Ein kreatives und bewegendes Zeitzeugnis

„Alles anders – Corona + ich“ – unter diesem Motto ist noch bis Ende Juni eine Ausstellung in der Freisinger Stadtbibliothek mit rund 130 Werken von Kindern im Alter von neun bis 12 Jahren zu sehen. Die unterschiedlichen (Auf-)Zeichnungen und Briefe, die außerdem als Buch erhältlich sind, schildern auf beeindruckende, kreative, aber auch teils erschreckende Weise die Gefühlslagen der Heranwachsenden in der Corona-Krise. Die Kunstwerke hängen an den Schaufenstern der Stadtbibliothek entlang der Weizengasse aus und sind somit 24 Stunden am Tag zu sehen. Die Erlöse aus dem Verkauf des Buches kommen caritativen Zwecken zugute.

Initiiert wurden die Ausstellung und der Bildband vom Verein „KULTUR-gut! Freising e.V.“. Die Idee entstand im Winter als Stefanie Gölz, die Vorsitzende des Vereins, ein gemaltes Corona-Monster von ihrer zehnjährigen Enkelin erhielt. Gölz‘ Lebensgefährte Andreas Meinl, ebenfalls Vereinsmitglied, kam dann die Idee, Kunstwerke wie diese zu sammeln und im größeren Stile zu veröffentlichen. Vereins-Mitglieder und Freiwillige verteilten anschließend Info-Flyer und erhielten zahlreiche Zeichnungen, Briefe, Basteleien, Gedichte etc. von betroffenen Schüler*innen.

Entstanden sind Schaufenster, bzw. Buchseiten, voller bewegender, teils witziger, teils trauriger, Geschichten und Gedankengänge, die eindrücklich schildern, wie dramatisch sich Entbehrungen und Isolation auf Kinder auswirken und wie teils negativ sich ihre Gefühlswelt darstellt. „Es ist wirklich erschütternd, wie Kinder Corona erleben“, sagt die Vereinsvorsitzende Stefanie Gölz bei der Präsentation des Buches in der Stadtbibliothek. Die Kinder hätten „mit hellem Blick“ ihre Werke erstellt und Traumata verarbeitet. Gölz mahnte: „Wir müssen uns um diese Generation wirklich Sorgen machen.“ Das Projekt verfolge deshalb die Absicht, die Kindern bei der Verarbeitung dieser schwierigen Zeit zu unterstützen. Einen großen Dank richtete Gölz an die vielen Unterstützer*innen, die das Projekt durch finanzielles Zutun, gestalterischen Einsatz und viel Engagement möglich gemacht hätten.

Bildergalerie Buchvorstellung "Alles anders - Corona + ich"

OB Eschenbacher: „Zeitzeugnis, das es hoffentlich nicht noch einmal geben wird“

Auch Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher zeigte sich tief beeindruckt von der Ausstellung und vom Buch, das auf dem Titel ein schlecht gelauntes Corona-Monster zeigt. Eschenbacher, der gleichzeitig auch Schirmherr des Projekts ist und ein handschriftliches Vorwort verfasste, sprach von einer „extremen Situation“, in der sich auch alle Schüler*innen derzeit befänden: „Es ist alles andere als einfach, wenn man sich ständig nur online sieht“, so Eschenbacher. „Deshalb ist es toll, dass Schüler*innen ihre Probleme, die durch Corona entstehen, auf diese Weise verarbeiten können. Auch wenn es einem natürlich sehr Leid tut.“ Die Kunstwerke seien auch ein beeindruckendes Zeitzeugnis, „das es aber hoffentlich nicht noch einmal geben wird.“

Das Buch ist gegen eine Spende von 15 Euro bei Bücher Pustet erhältlich und kann in der Stadtbibliothek ausgeliehen werden. Der Erlös wird an den Verein Elias gespendet, der sich für Covid-19-Erkrankte und -Langzeitgeschädigte einsetzt.

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