07.09.2017

Erinnerungen an das Freisinger Volksfest anno 1957

September-„Archivstück des Monats " zeigt 2017 wieder einen echten Schatz: Das Programmheft vor 60 Jahren

Das Bild zeigt das Festprogramm zum Freisinger Volksfest 1957.
Volksfest-Programm von 1957 – schon damals unentbehrlich, um sich einen Überblick zu verschaffen. (Foto: Stadtarchiv)

„Archivstück des Monats – Schätze aus dem Stadtarchiv Freising“ heißt eine kleine, überaus spannende  Reihe, die echte Raritäten aus Freisings facettenreicher Geschichte präsentiert. Die tiefe Bedeutung des „Archivstücks des Monats“ erschließt  sich aus fundierten Erläuterungen von Florian Notter, Leiter des Stadtarchivs. Im September 2017 – passend zur Volksfestzeit – geht es um das Festprogramm zum Freisinger Volksfest 1957. Interessierte können das Archivstück gerne vor Ort im Freisinger Stadtarchiv, Major-Braun-Weg 12, zu den üblichen Öffnungszeiten einsehen. Die Ausstellung im Rathaus kann leider aufgrund von konservatorischen Schäden nicht weitergeführt werden.

Florian Notter über das September-Exponat: In der Freisinger „Volksfestzeit“ liegen sie an gefühlt jeder Ecke der Stadt aus; kleine bunte Heftchen in DIN-A5- oder DIN-lang-Format, vorne drauf fast immer ein Bär mit einem Lebkuchenherz: das gedruckte Volksfest-Programm. Es gehört zu den nebensächlichen Dingen des traditionsreichen Freisinger Bürgerfestes. Und doch ist es, um sich einen schnellen Überblick zu verschaffen, unentbehrlich – bis heute, auch wenn es inzwischen digitale Alternativen gibt.

Das Programmheft ist so alt wie das Freisinger Volksfest selbst. Es wurde erstmals 1929 in den Luitpoldanlagen abgehalten (von einigen ähnlichen Festveranstaltungen in früheren Jahren einmal abgesehen). Damals war das Fest noch überwiegend von den Landwirtschafts- und Gewerbeschauveranstaltungen geprägt, wie sie seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert in Freising häufig zu sehen waren. So fanden im Rahmen des Volksfestes von 1929 etwa noch eine Gewerbeschau, eine Kunstausstellung, eine Obst- und Gartenbauausstellung, die „Bezirks-Bienenausstellung“, die „Kreis-Geflügelausstellung“, eine „Kaninchenausstellung mit Pelzmodenschau“ oder auch eine „Korbweiden-Ausstellung“ statt. Vergnügungseinrichtungen wie Karusselle oder andere Fahrgeschäfte spielten damals eine ganz untergeordnete Rolle.

Vergnügen gewinnt an Bedeutung

Das war beim Volksfest von 1957 schon anders: Zwar gab es auch dort noch eine Gewerbeschau mit 15 Ausstellern sowie eine „Landw[irtschaftliche] Maschinen- und Geräteausstellung“, auf der Freisinger wie Anton Schlüter, Hans Huber und Max Ismaier ihre Bulldogs präsentierten. Insgesamt dominierte das Freisinger Volksfest aber damals schon der Vergnügungsbereich mit 20 Attraktionen. Darunter ein Autoscooter, ein Kasperltheater, ein Hundetheater, ein Riesenrad, eine Geisterbahn, ein Kindermärchen- und ein Sportkarussell und der „Glückshafen“ des Roten Kreuzes. Es wurde auffallend viel geschossen: In neun Schießhallen und -buden, die teils auch anderen Fahrgeschäften angegliedert waren, konnten die Freisinger vor 60 Jahren ihre Treffsicherheit unter Beweis stellen.

Ähnlich späteren Volksfesten gab es auch beim Volksfest des Jahres 1957 an einigen Tagen programmatische Schwerpunkte, so zum Beispiel mit dem „Kindernachmittag“ – wie heutzutage am Donnerstag. Oder auch mit dem „Großen Jugend-Nachmittag“ am zweiten Volksfest-Samstag, dessen Hauptattraktionen der Kinderfestzug und das abendliche Feuerwerk waren; heute heißt dieser Tag „Familientag“. Der Montag-Abend war 1957 schwerpunktmäßig dem Handwerk, dem Handel und dem Gewerbe vorbehalten, der Dienstag-Abend den Arbeitnehmern und Arbeitgebern (heute am zweiten Freitag). Was es damals nicht gab, war ein Behördentag – davon haben wir heute gleich zwei: am Dienstag der „Behörden-Nachmittag“ und am Donnerstag der „Abend der Behörden“. Neu sind im Vergleich zu 1957 auch der „Tag des Sports“ (erster Samstag) und der „Tag der Senioren“ am Montag.

Maria Hellwig als „Sennerin der Hinteralm“

Zu den Höhepunkten früherer Freisinger Volksfeste gehörten Veranstaltungen, die schon seit vielen Jahrzehnten kein Teil mehr des Festprogramms sind. Darunter das eigens für die Festwoche organisierte Theaterspiel, das im Asamsaal aufgeführt wurde. 1957 lautete der Titel des Stücks „Prinzessin Eigensinn“. Über lange Zeit ein prägendes Element des Freisinger Volksfestes war zudem das Reitturnier. Mit Dressurprüfungen, Jagdspringen und einem Umritt durch die Stadt dominierten Pferde und Reiter 1957 zum Beispiel das gesamte erste Volksfest-Wochenende. Einer der musikalischen Höhepunkte des Volksfestes von 1957 war der Auftritt Maria Hellwigs als „Sennerin der Hinteralm“.

Was das damalige Volksfest vom heutigen außerdem unterschied, war das Bier. In einer Werbeannonce im Volksfestprogramm heißt es: „Mein lieber Freund, das rat ich Dir, zum Volksfest trinkt man Hackl-Bier“. Neben dem Hofbrauhaus schenkte 1957 also auch der Hacklbräu aus – fünf Jahre später gab es diese traditionsreiche Freisinger Brauerei nicht mehr. Der Bierpreis betrug 1,60 DM.

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