01.04.2019

Jetzt online: Das „Archivstück des Monats“ für April 2019

Textheft zur Aufführung von Carl Heinrich Grauns „Der Tod Jesu“ im Freisinger Dom (1782)

Das Bild zeigt das Deckblatt eines Textheftes von 1782 zur Aufführung von Carl Heinrich Grauns „Der Tod Jesu" im Freisinger Dom.
Deckblatt des Textheftes zur Aufführung von Carl Heinrich Grauns „Der Tod Jesu" im Freisinger Dom aus dem Jahr 1782. (Bildquelle: Stadtarchiv Freising)

In der kleinen, spannenden Reihe „Archivstück des Monats – Schätze aus dem Stadtarchiv“ werden echte Raritäten aus Freisings facettenreicher Geschichte präsentiert. Im monatlichen Wechsel wird jeweils ein einzelnes Archivstück vorgestellt und beschrieben. Die tiefe Bedeutung des „Archivstück des Monats“ erschließt sich aus fundierten Erläuterungen von Florian Notter, Leiter des Stadtarchivs, und Matthias Lebegern, stv. Leiter des Stadtarchivs: Im April geht es um ein „Textheft zur Aufführung von Carl Heinrich Grauns „Der Tod Jesu“ im Freisinger Dom (1782)“.

Florian Notter zum Exponat: In der Sammlung historischer Druckschriften im Stadtarchiv Freising befindet sich ein äußerlich unscheinbares, kleinformatiges Heft, das sich aus fünf Blatt von 16,3 auf 10,5 Zentimeter zusammensetzt. Es stammt aus der Werkstatt des fürstbischöflichen Hofbuchdruckers Franz Singer. Wie dem Titelblatt zu entnehmen ist, handelt es sich dabei um ein Textheft, das anlässlich einer Freisinger Aufführung von Carl Heinrich Grauns Passionsoratorium „Der Tod Jesu“ im Jahr 1782 gedruckt wurde. Sämtliche Rezitativ-, Arien-, Chor- und Choraltexte des Werks sind darin enthalten.

Zu hören war das Passionsoratorium am Karfreitag, 29. März 1782, um 19 Uhr im Freisinger Dom – und zwar, wie auf dem Titelblatt erwähnt wird, im Bereich des Heiligen Grabes, einer während der Karwoche aufgestellten Nachbildung der Grablege Jesu Christi. Ausführende Musiker waren die Sänger und Instrumentalisten der fürstbischöflichen Hofkapelle. Die musikalische Leitung lag vermutlich in Händen des Vizekapellmeisters Wilhelm Joseph von Pauli. Hofkapellmeister Placidus von Camerloher war zu diesem Zeitpunkt bereits erkrankt und starb nur wenige Monate später, im Juli 1782. Trotz des entsprechenden zeitlichen und räumlichen Kontextes handelte es sich bei der Aufführung freilich nicht um ein Element der Karfreitagsliturgie, sondern um ein außerliturgisches, konzertantes Ereignis.

Die Freisinger Aufführung des Passionsoratoriums „Der Tod Jesu“ im Jahr 1782 ist insofern bemerkenswert, als es sich dabei um ein Werk handelt, das in einem explizit protestantischen Umfeld entstanden ist. Den Text hatte der preußische Dichter und nachmalige Berliner Schauspieldirektor Karl Wilhelm Ramler (1725-1798) geschaffen, die Musik der königlich-preußische Kapellmeister am Hof Friedrichs des Großen, Carl Heinrich Graun (1704-1759). Uraufgeführt worden war es 1755 in Berlin. Das wegen seiner Klarheit und schlichten Eindringlichkeit bald sehr populäre Werk erreichte nach einigen Jahren auch katholische Regionen – die Prozesse der Aufklärung hatten die zweieinhalb Jahrhunderte bestehenden konfessionellen Gegensätze inzwischen so stark abgemildert, dass zumindest punktuell möglich wurde, was wenige Jahrzehnte zuvor, in den 1720er oder 1730er Jahren, noch undenkbar gewesen ist: protestantische Kirchenmusik in einer katholischen Kirche. Eine frühe Aufführung des Passionsoratoriums in katholischem Umfeld ist beispielsweise 1765 für Köln belegt, die (ebenso katholische) kaiserliche Residenzstadt Wien hörte das Passionsoratorium dann erstmals 1787. Die Aufführung im Freisinger Dom lag da bereits fünf Jahre zurück.

Quellen: StadtAFS, Druckschriftensammlung.

Weiterführende Literatur: Lölkes, Herbert: Ramlers „Der Tod Jesu“ in den Vertonungen von Graun und Telemann. Kontext, Werkgestalt, Rezeption (Marburger Beiträge zur Musikwissenschaft 8), Kassel u.a. 1999, bes. S. 105-123  •  Pfeiffer, Harald: Einführung in Carl Heinrich Grauns Passionskantate „Der Tod Jesu“ auf dem Webauftritt der Heidelberger Studentenkantorei: http://www.studentenkantorei.de/graunkpl.htm (abgerufen am 11.03.2019).

 

 

 

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