Mit der Entstehung und Entwicklung eines spannenden Stadtteils beschäftigt sich 2020 eine Ausstellung des Stadtarchivs Freising: Im nächsten Jahr wird "100 Jahre Goldberg" begangen.

Die heute zwischen Altstadt und Campus Weihenstephan gelegene Arbeitersiedlung möchte Stadthistoriker Florian Notter anhand von Fotografien, Karten und Plänen bei einer Ausstellung „richtig schön“ inszenieren. In Hans-Michael Miller, der am Goldberg wohnt und bereits seit Jahrzehnten Dokumente sammelt, hat das Stadtarchiv einen wertvollen Partner. Notter hofft gleichwohl, dass weiteres interessantes Material bei ehemaligen und heutigen Bewohner*innen existiert: Diese sollen sich, so sein Aufruf, bei ihm telefonisch unter 08161/54-44700 oder per Mail an stadtarchiv@freising.de melden. „Im Gegenzug erhalten diese Personen kostenlos den Ausstellungskatalog“, gibt Florian Notter einen zusätzlichen Anreiz, die Schau zu unterstützen.

Innovative Arbeitersiedlung

Der Goldberg ist ein Quartier, das seinerzeit von Arbeitern für Arbeiter geschaffen wurde, wie Notter berichtet. Aus den Wahlen 1919 ging die SPD als machtvolle Gruppe hervor und forderte, dass für nicht gut situierte Bürger Wohnraum geschaffen werden müsse. Freising sei damals keine konservative Stadt im Schatten des Dombergs gewesen: „Von diesem Klischee muss man wegkommen, Freising war auch eine moderne Stadt und innovativ“, unterstreicht der Stadthistoriker. Schließlich sei am Goldberg ab 1920 eine genossenschaftlich organisierte Siedlung errichtet worden – auf Druck der Sozialdemokraten, aber letztlich mit Unterstützung aller Gruppierungen. Weiterhin sei nicht im üblichen „rechten Winkel“ gebaut worden, macht Notter auf eine Besonderheit aufmerksam. Die Straßen seien geschwungen, damit man die Hausfassaden auch sehen könne. Zusätzlich seien große Gärten angelegt worden, damit sich die Arbeiterschaft selbst versorgen konnte. Durch die Haltung von Hühnern, Obst- und Gemüseanbau, so der Hintergedanke, sparten sich die Häuslebauer Ausgaben für Lebensmittel.

In der Ausstellung „100 Jahre Goldberg“, die im Juli 2020 stattfinden wird, sollen diese und weitere Aspekte – Architektur, Städtebau, Wirtschaft, Politik, Alltag – dargestellt werden. Zusätzlich wird die Nutzung des Areals im 17. und 18. Jahrhundert durch den fürstbischöflichen Hof thematisiert. 

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