmuhr anzeigt. Bei den drei Personen handelt es sich um die Brüder Josef, August und Otto Feichtmayr, Söhne des Freisinger Spenglers Xaver Feichtmayr. Aufgrund der Stellung des Turmkreuzes und der zaghaft erkennbaren Licht- und Schattenpartien, die auf einen Sonnenstand von Südosten her schließen lassen, muss die Fotografie aus nordöstlicher Richtung aufgenommen worden sein. Da das Werkmeister-Atelier in der Amtsgerichtsgasse (Nr. 3) vom Turm aus in nordöstlicher Richtung lag, wäre denkbar, dass Werkmeister die Kamera im Umfeld seines Hauses, vielleicht auf dem flachen Dach, positioniert hatte.

Ausgangspunkt für die Entstehung der spektakulären Fotografie waren verschiedene Renovierungsarbeiten am Außenbau der Stadtpfarrkirche St. Georg, mit denen man bereits 1891 begonnen hatte. Arbeiten an einem derart exponierten Platz wie der Turmlaterne sind den damaligen Freisingern sicherlich nicht verborgen geblieben. Im Gegenteil, im Juni 1892 war dies wohl ein bestimmendes Thema in der Stadt. Jakob Werkmeister dürfte in dem ungewöhnlichen Treiben in luftiger Höhe schnell ein fotografierenswertes Motiv erkannt haben. Er begnügte sich jedoch nicht damit, die Arbeiter einfach abzufotografieren, sondern inszenierte das Geschehen gewissermaßen neu. Er muss mit den Spenglern Kontakt aufgenommen und sie angewiesen haben, wo und wie sie sich zu positionieren hatten. Die fein austarierte Anordnung auf der Laterne, auf dem Knopf und am Kreuz und die erkennbar arrangierten, demonstrativ lässigen Körperhaltungen brachten das von Werkmeister gewünschte Ergebnis: Nicht einfach nur eine Abbildung des Baugeschehens an einem außergewöhnlichen Ort, sondern die Formulierung einer (neuen) Bildaussage. Demnach sind auf der Fotografie eben nicht nur drei Spengler bei der Arbeit zu sehen, sondern vielmehr drei wagemutige, ja tollkühne Menschen, die ungeachtet der enormen Gefahr den kolossalen, eigentlich unerreichbaren Turm scheinbar mühelos und mit fröhlichem Leichtsinn bezwungen haben und dem Freisinger Himmel dadurch ziemlich nahegekommen sind.

 

'Autor: Florian Notter
QUELLEN: Stadtarchiv Freising, Fotosammlung; ebd., Familienbogen u. Ansässigmachungsakte Xaver Feichtmayr; ebd., Häuserkartei, Am Büchl 15 u. Untere Hauptstraße 9.
LITERATUR: Notter, Florian: Freising in der Frühzeit der Fotografie. 60 Aufnahmen aus den Jahren 1860 bis 1900 (Kataloge des Stadtarchivs Freising 1), München 2015, bes. S. 9-16 u. 82-83; Notter, Florian: Aufbruch und Umbruch. Freising in Fotografien der Jahre 1900 bis 1920 (Kataloge des Stadtarchivs Freising 2), München 2017, bes. S. 9-10.


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