Kein Opfer darf vergessen werden

Dr. Guido Hoyer hat ein Buch über das Schicksal jüdischer Mitbürger*innen im Landkreis Freising während des NS-Terrors geschrieben, das er kürzlich beim Pressegespräch im Freisinger Rathaus präsentierte. Der Geschichtsreferent der Stadt skizziert darin die Anfänge jüdischen Lebens in Freising, den aufflammenden Antisemitismus ab dem 19. Jahrhundert, die Vertreibung und Vernichtung zwischen 1933 und 1945 sowie die Aufarbeitung der menschenverachtenden Shoa nach 1945. Sein Werk ist ein Denkmal für die vielen NS-Opfer im Landkreis, von denen viele bis heute unbekannt sind.

Guido Hoyer wollte mit seinem Buch „Verfemt Verfolgt Vernichtet – Die Juden im Landkreis Freising unter dem NS-Terror“ etwas Bleibendes schaffen: „Die ältere Geschichte in Freising scheint besser erforscht als die jüngere“, so Stadtrat Hoyer. „In meinem Buch sollte alles über die Judenverfolgung in Freising beschrieben werden, was bekannt ist.“ Ganz leicht sei dieses Unterfangen allerdings nicht gewesen. Viele Quellen gäbe es nämlich nicht.

Eine große Hilfe bei der Recherche sei das Freisinger Stadtarchiv gewesen, das noch über einige Dokumente und Berichte aus der NS-Zeit verfüge. Ansonsten sei die Existenz jüdischer Familien und Gemeinden in Freising lange Zeit nicht besonders intensiv aufgearbeitet worden, wie Hoyer im Vorwort des Buches berichtet. Erst 1983 habe sich das Buch „Freising unter dem Hakenkreuz“ mit der Vertreibung der Juden befasst, allerdings „ohne Quellenangaben und ohne das weitere Schicksal der Vertriebenen zu recherchieren.“

Guido Hoyer machte sich daher auf Spurensuche und veröffentlichte in seinem Buch die Geschichten mehrerer jüdischer Familien in Freising. Auf eindrückliche Weise berichtet er von Enteignungen, Verfolgungen und Deportationen in die Vernichtungslager, die nur wenige Bürger*innen überlebten. Auch geht Hoyer auf die schwierige Situation der Juden in Freising nach 1945 ein. Viele Überlebende forderten eine Wiedergutmachung für ihre schrecklichen Erlebnisse.

OB Eschenbacher: Geschichte muss lebendig gehalten werden

Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher betonte im Pressegespräch, dass es angesichts der immer weniger werdenden Zeitzeugen besonders wichtig sei, „Geschichte lebendig zu halten“. Denkmäler wie die Stolpersteine im gesamten Stadtgebiet, die übrigens nach einem Stadtrats-Antrag von Guido Hoyer zwischen 2005 und 2016 verlegt wurden, seien wichtig, um Opfern einen Platz in der Stadt einzuräumen. Bei jeglicher Auseinandersetzung mit dem Thema ginge es, wie Eschenbacher betonte, nicht darum, eine Schuld zu tragen, „sondern eine Verantwortung, damit sich Geschichte nicht wiederholt“.

Das Buch von Guido Hoyer „Verfemt Verfolgt Vernichtet – Die Juden im Landkreis Freising unter dem NS-Terror“ (Volk Verlag) ist unter der ISBN-Nummer 978-3-86222-338-1 erhältlich.

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