Anlässlich des 90. Geburtstags von emer. Papst Benedikt XVI.

Wieskurat Brugger erinnert an seinen Freund und Weggefährten

Festvortrag im Großen Rathaussaal mit vielen Gästen. (Foto: Stadt Freising)
Festvortrag im Großen Rathaussaal mit vielen Gästen. (Foto: Stadt Freising)

Mit einem Festvortrag hat die Stadt Freising am Freitag, 21. April 2017, an den emeritierten Papst Benedikt XVI. erinnert, der am Ostersonntag 90. Geburtstag gefeiert hat. Im Großen Rathaussaal zeichnete Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher nicht nur den Lebensweg des ehemaligen Oberhaupts der römisch-katholischen Kirche nach, sondern ließ auch persönliche Begegnungen Revue passieren. Der Mensch, Theologe und Geistliche Joseph Ratzinger wurde in den Erzählungen von Prälat Walter Brugger lebendig: Er beschrieb seinen langjährigen Freund als „tiefst gläubig, gütig, bescheiden und freundlich“.
 

Tiefe Verbundenheit mit Freising

Musikalische Begleitung: Lina Rühl und Juliane von Urff mit Musikschulleiter Martin Keeser. (Foto: Stadt Freising)
Musikalische Begleitung: Lina Rühl und Juliane von Urff mit Musikschulleiter Martin Keeser. (Foto: Stadt Freising)

Auch wenn der emeritierte Papst „weiter südlich“ weile, so wolle man ihm an diesem Abend in Gedanken einen herzlichen Gruß aus Freising schicken, sagte OB Eschenbacher. Er blickte auf die für Joseph Ratzinger prägenden Stationen in Freising als Student, Lehrender und Erzbischof von München und Freising zurück und resümierte: „Er war Freisinger!“ Auch nach der Wahl zum Heiligen Vater sei der Kontakt nie abgerissen – sei es bei dessen triumphaler Rückkehr in die Domstadt als Papst anno 2006, dem Besuch in Rom 2010, als ihm der Stadtrat die Ehrenbürgerwürde verliehen habe, oder zuletzt 2013 bei der Feier des Fronleichnamsfestes in den Gärten des Vatikans. Auch in Briefen und Postkarten drücke sich die tiefe Verbundenheit zwischen der Stadt Freising und ihrem Ehrenbürger aus – und ebenso in Geschenken, die der ehemalige Pontifex dem Stadtmuseum zukommen ließ. Eine kleine Auswahl präsentiert noch bis Ende April 2017 eine Vitrine im 2. Stock des Rathauses.

Per Du mir dem Papst

Wieskurat Walter Brugger empfiehlt als Lektüre das 39. Sammelblatt des Historischen Vereins "Papst Benedikt und Freising". (Foto: Stadt Freising)
Wieskurat Walter Brugger empfiehlt als Lektüre das 39. Sammelblatt des Historischen Vereins "Papst Benedikt und Freising". (Foto: Stadt Freising)

Für den Festvortrag hatte die Stadt Wieskurat Brugger gewinnen können: Ihn verbindet mit Joseph Ratzinger eine mehr als 60 Jahre währende Freundschaft. Seit ihren gemeinsamen Traunsteiner Zeiten Ende der 1950-er Jahre sind sie per Du: „Als ich ein kleines Kaplänchen war, hat er mir bei einem Spaziergang an der Traun das Du angeboten – und hat es nie zurückgenommen, auch nicht als Papst. Er hätte auch anders reagieren können wie manche Leute, die in höhere Würde abdriften“, sinnierte Brugger.

Seine interessanten Erinnerungen, die der Kurat der Freisinger Wieskirche unter das Motto „ Papst Benedikt XVI. – Joseph Ratzinger – einmal anders“ gestellt hatte,  sparte auch nicht mit so mancher Anekdote. Beispielsweise verriet er, dass Ratzinger sehr dazu gedrängt werden musste, Schafkopf zu spielen, was dieser zwar „sehr gut“, aber „bisserl verhalten“ zelebriert habe. An einen „frechen Wenz“, den er, Brugger, einmal gespielt habe, erinnerte sich Ratzinger noch Jahre später als Kurienkardinal. „Ich kennen keinen, der so ein Gedächtnis hat wie er, und keinen, der ohne Blatt auf die Kanzel gehen und druckreif predigen kann“, sagte Brugger beeindruckt.

Wertschätzung und Respekt

Eintrag ins Gästebuch der Stadt Freising: Walter Brugger (sitzend)  mit (v.l.) OB Tobias Eschenbacher, Weihbischof Bernhard Haßlberger und Alt-OB Dieter Thalhammer (Foto: Stadt Freising)
Eintrag ins Gästebuch der Stadt Freising: Walter Brugger (sitzend) mit (v.l.) OB Tobias Eschenbacher, Weihbischof Bernhard Haßlberger und Alt-OB Dieter Thalhammer (Foto: Stadt Freising)

Brugger bringt seinem Freund und Glaubensbruder, den er als „größten Theologen des 20. Jahrhunderts“ rühmte, große Wertschätzung entgegen. Wissend um die Vorzüge und um die Wesenheit Ratzingers war ihm schon früh bewusst, was auf seinen Weggefährten mit der Papstwahl zukommen wird. „Er hat eine gewisse Scheu an sich, jemanden zu nahe zu kommen, – und er war nie ein Regent“, so Brugger. Mit dem Papstamt habe Ratzinger „eine  wahnsinnige Hypothek auf seine Schultern geladen“. Den vorzeitigen Amtsverzicht hatte ihm das Kirchenoberhaupt schon mit den Worten angedeutet: „Wenn ich diese Verantwortung und Last nicht mehr tragen kann für die Kirche, werde ich nicht mehr Papst sein.“ Als er dann im Jahr 2013 diese Entscheidung „vor Gott und seinem Gewissen“ getroffen habe – einem seit vielen Jahrhunden einmaligen Akt in der katholischen Kirche – habe ihm dies allergrößten Respekt abgenötigt, so Brugger. Seinen sehr persönlichen Bericht schloss der Freisinger Wieskurat mit einem Aufruf: „Du musst ein Segen sein“, habe ihm Joseph Ratzinger bei einem Besuch in Neustift anlässlich seines 75. Geburtstags aufgetragen, „und das ist ein Auftrag, der an alle Christen geht und heute wichtiger denn je ist“.

 

 

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