
Kläranlage
Hightech für die Zukunft der Stadt und ihrer Bevölkerung
Die stetige Modernisierung der Kläranlage Freising, sichert die nachhaltige Entwicklung Freisings und gewährleistet dauerhaft eine intakte Umwelt. Der Stand der betrieblichen Verfahrensstufen wird dazu regelmäßig überprüft und entsprechend dem Stand der Technik und den gesetzlichen Anforderungen angepasst. Dadurch erreicht die Kläranlage eine fast 100 %-ige Reinigung des Abwassers.
Die Kläranlage Freising ist auf eine BSB5-Fracht von 6.600 kg/d, entsprechend 110.000 EW60 ausgelegt.
Gemäß aktuellem Wasserrechtsbescheid sind folgende Abflüsse einzuhalten:
- Täglicher Abwasserabfluss bei Trockenwetter: QT,d,max = 18.500 m3/d
- Maximaler Abfluss bei Trockenwetter: QT,max = 1.185 m3/h = 329 l/s
- Maximaler Mischwasserabfluss: QM = 2.270 m3/h = 630 l/s
Für die Einleitung des gereinigten Abwassers in die Isar gelten die folgenden Grenzwerte von der nicht abgesetzten, homogenisierten Zwei-Stunden-Mischprobe.
In der rechten Spalte sind die durchschnittlichen Einleitekonzentrationen der Kläranlage in 2025 angegeben:
Parameter | Einleitegrenzwert | Durchschnittliche Einleitekonzentration der Kläranlage in 2025 |
|---|---|---|
CSB [mg/l] | 50 | 18 |
BSB5 [mg/l] | 15 | 1 |
Pges [mg/l] | 0,5 mg/l | 0,14 |
NH4-N* [mg/l] | 2,3 | 0,2 |
Nges* [mg/l] | 13 | 10,7 |
AFS [mg/l] | 15 | 2,3 |
CSB: Chemischer Sauerstoffbedarf | BSB5: Biochemischer Sauerstoffbedarf | Pges: Gesamt-Phosphor | NH4-N: Ammonium-Stickstoff | Nges: Gesamt-Stickstoff | *einzuhalten vom 01.05. - 31.10. | AFS: abfiltrierbare Stoffe
Einfach gut gereinigt
Das im Klärwerk ankommende Schmutzwasser durchläuft im Rechen zunächst eine Grobreinigung. Nach Hebung über ein zweistufiges Schneckenhebewerk erfolgt die weitere mechanische Reinigung durch einen belüfteten Sandfang, Fettabscheider und Vorklärbecken. Alle Verfahrensstufen der mechanischen Reinigung nach dem Rechen wurden aus Gründen des Schallschutzes und der Geruchsminderung eingehaust. Die Abluft wird chemisch gereinigt.
Die biologische Reinigung des Abwassers erfolgt durch eine Belebungsanlage, die zweistraßig ausgeführt ist. Die Belebungsbecken werden mit vorgeschalteter Denitrifikation nach dem Linpor®-C/N-Verfahren betrieben. Die Denitrifikationszone ist mit zwei hintereinander durchflossenen Kaskaden ausgeführt, von der die zweite Kaskade fakultativ belüftet werden kann. Den Belebungsbecken ist je Straße ein Nachklärbecken zugeordnet, in denen die Trennung von Abwasser und Schlamm erfolgt.
Der Ablauf der beiden Nachklärbecken wird über ein Pumpwerk einem kontinuierlich gespülten Biofilter zugeführt. Dieser stellt eine Art „Polizeifilter“ dar, um abtreibende Feststoffe aus den Nachklärbecken abzutrennen. Die Feststofffreiheit des Ablaufs des Biofilters ist insbesondere in den Sommermonaten erforderlich, da dann die Einleitung in die Isar über eine UV-Anlage zur Desinfektion des Abwassers erfolgt.
Der Überschussschlamm aus beiden biologischen Straßen und der Primärschlamm aus der mechanischen Reinigung werden jeweils maschinell in Bandeindickern mit Polymerzugabe eingedickt und der Faulung zugeführt. Die Faulung besteht aus drei gleich großen Faultürmen. Faulturm I und II werden parallel als 1. Faulungsstufe betrieben und dabei tageweise abwechselnd beschickt. Der Schlamm der 1. Stufe wird bei Beschickung vom jeweiligen Faulturm in den Faulturm III verdrängt. Der ausgefaulte Schlamm wird aus dem Faulbehälter III in einen abgedeckten Schlammbehälter verdrängt, der als Vorlagebehälter der Schlammentwässerung dient.
Die Schlammentwässerung erfolgt mittels zweier Zentrifugen. Danach wird der entwässerte Schlamm in die thermische Verwertung abgegeben. Das in den Faultürmen entstehende Faulgas wird gefasst und in einem Gasbehälter gespeichert. Die regenerative energetische Verwertung des Faulgases erfolgt in 2 Blockheizkraftwerken sowie in Heizkesseln zur Beheizung der betrieblichen Gebäude. Der erzeugte regenerative Strom wird direkt auf der Kläranlage verbraucht. Nicht nur die Stromkosten reduzieren sich damit, es entweicht auch kein klimaschädliches Methangas in die Atmosphäre und unangenehme Gerüche werden ebenfalls vermieden.

Linpor-Verfahren zur Behandlung größerer Schmutzfrachten
Eine Besonderheit unserer Kläranlage stellt das in den Belebungsbecken angewandte LINPOR®-Verfahren dar. Dabei werden ca. 10 – 30 % des Belebungsbeckenvolumens mit kleinen Schaumstoffwürfeln gefüllt, die als mobile Trägerteilchen für aufwachsende Biomasse dienen. Diese feinporigen Würfel bieten auf kleinstmöglichem Raum eine hohe Organismendichte und dienen deshalb dazu, größere Schmutzfrachten bei ansonsten gleichem Beckenvolumen abbauen zu können. Die feinblasige Belüftung der Becken versorgt dabei zum einen die Mikroorganismen mit Luft, zum anderen werden die Schaumstoffwürfel in Schwebe gehalten.



Immer gut überwacht!
Eine regelmäßige Überwachung des Betriebes ist Voraussetzung für die ordnungsgemäße Funktion der Gesamtanlage sowie der einzelnen Anlagenteile. Der für die Betriebsüberwachung erforderliche Umfang ergibt sich u.a. aus der Eigenüberwachungsverordnung (EÜV) des Landes Bayern, der Klärschlammverordnung, dem wasserrechtlichen Bescheid und den Betriebsanleitungen der Hersteller und Lieferanten.
Für den stabilen Betrieb der Abwasserreinigung auf der Kläranlage Freising sorgen aber nicht nur Fachleute, sondern auch ein riesiges Heer an Mikroorganismen, für deren optimale Arbeitsbedingungen die menschlichen Mitarbeiter/innen täglich Sorge tragen.
Dabei bedienen wir uns unterschiedlicher Hilfsmittel wie:
- der arbeitstäglichen Kontrolle der betrieblichen Prozesse
- der Untersuchung der Qualität des gereinigten Abwassers
- der Beurteilung des mikroskopischen Bildes der beteiligten Mikroorganismen im Belebtschlamm
- der Untersuchungen von Prozessparametern
Die insgesamt hohe und stabile Reinigungsleistung sämtlicher Abwasserparameter zeigt, dass alle Beschäftigten täglich die beste Arbeit leisten, um einen ordnungsgemäßen Betrieb zu gewährleisten.


Optimierung Kläranlage - abgeschlossene und weitere Projekte in Ausführung oder Planung
Erneuerung Fällmittelanlage der Belebungsstraße 1
Die Erneuerung der Fällmittelanlage der Belebungsstraße 1 war notwendig, da die Baufälligkeit des Vorratstanks mit Dosiersteuerung keine ausreichende Betriebssicherheit mehr gewährleisten konnte. Erweiterte Arbeitsschutzvorkehrungen für Reinigungen am und im Behälter führten zu einem deutlich höheren Maß an Arbeitsschutz für unsere Mitarbeiter/innen und beauftragten Firmen. Durch die Erneuerung der Steuerung mit Einbau eines spezifischen Reglers zur bedarfsgerechten Dosierung der Fällmittelmenge (chemische Phosphatfällung) und einer zusätzlichen Dosierstelle, können fortan die strengen Ablaufanforderungen an den Parameter Phosphor sicherer eingehalten und Fällmittel eingespart werden.


Erneuerung der Schlammentwässerung 2024–2025
Die bestehende Anlagentechnik zur Entwässerung des ausgefaulten Schlamms wies entsprechend ihrer Nutzungsdauer erhebliche Verschleiß und Korrosionsschäden auf, wodurch die Erneuerung der Maschinentechnik erforderlich wurde. 2022 stellte sich durch einen Ausfall eines Bedienpanels heraus, dass die Elektrotechnik nicht mehr zuverlässig ist. Für einzelne Bauteile der Elektrotechnik gab es ebenfalls keine Ersatzteile mehr, weshalb man sich zu einer gesamten Sanierung der Anlagen-, Elektro- und Lüftungstechnik entschloss.
2024–2025 wurden die etwa 20 Jahre alten Zentrifugen durch leistungsstärkere Maschinen ersetzt, die zu einem besseren Entwässerungsergebnis führen und folglich die Entsorgungskosten reduzieren sollen. In diesem Zuge wurden ebenfalls die derzeit genutzten kleinen Container zur Lagerung des entwässerten Faulschlamms durch einen großen Schubbodencontainer ersetzt, was den Arbeitsaufwand für die Schlammlagerung erheblich reduziert. Durch Verladung aus dem Schubbodencontainer in einen Sattelkipper werden darüber hinaus zukünftig Transportkosten eingespart. Die Elektrotechnik sowie die Lüftungstechnik des gesamten Gebäudes wurden auf den neuesten Stand gebracht. Die Anlage wurde Anfang 2025 in Betrieb genommen und erfüllt die erwarteten Verbesserungen zuverlässig.

Erneuerung der Maschinellen Schlammeindickung 2026–2027
Die 20 Jahre alte Maschinentechnik zur Eindickung von Primär– und Überschussschlamm ist durch Schwefelwasserstoff stark korrodiert und muss daher ausgetauscht und erneuert werden. Um die Schlammbehandlung gebündelt in einem Gebäude unterzubringen wurden während der Erneuerung der Schlammentwässerung bereits Vorarbeiten für die Eindickung im OG des Gebäudes getroffen. Erneuert wird die Maschinen-, Elektro- und Lüftungstechnik. Ebenso ist der Abbruch der bestehenden Anlage samt Gebäudeanbaus Bestandteil des Projektes. Der Abbruch ist notwendig um Platz für die Erneuerung der Energiezentale mit zu errichtendem Abgaskamin und Austausch der Blockheizkraftwerke zu schaffen.
Die Maßnahme wurde im ersten Quartal 2026 begonnen.


Erneuerung der Energiezentrale – Austausch Blockheizkraftwerke 2027–2028
Die Kläranlage verwertet das selbsterzeugte Klärgas zur Strom- und Wärmegewinnung.
Höhere Anforderungen an die Abgasreinigung sowie neue Forderungen zur maximierten Eigenenergieerzeugung von Kläranlagen erfordern den Austausch der über 20 Jahren alten Blockheizkraftwerke durch modernere, effizientere Maschinen. Zusätzlich zu der neuen Maschinentechnik wird die Gasreinigung, Abgasreinigung, Heizung, Elektrotechnik und der Schornstein erneuert. Hierzu wurde 2024–2025 eine Genehmigung gemäß des § 4 des Bundesimmissionsschutzgesetz (BImschG) beantragt und genehmigt.
Beginn für die Maßnahme ist voraussichtlich 2027.


Die maschinentechnische Ausrüstung, Beschickungs- und Umwälzleitungen, die Gasverdichterstation sowie die Wärmetauscher der Faultürme 1 und 2 stammen nahezu vollständig aus der Erstausrüstung der Kläranlage (Alter >30 Jahre) und müssen altersgemäß für einen weiterhin sicheren Betrieb erneuert werden.
Die Besonderheit an diesem Projekt besteht darin, dass der Austausch der Maschinentechnik nur nacheinander für Faulturm 1 und 2 erfolgen kann, da die Erneuerung im laufenden Betrieb erfolgen muss und die Aufrechterhaltung eines stabilen Faulungsprozesses für den Gesamtbetrieb der Kläranlage (Entsorgung überschüssigen Schlamms, Eigenstrom- und Wärmeerzeugung) notwendig ist.
Um altersbedingte bauliche Schäden des vorwiegend ca. 1971 erstellten Gebäudes zu beheben, dieses energetisch zu sanieren und Brand- sowie Arbeitsschutzanforderungen zu erfüllen, sollen die Faultürme 1 und 2, das Zwischengebäude und das Betriebsgebäude baulich saniert und noch vorhandene Gebäudeschadstoffe fachgerecht entfernt werden (u. a. Asbest).
Kläranlage - Führungen
Nach vorheriger Terminvereinbarung können Führungen für Gruppen bis maximal 25 Personen auf der Kläranlage Freising angeboten werden.
Terminvereinbarung bitte per Telefon oder E-Mail:
08161 / 54 47211 oder 08161 / 54 47222
Gabriele.weinberger@freising.de
Kerstin.zacherl-john@freising.de
Weitere Informationen finden Sie hier.

























