Wenn Jugendliche Gewaltfantasien entwickeln, betrifft uns das alle. Genau hier setzt „Good morning, boys and girls“ von Juli Zeh an. Das Kulturamt der Stadt Freising bringt in seiner ersten Eigenproduktion das ausgezeichnete Jugendstück am Sonntag, 1. März 2026, um 18 Uhr im ASAM-Stadttheater auf die Bühne.
Die Produktion steht unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher und richtet sich an alle ab etwa 15 Jahren — und ausdrücklich auch an ein erwachsenes Publikum: Schließlich greift das Stück die Planung eines Amoklaufs an einer Schule auf und damit ein aktuelles Thema, das die gesamte Gesellschaft angeht.
Mit dieser Inszenierung setzt das Kulturamt seinen Einsatz fort, das ASAM als Theater für alle Generationen zu profilieren. Nach zahlreichen erfolgreichen Theaterangeboten für Kinder folgt nun eine Produktion, die gezielt Jugendliche anspricht und zugleich zur Diskussion einlädt.
Vielschichtiges Stück über Verantwortung und Gesellschaft
Das Theaterstück der preisgekrönten Schriftstellerin Juli Zeh nähert sich dem Thema Amoklauf an Schulen poetisch und analytisch zugleich. Im Mittelpunkt steht Jens, der sich selbst „Cold“ nennt (dargestellt von Philipp Jouaux). Er ist ein 16-jähriger Außenseiter, der seine Tat minutiös plant und sich in Gedanken bereits öffentliche Aufmerksamkeit und medialen Nachruhm ausmalt. Erst die Begegnung mit seiner Mitschülerin Susanne (Lena-Maria Köhler) bringt eine unerwartete Wendung.
Zeh entwirft dabei kein einfaches Täterbild. Statt monokausaler Erklärungen zeichnet sie ein Netz gesellschaftlicher Zusammenhänge und beleuchtet unterschiedliche Perspektiven — darunter auch die familiäre Dynamik mit seinem Vater (Johannes Lukas) und seiner Mutter (Jessica Latein) sowie die Beziehung zur Deutschlehrerin Frau Patt (Stephanie von Borcke), die seine Texte ernst nimmt, deren Tragweite jedoch verkennt oder nicht erkennen will.
Das Stück verzichtet bewusst auf vorschnelle Wertungen und stellt den Amoklauf als gesellschaftliches Phänomen zur Diskussion. Im Zentrum stehen nicht Schuldzuweisungen, sondern Fragen nach Ursachen, Verantwortung und nach dem Umgang mit Jugendlichen in einer komplexen Gegenwart.
Theater für junge Menschen – und alle Generationen
Kulturamtsleiter Markus Bader hebt die Bedeutung solcher Produktionen für die kulturelle Bildung hervor: „Kinder- und Jugendarbeit gehören elementar zur Aufgabe eines Stadttheaters. Viele Kinder haben das ASAM bereits durch unsere Programme kennengelernt. Nun richten wir uns mit einer eigenen Produktion gezielt an Jugendliche. Theater hat das Privileg und die Pflicht, relevante Themen sichtbar zu machen, Fragen zu stellen und Diskussion anzuregen.“
Neben der öffentlichen Aufführung besuchen Schulklassen aus Stadt und Landkreis weitere Vorstellungen. Ab Herbst 2026 geht die Produktion auf Gastspielreise, unter anderem nach Pullach, Unterschleißheim, Haar und an das Stadttheater Amberg.
Breite Unterstützung und engagierte Umsetzung
Die Realisierung des Projekts wurde durch eine Spende in Höhe von insgesamt 7.000 Euro der Rotary Clubs Flughafen und Freising ermöglicht. Zusätzlich unterstützen das Landratsamt Freising sowie eine Förderung der Regierung von Oberbayern die Produktion. Regisseur Martin Böhnlein arbeitet ehrenamtlich, das fünfköpfige Ensemble wurde in einem Auswahlverfahren besetzt. Für die jugendlichen Rollen konnten Absolventen der für ihre Ausbildung auf höchstem Niveau bekannten „Athanor Schauspielakademie“ gewonnen werden, das Bühnenbild stammt von der Freisinger Künstlerin Myriam Forster.
Die Vorbereitungen, von der Sicherung der Aufführungsrechte bis zur dramaturgischen Planung, erstreckten sich über rund zwei Jahre.
Termin und Ticketinformationen
Die öffentliche Vorstellung findet am Sonntag, 1. März 2026, um 18 Uhr im Asamsaal Freising statt und dauert etwa eine Stunde (keine Pause). Geeignet ist das Stück für alle ab 15 Jahren. Der Eintritt kostet regulär 16 Euro, ermäßigt 12 Euro, an der Abendkasse zuzüglich Gebühr. Tickets sind erhältlich beim Kartenvorverkauf im ASAM, Marienplatz 7, tickets@freising.de, Telefon 08161/54-44333, oder online.