Tunnelbau Vötting

Von der 3560 Meter langen Strecke der Westtangente Freising zwischen der Thalhauser Straße und der Staatsstraße 2350 entfallen 705 Meter auf einen Tunnel. Etwa 150 Meter südlich des Kreisverkehrs, der an der Kreuzung von Thalhauser Straße und Weihenstephaner Ring entsteht, taucht die Straße in den Tunnel ab und kommt südlich der Moosach wieder an die Oberfläche. Auf dieser Seite informieren wir Sie über die Baufortschritte.

Die Sohle im bergmännischen Tunnelabschnitt (461 Meter) ist ebenso fertiggestellt und wie der Bau der Beton-Innenschale (Gewölbe). Inzwischen steht hier die Tunneltechnik im Mittelpunkt: Noch bis mindestens zum Jahresende 2019 wird das Eiprofil im Bereich der Sohle aufgefüllt und mit Leerrohren für die Technik (Verkabelung für Elektrik, Belüftung etc.) versehen. Der Tunnel endet derzeit am Schachtbauwerk, an den sich der 177 Meter lange Abschnitt bis zum Südportal des Tunnels anschließt, der in Deckelbauweise hergestellt wird. Im Bereich des Schachbauwerks befindet sich auch ein Notausstieg mit dem Betriebsgebäude, an dem bereits fleißig gewerkelt wird. Das Betriebsgebäude wird einmal das technische Herzstück des Tunnels beinhalten.

 


Geologische Probleme

Dass bei einem Vorhaben wie der Westtangente, dem größten Verkehrsprojekt in der Geschichte der Stadt Freising, die ein oder andere Schwierigkeit auftritt, ist nicht außergewöhnlich. Nicht zu rechnen war indes mit den (hydro)geologischen Problemen im südlichen Abschnitt des Tunnels. Schließlich gab es vor Baubeginn umfangreiche Probebohrungen, bei denen eine stark verdichtete, gut zwei Meter dicke Tonschicht in etwa 23 Metern Tiefe identifiziert wurde. Dieser sogenannte „Stauer“, der vor schätzungsweise drei Millionen Jahren entstanden sein dürfte, schirmt das Grundwasser ab. Und das ist für die Deckelbauweise des Tunnels bedeutsam: An den Seiten der künftigen Röhre werden nämlich Bohrpfahlwände gesetzt, zwischen diesen wird dann ein Deckel gebaut und darunter der eigentliche Tunnel gegraben. Laut den Untersuchungen wäre der Tunnel nicht direkt vom Grundwasserdruck betroffen.

Völlig unerwartet stellte man bei den Arbeiten im Sommer 2018 fest, dass dieser natürliche Stauer zum Teil völlig fehlt: Nur fünf Meter entfernt von einer im Vorfeld entlang der Bauachse diagnostizierten Tonschicht, die sogar besonders mächtig war, befindet sich quasi ein Loch; einige Meter weiter ist der Stauer wiederum deutlich geringer als erwartet.

OB Eschenbacher macht sich persönlich ein Bild

Erfolgreiche Lösungen

Auf diese unerfreulichen Nachrichten hat die Stadt umgehend reagiert und ein aufwändiges Erkundungsprogramm sowie ein Gutachten in Gang gesetzt mit dem Ziel, für die erforderliche Grundwasserabschirmung der betroffenen Docks – so lautet der Fachbegriff für die insgesamt sieben Tunnelabschnitte in Deckelbauweise – zu sorgen. Beim Dock drei fehlte noch der Deckel, was es ermöglichte, zwischen den Bohrpfählen nachträglich abzudichten. Prüfungen haben erfreulicherweise ergeben: Die Sohle ist absolut dicht. Komplizierter die Lösung für Dock zwei, das schon mit einem Deckel ausgestattet ist. Mitte Juni 2019 wurde damit begonnen, außen an den Bohrpfahlreihen mittels Hochdruckinjektionsschützen Zement in einer Tiefe zwischen 23 und 30 Metern einzuspritzen. Seit 30. August sind nun diese Nachbesserungen abgeschlossen und seit 2. September laufen vier Wochen lang Pumpversuche, um zu prüfen, ob die Tunnelsohle tatsächlich dicht ist.

Eine Neuplanung erforderten die geologischen Überraschungen am Schachtbauwerk und am Betriebsgebäude, deren Fertigstellung nun für Februar 2020 anvisiert ist. All die genannten Änderungen und Nachbesserungen gehen leider mit einem gravierenden Zeitverlust einher, zumal auch die Baulogistik neu geordnet werden musste. Etwas Zeit wird versucht gutzumachen, indem an der Deckelbauweise für den Tunnel ab Herbst 2019 parallel von Süd und von Nord gearbeitet wird. Dennoch dürfte sich die Verkehrsfreigabe der Tangente auf den Spätsommer 2021 verschieben, wie Projektleiter Franz Piller bei einem Pressetermin am 3. September 2019 nochmals bestätigte. Zudem erhöhen sich die momentan abschätzbaren Gesamtprojektkosten voraussichtlich um 9,82 auf 108,22 Millionen Euro - von einer weiteren Kostenerhöhung ist allerdings auszugehen.


Wichtige Daten für den Tunnelbau

  • Startschuss: Die Arbeitsgemeinschaft Wayss & Freytag/Bauer begann am 05. Dezember 2016 mit den Arbeiten für den Tunnel Vötting.
  • Der feierliche Tunnelanstich fand am 22. Mai 2017 statt.
  • Die Ausbrucharbeiten für den Tunnel waren Ende November 2017 bei 390 Metern angelangt. Dabei ging es im Mittel täglich etwa 1,2 Meter voran. Der Durchschlagspunkt an der Giggenhauser Straße war zu diesem Zeitpunkt etwa 70 Meter entfernt. 
  • Erste Rettungsübung Ende November 2017 im Tunnel: Die Einsatzkräfte von Freiwilliger Feuerwehr Freising und Bayerischem Roten Kreuz kamen mit den völlig ungewohnten und schwierigen Bedingungen bravourös zurecht.
  • Meilenstein beim Bau des Tunnels: Am Donnerstag, 18. Januar 2018, wurde der Tunneldurchschlag geschafft und es öffnete sich sozusagen ein Fenster vom bergmännisch errichteten Tunnel zum Schacht an der Giggenhauser Straße. 
  • Öffentliche Besichtigungsmöglichkeit der Tunnelbaustelle am Sonntag, 28. Januar 2018: An die 10.000 Menschen nutzten die Gelegenheit, die etwa 460 Meter lange Strecke vom Nordportal bis zum Ende des bergmännischen Teils zu erkunden. 
  • Der Strossenvortrieb (also der untere Teil der 461 Meter langen Röhre unter Vötting) wurde in der Nacht des 13. April 2018 abgeschlossen.
  • Seit 03. Mai 2018 gehören Tunnelarbeiten sieben Tage die Woche und 24 Stunden pro Tag der Vergangenheit an. Hintergrund: Nicht nur die Kalotte (der obere Teil des bergmännischen Tunnels) sowie die Sohle/ Strosse (unterer Teil) sind mittlerweile ausgebaut; auch der Querstollen, also die Verbindung zwischen dem Westtangenten-Tunnel und dem nördlichen Notausstieg im Bereich Vöttinger Schule/ Bolzplatz, wurde mittlerweile geschaffen.

Bildergalerien

Impressionen vom Tunnelanstich

22. Mai 2017: Stadtbaumeisterin und Tunnelpatin Barbara Schelle hebt einige Erdladungen gekonnt mit dem Schaufelradbagger aus.

Rettungsdienste proben den Ernstfall

Realistisches Szenario für die Übung am 25.11.2017: Ein Kleinwagen kollidiert etwa 350 Meter tief im Tunnel mit einem Schwerfahrzeug, dabei wird der Fahrer schwer verletzt und im Auto eingeklemmt.

Tag der offenen Tunnelbaustelle

Sensationelle Resonanz auf die Besichtigungsmöglichkeit am 28.01.2018. Am Eingang waren Pläne ausgestellt, die von Fachleuten ebenso erläutert wurden wie die eindrucksvollen Maschinen, die vor dem Portal abgestellt waren und für einige Stunden pausierten.

Durchbruch der Strosse

Im Januar 2018 war der Durchbruch geschafft und der obere Teil des bergmännisch gebauten Tunnels fertiggestellt. Seit der Nacht des 13. April 2018 ist auch der Durchschlag des unteren Bereichs geschafft. Die Bilder entstanden wenige Stunden davor.

Tunnel Deckelbauweise

Arbeiten 07. März 2018 an der Bachstraße und Oktober 2018

Tour Juni 2019

Fotostrecke: Tunnel bergmännisch, Deckelbauweise, oberirdische Trasse durchs Freisinger Moos bis zur Bahnbrücke


Ihr Kontakt

Referat Technische Betriebe
Franz Piller
Amtsgerichtsgasse 6
85354 Freising


Telefon 08161/54-4 70 00
westtangente@freising.de


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