Westtangente Freising

Baustellentour entlang der künftigen Trasse

Den Weg zum Nordportal des Tunnels markieren derzeit gelbe Pflöcke. (alle Fotos: Stadt Freising)
Den Weg zum Nordportal des Tunnels markieren derzeit gelbe Pflöcke. (alle Fotos: Stadt Freising)

Wer derzeit von der Thalhauser Straße oder von der Münchner Straße (ehemalige Bundesstraße 11) auf die künftige Trasse für die Westtangente blickt, vermisst möglicherweise geschäftiges Treiben. Tatsächlich ist zwischen diesen beiden „Endpunkten“ richtig viel los.

Mit Paul Kratzer, zuständig für den Tunnelbau, und Ariane Heilmeier, verantwortlich für Kostencontrolling, Straßen und Brücken, hat die Stadt Freising im September 2016 eine Nord-Süd-Tour entlang der Strecke unternommen und im Bild die wesentlichen Arbeiten festgehalten. Der Beginn des Tunnelbaus ist dabei schon terminlich im Blick: Die europaweite Ausschreibung und die Prüfung der Angebote sind abgeschlossen. Voraussichtlich Anfang Oktober 2016 kann der Auftrag vergeben werden.
 

Start: Lise-Meitner-Straße

Das Foto zeigt die mittlerweile fertiggestellte Spartensicherung in der Lise-Meitner-Straße.
Abgeschlossene Spartensicherung in der Lise-Meitner-Straße.

So schnell kann´s gehen: Die Spartensicherung der Mittelspannungsleitungen der Technischen Universität nach Dürnast waren schon kurz nach dem Fototermin abgeschlossen – und damit, wie versprochen, rechtzeitig vor Schulbeginn. Bauarbeiter waren etwa zwei Wochen lang damit beschäftigt, unter die Leitungen massive Stahlplatten zu schieben. Erforderlich ist diese Sicherung, weil knapp unter den Mittelspannungsleitungen der Tunnel verlaufen wird.

Apropos Tunnel: Gelbe Pflöcke markieren hier, am nördlichen Ende der künftigen Umgehungsstraße, den vorgesehenen Verlauf der Route. Gebuddelt wird hier wohl schon ab November 2016.  „Den feierlichen Anstich am Nordprotal werden wir höchstwahrscheinlich erst dann vornehmen, wenn der Boden bis zum Tunnelniveau abgetragen ist“, sagt Paul Kratzer. Zwischenzeitlich läuft bereits die Beweissicherung der Wohnhäuser bei den Vöttinger Tunnelanrainern, die vor Baubeginn der 705 Meter langen Röhre abgeschlossen sein wird.

Zwischenstopp: Giggenhauser Straße/ Ecke Am Mitterfeld

Das Foto zeigt im Vordergrund einen Stapel großer Rohre, die Telekom und Kabel-Deutschland für die Leitungsverlegung verwendet haben.
Leitungsverlegung Telekom und Kabel-Deutschland.

Die Stadtwerke und auch Stadtentwässerung Freising waren im Bereich Giggenhauser Straße schon aktiv und haben zur Vorbereitung des Tunnelbaus ihre Leitungen verlegt. Als letzte der Spartenträger sind nun Kabel Deutschland und Telekom mit der Umlegung beschäftigt. Die Arbeiten sind mittlerweile so weit fortgeschritten, dass nur noch Kabel in die Leerrohre gezogen werden müssen – solange sind die Gehwege noch blockiert.

Neuer Arbeitsplatz für die Projektleitung: Baubüro an der Bachstraße 8

Das Bild zeigt Ariane Heilmeier und Paul Kratzer vor dem Baubüro in der Bachstraße 8.
Ariane Heilmeier und Paul Kratzer vor dem Baubüro in der Bachstraße 8.
Das Foto zeigt ein Büro mit zwei Schreibtischen, PCs und Bildschirmen - der Arbeitsplatz der städtischen Mitarbeiter.
Arbeitsplatz der städtischen Mitarbeiter.

Da hat sich eine ideale Lösung für die Bauleitung aufgetan: Nicht in den üblichen Containern werden Mitarbeiter der Stadt sowie Bauoberleitung und Bauüberwachung für die Streckenbauwerke und für den Tunnel untergebracht. Ein mittlerweile leer stehendes Gebäude auf einem von der Stadt Freising erworbenen Grundstück an der Bachstraße 8 wurde für diese Zwecke hergerichtet. Die Büros und ein Besprechungsraum sind bereits mit Mobiliar und Technik ausgestattet, im Laufe des Oktobers werden sie bezogen. „Wir können das Haus bis zur Fertigstellung der Westtangente nutzen, danach wird es abgebrochen“, erläutert Paul Kratzer die Vereinbarung.

Er wird als Projektleiter für den Tunnelbau etwa die Hälfte seiner Arbeitszeit im Baubüro verbringen und damit auch für die Vöttinger Bürgerinnen und Bürger als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Ariane Heilmeier plant, nicht zu oft an diesem neuen Schreibtisch zu sitzen – und das nicht nur, weil sie häufig auf der Baustrecke anzutreffen ist, wie sie berichtet: „Vor allem beim Kostencontrolling benötigt man Ruhe, die man hier im Baubüro eher nicht finden wird. Meine Bürotätigkeit wird deshalb vor allem an meinem Arbeitsplatz in der Amtsgerichtsgasse stattfinden.“

Nächster Halt: Dampfänger- und Mühlangergraben

Das Foto zeigt den Dampfängergraben, wie gerade ein Teilstück abgetrennt und entwässert wird, um es später verrohren zu können.eßende Verrohrung.
Dampfängergraben: Entwässerung für die Umlegung und anschließende Verrohrung.
Das Bild zeigt den Mühlangergraben mit dem bereits verrohrten Abschnitt, über dem später eine Brücke gebaut wird.
Mühlangergraben: Die Rohre sind bereits eingebaut.

Weiter geht die Fahrt über Feldwege südlich der Moosach. Hier wird die Tangente nach der Unterquerung von Vötting wieder auftauchen und zuerst den Dampfängergraben und danach den Mühlangergraben kreuzen. Für die Überbrückungen müssen die Gräben verrohrt werden: Die Wasserläufe hat man dafür umgelegt, das Wasser abgepumpt und dann die Rohre eingebracht. Anschließend können die Bäche wieder in ihren ursprünglichen Verlauf – mit einem verrohrten Abschnitt – zurückkehren. Am Mühlangergraben wird zusätzlich eine Flutmulde angelegt, weil der Bachlauf bei Hochwasser zur Entlastung der Moosach dient.

Übrigens: Ausgezeichnete Fortschritte macht auch die Baustraße zwischen Dampfängergraben und Feldfahrt. Seit April 2016 baut die Firma Rädlinger aus Cham die rund 1,8 Kilometer lange Strecke (Kosten etwa 3,5 Millionen Euro), spätestens Anfang nächsten Jahres ist sie komplett angelegt. Dabei ist die Bezeichnung als „Baustraße“ insofern korrekt, weil über sie das Aushubmaterial des Tunnels abtransportiert wird, ohne den Stadtteil Vötting zu belasten. Tatsächlich verläuft die Baustraße – Ausnahme die Bereiche von Brückenbauwerken – auf der Trasse der künftigen Tangente.

Auf freier Strecke: Überlastschüttung und Rüttelstopfverfahren

Das Bild zeigt, wie Vertikaldrainagen gesetzt werden.
Setzen von Vertikaldrainagen.
Das Bild zeigt, wie das Rüttelstopfverfahren zur Bodenkonsolidierung funktioniert.
Rüttelstopfverfahren.

Als Nicht-Techniker/-in kann man bei dieser Großbaustelle einiges lernen. Beispielsweise, wie auf „freier Strecke“ durch das Freisinger Moos mit seinen Torf- und Weichschichten ein tragfähiger  Straßenuntergrund in zwei verschiedenen Verfahren hergestellt wird. Variante 1 ist die „Überlastschüttung mit Vertikaldrainagen“. Dafür wird der Boden „konsolidiert“, indem Erdreich aufgetürmt wird, das sich wieder setzt, darauf kommt die nächste Schüttung und so weiter. Der Untergrund bekommt also mächtig Druck von oben. „Es sieht zeitweise so aus, als ob wir hier meterhohe Dämme bauen würden“, weiß Ariane Heilmeier und beruhigt sogleich: „Die bleiben nicht, das sinkt auf das spätere Straßenniveau ab.“ Zusätzlich werden zur Wasserableitung Vertikaldrainagen eingebaut, damit sich der Untergrund schneller stabilisiert.

Variante 2 ist teurer – und sieht spektakulärer aus: Ein Rüttelgerät dringt tief, bis auf tragenden Grund in das Erdreich ein und stopft dabei Material wie Kies und Schotter in die weicheren Schichten. Durch die Vibration des Geräts wird das neue Bodenmaterial zusätzlich verdichtet. Die nun in der Erde stehende Säule nennt man Rüttelstopfsäule. Dieses aufwendige Verfahren kommt vor allem im Bereich von Bauwerken wie Brücken zum Einsatz, wo ein tragfähiger Boden besonders gefragt ist.

Letzter Halt: Bahnbrücke

Das Bild zeigt die Bahnbrücke: Bohrpfahlgründung für die Brückenwiderlager der Brücke über die Bahnlinie.
Bahnbrücke: Bohrpfahlgründung für die Brückenwiderlager.

Ein wichtiges Bauwerk der neuen Westtangente ist die Brücke über die Bahnlinie, die von der Firma Mayerhofer GmbH aus Simbach am Inn zum Angebotspreis von ca. 2,7 Millionen Euro  errichtet wird. Die Vorschüttung für die Brücke ist schon seit geraumer Zeit fertiggestellt. In diesen Tagen haben nun die eigentlichen Bauarbeiten mit der Bohrpfahlgründung für die Brückenwiderlager begonnen. Die Arbeiten zu beobachten, ist durchaus beeindruckend: Die riesige Schnecke wird in Position gebracht und bohrt ins Erdreich ein großes Loch, in das die Bewehrungskörbe eingeführt werden. Im Anschluss wird der Hohlraum ausbetoniert. Die langen Körbe stabilisieren ihrerseits den Betonbohrpfahl. Wenn die Gründungsarbeiten abgeschlossen sind, kann der eigentliche Neubau der Bahnbrücke beginnen. Terminiert ist die Fertigstellung für Juni/Juli 2017.

Fazit

Es staubt, lärmt, spritzt und wuselt an verschiedensten Stellen der insgesamt 3560 Meter langen Umfahrungsstrecke, die Thalhauser Straße und Münchner Straße/Kreisstraße FS 44  miteinander verbinden wird. Läuft weiterhin alles wie am Schnürchen, kann der Verkehr auf der Westtangente Ende 2020/Anfang 2021 freigegeben werden.

Nach oben

Schnellfinder

Newsletter

hier anmelden

Veranstaltungskalender

Fahrplanauskunft

Start:
Ziel:
um:
:Uhr
am:
..