Während des Freisinger STADTRADELN zeigt sich jedes Jahr auf Neue: Radeln gehört für eine Vielzahl von Menschen in Freising zum Alltag, unabhängig von Alter, Herkunft oder sozialen Status. Um Menschen einander näher zu bringen, hat die Stadt Freising dieses Jahr die Aktion „Radeln verbindet“ ins Leben gerufen. Dabei hat die Stadtverwaltung Betriebe aus Freising angeschrieben, die in den letzten Jahren immer erfolgreich am STADTRADELN teilgenommen haben, und sich erkundigt, ob sie eine Werksführung für die Teilnehmenden des STADTRADELNs anbieten würden. Alle vier angefragten Betrieben sagten sofort zu, sodass die Stadtverwaltung eine ausgewogene Mischung an Führungen anbieten konnte.
Den Start machte am Dienstag, den 23. Juni, Texas Instruments (TI), das sich in Freising auf Halbleiterforschung, -entwicklung und -produktion spezialisiert hat. Das Unternehmen, das erst vor kurzem ihr 60-jähriges Bestehen am Standort in Freising feierte, öffnete 20 Interessierten die Pforten für eine zweistündigen Einblick hinter die Kulissen. Nach einer kurzen Einführung zur Historie des Betriebs am Standort Freising, erklärte Christoph Ewald zuerst theoretisch den Herstellungsprozess der sogenannten „Wafer“. Ein Wafer ist eine hauchdünne, runde Scheibe aus hochreinem Silizium, die als Grundplatte für elektronische Bauteile dient. Auf einem einzigen Wafer werden in Hunderten von Schritten winzige Schaltkreise aufgebaut, die später in Chips für Autos, Smartphones oder Industriemaschinen zerteilt werden. Nach der Theorie ging es durch das Firmengelände entlang der einzelnen Schritte der Herstellung. Für großes Interesse sorgten die Reinräume, in denen die Luft besonders gesäubert wird, um Verunreinigungen der Wafer zu verhindern, und die hohe Sorgfalt und Genauigkeit, mit der gearbeitet wird. Das Bearbeiten der Wafer im Bereich von einigen Nanometer erfordert höchste Präzision in allen Arbeitsschritten, um ein qualitativ hochwertiges Produkt zu ermöglichen.
Nicht im Nanometerbereich, aber dennoch mit hoher Genauigkeit arbeitet der zweite Betrieb, der eine Führung angeboten hat: HAWE Hydraulik. Stefan Zehner zeigte einer etwas kleinere Gruppe das Werk in der Kulturstraße, das seit 1965 besteht und somit das älteste bestehende Werk der HAWE-Gruppe ist. HAWE Hydraulik entwickelt und produziert hochwertige Hydraulik-Komponenten und -Systeme. Auch hier wird stark auf Präzision geachtet, um für Kunden in aller Welt ihren Wünschen entsprechende Produkte zu liefern. Durch das Baukastensystem der einzelnen Produkte ist eine Vielzahl verschiedener Varianten möglich, die je nach gewünschtem Druck oder Durchlaufmenge angepasst werden kann. Für die Teilnehmenden spannend war, auf welch engem Raum die Abläufe abgewickelt werden können und wie stark das Unternehmen auf eine gute Ausbildung ihrer Fachkräfte setzt. Die Lehrwerkstatt für die eigenen Azubis und die lange Zugehörigkeit zum Unternehmen sprechen hier eine deutliche Sprache.
Wo gehobelt wird, fallen aber auch Späne, und wer wird dann gerufen: Die Feuerwehr. Eine der insgesamt neun in Freising tätigen Feuerwehrstationen ist die Werkfeuerwehr Weihenstephan, bei der Sebastian Holzmann und Stefanie Siebert die dritte Führung am Samstag, den 27. Juni, organisierten. Die Werkfeuerwehr ist dabei – wie der Namen schon sagt – nicht vornehmlich für die Brandlöschung in Wohnungen zuständig, sondern bei den Instituten und wissenschaftlichen Einrichtungen in Weihenstephan: TU München, FH Weihenstephan-Triesdorf, Landesanstalt für Landwirtschaft, Staatliche Brauerei Weihenstephan und die Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft. Mit insgesamt 3 festangestellten Mitarbeitern sowie circa 80 Ehrenamtlichen ist die Werkfeuerwehr dabei gut gerüstet für die jährlich circa 100 Einsätze. Die Werksfeuerwehr ist ähnlich ausgestattet wie die Freiwillige Feuerwehr Freising und verfügt über ein Drehleiterfahrzeug sowie zwei Löschfahrzeuge. Die Fahrzeuge von innen zu sehen war natürlich für die anwesenden Kinder eines der beiden Highlights dieser Führung. Das zweite: Selbst mit Unterstützung ihrer Eltern und einem Feuerlöscher ein kleines Feuer löschen.
Zum letzten Teil von „Radeln verbindet“ konnten die STADTRADLER noch ein paar Kilometer sammeln: Es ging am vergangenen Dienstag nach Attaching zur Steinecker GmbH. Auf die Frage, was genau Steinecker herstellt, fassten es Stefan Hobmaier und sein Team schnell zusammen: „Wir bauen Brauereien“. Für das flüssige Gold stellt Steinecker unterschiedlichste Kessel, Mühlen und Gefäße her und verschickt diese weltweit, zum Beispiel auch nach Äthiopien oder Bolivien. Zwar ist auch bei Steinecker schon ein hoher Grad an Automatisierung erreicht, aber das Schweißen und Schleifen sind teilweise noch Handarbeit und erfordert hohe Geduld und Aufmerksamkeit, um Kanten zu vermeiden, an denen sich Bakterien sammeln könnten. Nach einer Führung durch das Werk und entlang der einzelnen Schritte der Herstellung der Anlagen ging es für die 15 Teilnehmenden zum Technikum, dem Labor für Experimente von neuartigen Bieren nach Kundenwünschen, zum Beispiel von Mangobier eines Kunden aus den Philippinen. Für die Anwesenden gab es dabei auch noch ein selbstproduziertes Helles sowie ein alkoholfreies Helles zum Testen, das allen STADTRADLERN gut geschmeckt und nochmal Energie für die Fahrt nach Hause gegeben hat.
Die Aktion „Radeln verbindet“ hat gezeigt, dass Radfahren die Menschen zusammenbringen kann. Bei allen Veranstaltungen waren Teilnehmenden mit heterogenen Hintergründen dabei und stellten die unterschiedlichsten Fragen. Außerdem hat es gezeigt, dass die Freisinger Betriebe der Wirtschaftskrise trotzen und weiterhin sowohl neue Mitarbeitern und Auszubildende sowie - im Fall der Werkfeuerwehr – Ehrenamtliche suchen.
Die Stadt Freising bedankt sich bei den Organisatoren der Betriebe für die Zeit und allen Teilnehmenden für ihr Interesse!
