30.11.2017

Ein echter Schatz: Das Archivstück des Monats Dezember

Von der Eröffnung des Diözesanmuseums Freising am 16. November 1974

Das Bild zeigt Domrektor Michael Höck, Museumsdirektor Sigmund Benker, Oberbürgermeister Adolf Schäfer, Erzbischof Julius Kardinal Döpfner, Landrat Ludwig Schrittenloher und Regierungspräsident Adam Deinlein bei der Eröffnung des Diözesanmuseums.
Eröffnung des Diözesanmuseums am 16. November 1974: (v. l.) Domrektor Michael Höck, dahinter verdeckt Museumsdirektor Sigmund Benker, Oberbürgermeister Adolf Schäfer, Erzbischof Julius Kardinal Döpfner, Landrat Ludwig Schrittenloher und Regierungspräsident Adam Deinlein. Ihre Blicke sind auf ein Vesperbild aus dem frühen 15. Jahrhundert gerichtet. (Foto: Rainer Lehmann)

„Archivstück des Monats – Schätze aus dem Stadtarchiv“ heißt eine kleine spannende Reihe, die echte Raritäten aus Freisings facettenreicher Geschichte präsentiert. Im monatlichen Wechsel wird jeweils ein einzelnes Archivstück vorgestellt und beschrieben. Die tiefe Bedeutung des „Archivstück des Monats“ erschließt sich aus fundierten Erläuterungen von Florian Notter, Leiter des Stadtarchivs: Im Dezember geht es um die Eröffnung des Diözesanmuseums Freising am 16. November 1974.

Florian Notter in seinem Beitrag zum Dezember-Exponat: „Das neue Diözesanmuseum bedeutet eine enorme Aufwertung für Freising. Versöhnung der Domstadt mit der Bistumsleitung – Kardinal hält sein Versprechen“. So titelte das Freisinger Tagblatt in der Ausgabe vom 19. November 1974, drei Tage, nachdem das Museum feierlich seine Pforten geöffnet hat. Dieser „geschichtliche(n) Stunde“ wohnte eine ansehnliche Zahl an Gästen bei. Eine kleine Gruppe prominenter Gäste konnte Fotograf Rainer Lehmann während eines Museumsrundgangs im Bild festhalten (siehe Foto).

Bei all dieser offensichtlichen Harmonie bleibt nun die Frage, warum Redakteur Gerhard Rachals damals in der Überschrift von einer „Versöhnung“ zwischen Freising und der Diözesanleitung beziehungsweise vom „Versprechen“ des Kardinals geschrieben hat. Um dies zu klären, muss man in der Geschichte einige Jahre zurückgehen. Im Lauf der 1960er Jahre kam es innerhalb der katholischen Kirche bekanntermaßen zu einem Reformprozess, der neben vielen anderen Feldern auch die Priesterausbildung betraf. Die entsprechenden Reformen innerhalb der Erzdiözese München und Freising führten dazu, dass besonders am traditionsreichen geistlichen Bildungsstandort Freising mehrere Einrichtungen geschlossen wurden: 1968 das Priesterseminar (1826 gegründet); im selben Jahr die Philosophisch-theologische Hochschule (1834 gegründet); 1974 schließlich das Knabenseminar (1828 gegründet). Die Schließungen riefen in Freising größte Besorgnis, aber auch heftigen Protest hervor. Wie schon im frühen 19. Jahrhundert, in den Jahren der Mediatisierung und der Säkularisation (1803) beziehungsweise des Konkordats (1817) und der Verlegung des Bischofssitzes nach München (1821), sah sich die Stadt wiederum mit einem dramatischen Bedeutungsverlust konfrontiert. Die Einrichtungen mit ihren renommierten Wissenschaftlern, die zum gesellschaftlichen und kulturellen Leben der Stadt maßgeblich und auf hohem Niveau beitrugen, gehörten fest zum Selbstverständnis Freisings.

Die Erzdiözese München und Freising, allen voran Erzbischof Julius Kardinal Döpfner, wirkte dem drohenden Bedeutungsverlust entgegen: Mit der Errichtung des Bildungszentrums im Residenzgebäude (ehem. Priesterseminar) 1968 und der Gründung des Diözesanmuseums im ehemaligen Knabenseminargebäude 1974, das der Kardinal bereits 1972 zugesagt hatte, wurde der Domberg neu belebt. Die Etablierung des Diözesanmuseums auf dem Freisinger Domberg folgte dabei freilich einer historischen Logik, da der Grundstock der Sammlungen Mitte des 19. Jahrhunderts im geistigen Umfeld von Priesterseminar und Lyzeum entstanden ist und räumlich seit jeher in Freising konzentriert war.

Mit dem „Versprechen“ Kardinal Döpfners, wie es Gerhard Rachals in seinem Bericht erwähnt, hat Freising ohne Zweifel ganz großes Glück gehabt. Nicht nur, dass mit dem Museum – und auch mit dem Bildungszentrum – das traditionsreiche kulturelle Engagement der Diözese auf dem Domberg erhalten blieb. Es wurde im Lauf der gut vier Jahrzehnte seines Bestehens zu einem international renommierten Kulturbetrieb, der ganz wesentlich zur Außenwahrnehmung, aber auch zum Eigenbild Freisings beiträgt. Die bisherigen Direktoren/in Sigmund Benker, Peter B. Steiner, Sylvia Hahn und Christoph Kürzeder haben mit ihren ausgezeichneten Ausstellungen Kulturarbeit stets höchster Qualität geleistet – ein unbezahlbares Gut für Freising!

Im Hinblick auf verschiedene Diskussionen im Rahmen der aktuellen Domberg-Erneuerung bleibt zu hoffen, dass alle Seiten wieder zusammenfinden und zu einem für den Standort Freising guten Ergebnis kommen. Und wie man sieht: Auch in den 1960er Jahren gab es Spannungen zwischen Stadtpolitik und Ordinariat – und zwar ganz anderen Ausmaßes als heute; am Ende hat man zu einem gedeihlichen Miteinander zurückgefunden. Vielleicht ist 2021, wenn das programmatisch und baulich erneuerte Diözesanmuseum wiedereröffnet hat, in der Presse zu lesen: „Das neue Diözesanmuseum bedeutet eine enorme Aufwertung für Freising. Versöhnung der Domstadt mit der Bistumsleitung …“.

Übrigens: Alle bisher vorgestellten „Archivstücke des Monats“ sind auch auf den Seiten des Stadtarchivs Freising zu finden.

Quellen: StadtAFS, Fotosammlung

Literatur: Benker, Sigmund / Steiner, Peter B.: Diözesanmuseum Freising (Museumsführer), Regensburg 21977; Steiner, Peter B.: Diözesanmuseum Freising. Christliche Kunst aus Salzburg, Bayern und Tirol. 12. bis 18. Jahrhundert (Kataloge und Schriften des Diözesanmuseums für christliche Kunst des Erzbistums München und Freising 2), München 1984; ders.: Diözesanmuseum Freising (Museumsführer), Braunschweig 1985.

<- Zurück zu: Neuigkeiten chronologisch

Schnellfinder

Newsletter

hier anmelden

Veranstaltungskalender

Fahrplanauskunft

Start:
Ziel:
um:
:Uhr
am:
..