Weihnachtliche Vorfreude

Ein Blick ins künftige Stadtmuseum

Das Asamgebäude am Freisinger Marienplatz wird saniert, das Stadtmuseum ist ausgeflogen. Nach Vollendung der Baumaßnahmen kehrt es auf vergrößerter Fläche und in neuer Konzeption an den Marienplatz zurück. Als Rundgang um den Innenhof des barocken Vierflügelbaus wird es sich im 1. Stock auf einer Fläche von etwa 750 qm neu präsentieren. Mit allen Kräften wird nun auf dieses Ziel hingearbeitet, und schon jetzt zeichnen sich die Grundlinien des künftigen Museums ab.  

Die Planung eines Museums ist ein komplexer und vielschichtiger Vorgang. Viele Gesichtspunkte wollen bedacht sein und müssen stimmig ineinandergreifen: Was möchte das Freisinger Stadtmuseum seinen Besucher*innen vermitteln? Welche Möglichkeiten und Inspirationen bietet hierfür die vorhandene, einige tausend Objekte umfassende Museumssammlung des Historischen Vereins? Wie passt sich die Ausstellung in die im Asamgebäude zur Verfügung stehende Fläche und Raumabfolge stimmig ein? Und was erlaubt das Budget?

Lebenslauf einer Stadt
Das innere Konzept der künftigen Ausstellung steht im Großen und Ganzen. Anhand ausgewählter Themen und Einblicke durchwandern die Besucher*innen die Biographie dieser Stadt, ihren von den Tiefen der Geschichte bis heute reichenden Lebenslauf. Unterbrochen werden die Räume der ständigen Ausstellung von Sonderbereichen, die dem Empfang der Besucher*innen, temporären Ausstellungen, der Durchführung museumspädagogischer Programme, aber auch der Rekreation und dem angenehmen Aufenthalt dienen sollen.

Wer das Museum verlässt, soll sagen können: Ich habe diese Stadt neu kennengelernt und etwas von ihr verstanden und überhaupt etwas über Kultur und Geschichte und das Leben der Menschen erfahren. Und Freude hat der Rundgang auch noch gemacht!

Ein großes Netzwerk
Im Zusammenwirken vieler Kräfte kommt der große Plan zur Ausführung. Das Museumsteam arbeitet hierbei eng mit dem städtischen Hochbauamt und dem für die Gebäudesanierung und die Museumseinrichtung zuständigen Architekturbüro Wollmann & Mang zusammen. Hinzu kommen zahlreiche Partner*innen, die wissenschaftlichen und technischen Rat und Unterstützung geben, die reparieren und restaurieren, Leihgaben zur Verfügung stellen oder auf andere Weise den Prozess aktiv begleiten.

Recherchieren und Texteschreiben
Ausstellungsobjekte können nicht einfach ohne Kommentar in den Raum gestellt werden. Es bedarf der Erläuterung: Was ist das für ein Objekt, wann entstanden und durch wen? Die Materialien? Wie kam der Gegenstand ins Museum? Was ist seine Bedeutung? In welchen größeren Zusammenhang ist er einzuordnen?

Viele Themen können vom wissenschaftlichen Personal des Museums selber bearbeitet werden. Für einzelne Fachgebiete helfen Spezialist*innen, so im Bereich der Archäologie, des frühen Mittelalters oder der NS-Zeit. Später wird man auch einen Übersetzer brauchen, der Teile der Texte ins Englische überträgt, denn unter den Museumsbesucher*innen ist zunehmend auch internationales Publikum.

Tonaufnahmen
Ein Museum neu zu gestalten und einzurichten war immer schon ein aufwändiges Unternehmen. Das Zeitalter der Digitalisierung mit seinen zusätzlichen vielfältigen Möglichkeiten, Themen zu vermitteln, fügt ein weiteres Arbeitsfeld hinzu. Hierfür wurde nun auch ein Medienplaner in den Gestaltungsprozess einbezogen. An geeigneten Stellen im Rundgang wird die Ausstellung von Medienstationen begleitet sein, die zusätzlich zu den üblichen Beschriftungen die Möglichkeit bieten, sich mit weiteren Informationen zu versorgen und das Gesehene noch einmal auf andere Weise zu erleben.

In diesem Zusammenhang werden derzeit Tonaufnahmen in einem Münchner Tonstudio erstellt. Vor allem zwei schöne Beispiele barocker Freisinger Handwerkskunst sollen künftig nicht nur in der Vitrine zu bestaunen sein, sondern auch akustisch erlebbar werden: die Tischuhr des Uhrmachers Johann Zaglmann aus der Zeit um 1720 sowie das Violoncello des Instrumentenbauers Michael Perger aus dem Jahr 1764, das – von fachkundiger Hand gespielt – seinen originalen Klang zum Besten geben wird.

Schränke, Vitrinen, Podeste
Um sie zu schützen, müssen kostbare Objekte in Vitrinen präsentiert werden. Aber auch um die Wirkung der Exponate zu steigern, kommen Präsentationsmöbel wie Vitrinen, Schränke und Podeste zum Einsatz. Auch sie bedürfen der genauen Planung. Ein besonders aufwändiges Möbel wird in fünffacher Ausführung in der künftigen Graphikgalerie stehen. Im neuen Museum wird nämlich ein ganzer Gang diesem Sammlungsbereich gewidmet sein. Unter Abdunkelung, wie es für Arbeiten auf Papier angemessen ist, wird nun ein Vielfaches der bisher gezeigten Zeichnungen und Druckgraphiken präsentiert werden können. Ermöglicht wird die größere Zahl an Exponaten auch durch große Schubladenmöbel in den tiefen Fensternischen. Ausziehbar und verglast kann jede Schublade mehrere graphische Blätter präsentieren.

Restaurierung
Die für die neue Ausstellung ausgewählten Objekte wurden bereits weitgehend auf ihren Zustand hin geprüft und werden nun nach und nach einer Restaurierung zugeführt, gereinigt und gesichert. Die Maßnahmen erfolgen getrennt nach Materialien und Gattungen durch mehrere, auf ihre Fachgebiete spezialisierte Restaurator*innen. Viele Objekte haben dadurch an optischer Wirkung und Präsenz noch einmal gewonnen. Auch konnten durch die restauratorische Behandlung bisweilen zusätzliche wertvolle Informationen gewonnen werden: Als etwa von einem Ölporträt die rückwärtige Doublierleinwand abgenommen wurde, kam auf der originalen Leinwand eine aufschlussreiche Beschriftung zum Vorschein. Neben anderen Maßnahmen werden auch die Restaurierungsmaßnahmen von der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen gefördert.

Spielraum für wechselnde Präsentation
Wie in anderen Museen ist die Sammlung des Freisinger Stadtmuseums um ein Vielfaches größer als die Zahl der Objekte, die in den Ausstellungsräumen gezeigt werden können. Hinzu kommt, dass der Bestand, vor allem durch das Engagement des Historischen Vereins, kontinuierlich weiterwächst.

Künftige bedeutende Neuzugänge wird man in die ständige Ausstellung zu integrieren versuchen, gegebenenfalls wird es auch zu Austauschaktionen kommen. Davon abgesehen gibt es weitere Möglichkeiten, unberücksichtigte Bestände ins Licht zu setzen. Von großer Bedeutung im neuen Museum werden nämlich jene Flächen sein, die von vornherein eine wechselnde Bespielung vorsehen und jedem Objekt die Chance geben, zumindest temporär gezeigt zu werden. Da ist zum einen die Multifunktionssfläche im Südflügel des Museums mit etwa 160 qm, die vor allem Schauplatz von Sonderausstellungen sein soll. Sodann gibt es im großen Treppenhaus des Gebäudes vier tiefe historische Türöffnungen, die eine Verglasung erhalten und vom Museum als Vitrinen genutzt werden können. Alle Besucher*innen, die sich hinauf in den Asamsaal oder ins Foyer begeben oder von dort herunterkommen, werden daran vorbeigehen. Und schließlich: Einem noch größeren Publikum wird sich ein breites und tiefes Schaufenster darbieten, das sich im Durchgang vom Marienplatz zum Hof des Asamgebäudes befindet, dem künftigen Hauptzugang zum Haus. Dieser Schauraum, der eine eigene Beleuchtungstechnik erhält, hat unter anderem den Vorteil, dass hier auch sehr große Objekte gut gezeigt werden können.

Gute Voraussetzungen also für das künftige Freisinger Stadtmuseum, das im Jahr 2023 eröffnet werden soll, und viel Grund zur Vorfreude. Weitere Informationen rund um das Freisinger Stadtmuseum sind auch auf unserer Webseite zu finden.


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