OTTO VON FREISING

Eine Gestalt von europäischer Größe auf dem Domberg
Der Begründer des mons doctus

 

Otto von Freising (um 1112-1158) stammte aus der hochadeligen Herzogsfamilie der Babenberger. Sein Vater, der hl. Leopold, ist seit 1663 Landespatron von Österreich; Otto selbst wird im Heiligenkalender der Erzdiözese als Seliger geführt. Seit 1857 ziert sein Denkmal den Freisinger Domhof.

Bereits früh für den geistlichen Stand bestimmt, studierte Otto in Paris und trat nach dem Abschluss seines Studiums in die Zisterzienserabtei Morimund in Burgund ein. 1138 wurde er zum Abt gewählt und im selben Jahr zum Bischof von Freising berufen. Zwei Ziele sollten den neuen Bischof in seiner zwanzigjährigen Regierungszeit neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit besonders beschäftigen: zum einen die Erneuerung der Seelsorge in seinem Bistum nach dem Investiturstreit. Dieser bischöflichen Kernaufgabe diente unter anderem die Wiederherstellung und Reformierung der Klöster im Bistum Freising. Seiner aufblühenden Neugründung, dem Prämonstratenserkloster Neustift bei Freising, vertrauten die Bischöfe neben caritativen Aufgaben vor den Toren der Bischofsstadt bald zahlreiche seelsorgliche Aufgaben im nahen Ampertal an.  

Dem zweiten Ziel Ottos, der Sicherung der weit verstreuten Besitzrechte seines Hochstifts  vor fremden Ansprüchen, widmete er sich ebenfalls klug und geschickt. Seine viel gerühmte Begabung, in  Konfliktfällen ausgleichend zu wirken, mag ihm dabei geholfen haben. Freilich überlagert der Föhringer Brückenstreit 1158 mit seinem Vetter Heinrich dem Löwen bis heute seine politische Erfolgsbilanz. Damals ging es um die wichtigen und lukrativen Handelswege über die Isar und letzten Endes um das Aufblühen Münchens. Der erfolgreiche Schlag gegen die Freisinger Konkurrenz im Norden, so der Münchner Historiker Rudolf Schieffer, führte zur Kompromissformel von 1158: Der Freisingisch-Föhringer Markt sollte nicht mehr weiterbestehen, dafür aber musste der bayerische Herzog den Bischof neben politischen Mitwirkungsrechten, auch an den Einkünften aus Zoll und Münze des Marktes „apud Munichen“ beteiligen. Diese Zahlungen erhielt Freising übrigens bis zur Säkularisation.

Obwohl Bischof Otto von Freising zeit seines Lebens weit in der Welt herumgekommen war, muss er seinen Domberg besonders geliebt haben, sonst hätte er ihm nicht im 5. Buch seiner Weltchronik die folgende, schöne Beschreibung gewidmet: Der Berg liegt in einer sehr schönen, lieblichen Gegend: in die Augen fallen zahlreiche Bäche klarsten Wassers und vor allem die reißende Isar; wie von einer Warte aus hat man einen weiten Ausblick auf die ganze Umgebung und nach Süden zu auf die weite Ebene. Auf dem Freisinger Domberg sind mit der „Weltchronik“ und den „Taten Friedrichs“, die zwei Geschichtswerke von europäischem Rang entstanden, die den Ruhm des gelehrten Bischofs bis zum heutigen Tag wach halten und mit seinem Namen auch den Namen seiner Bischofsstadt in die Welt hinaustragen. Damit hat Otto von Freising den Ruf des Dombergs als mons doctus, als Gelehrtenberg, begründet.

 

Günther Lehrmann

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