Schwammspinner bedroht Eichenmischwälder

Landesanstalt bringt Pflanzenschutzmaßnahmen auf den Weg

Spannende Impulse vom Lehr- und Wissenschaftscampus Freising-Weihenstephan, Sitz auch der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Fortwirtschaft (LWF) sowie der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL): Die Waldschutzexpert*innen der LWF sorgen sich um den Schutz und damit den Erhalt wertvoller Eichenmischwälder: "Der wärmeliebende Schwammspinner profitiert von der Klimaerwärmung. Nach einigen Jahren mit niedriger Dichte befindet sich das Insekt seit 2017 wieder in einer Massenvermehrung. Für die durch mehrere Trockenjahre geschwächten Eichenwälder Frankens ist dies eine alarmierende Entwicklung. In den kommenden Wochen werden daher zum Schutz der Wälder auf begrenzter Fläche Pflanzenschutzmaßnahmen gegen den Schwammspinner stattfinden“, infomiert die LWF in einer Pressemitteilung.

Darin heißt es weiter: "In den bayerischen Wäldern ist der Klimawandel angekommen. Manche Baumarten, wie z.B. Fichte und Kiefer, leiden unter der Erwärmung und sind in ihrer Vitalität geschwächt, manche wärmeliebenden Baumarten, wie z.B. Elsbeere, werden begünstigt. Ähnliches trifft auch auf viele Insektenarten zu.

So profitiert der wärmeliebende Schwammspinner von der Klimaerwärmung. Diese Schmetterlingsart spielte früher in mitteleuropäischen Wäldern keine bedeutende forstliche Rolle. Doch seit den 1990er Jahren vermehrt er sich in Bayern in regelmäßigen Zeitabständen massenhaft. Nach einigen Jahren mit niedriger Dichte befindet sich das Insekt nun seit 2017 wieder in einer solchen Massenvermehrung. Für die durch mehrere Trockenjahre geschwächten Eichenwälder Frankens ist dies eine alarmierende Entwicklung. In den kommenden Wochen werden daher zum Schutz der Wälder auf begrenzter Fläche Pflanzenschutzmaßnahmen gegen den Schwammspinner stattfinden.

Fraß bleibt nicht ohne Folgen
Die Raupen des Schwammspinners fressen die jungen Blätter von Eichen, aber auch von vielen anderen Gehölzen. In den lichten Eichenwäldern Frankens finden die Schwammspinner daher optimale Bedingungen. Ihr Fraß bleibt aber nicht ohne Folgen: Mehrmaliger Kahlfraß in Verbindung mit Trockenereignissen, Mehltau-Befall oder dem Fraß weiterer Schmetterlingsraupen kann zum Absterben von Eichen führen. Die Eiche ist durch die extrem warmen und trockenen Jahre seit 2015 geschwächt und kann diesen zusätzlichen Stressfaktoren daher weniger entgegenhalten als sonst. Kommt daher jetzt neben der mehrjährigen Trockenheit massiver Schädlingsfraß hinzu, kann das für viele Eichen das Ende bedeuten.

Die Eichenwälder können nach Ansicht der Waldschutzexperten der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft in dieser bedrohlichen Situation nur entlastet werden, wenn man bei akut drohendem Schwammspinnerfraß stützend regelnd eingreift. Es ist daher das Ziel der Bayerischen Forstverwaltung, den Kahlfraß der Bäume durch gezielte, dosierte Behandlungsmaßnahmen einzudämmen und damit akute und chronische Folgeschäden zu verringern. Oberstes Ziel ist dabei, die vielfältigen Eichenmischwälder zu erhalten, auch und gerade als Lebensraum für eine Vielzahl von Tier-, Pilz- und Pflanzenarten.

7.500 Hektar Waldfäche vom Kahlfraß bedroht
Aktuell – die Planung sind noch nicht abgeschlossen – geht die Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft von einer Kahlfraßgefährdung auf einer Waldfläche von 7.500 Hektar aus. Von diesen sollen nun rund 3.000 ha behandelt werden, denn auf den restlichen Flächen bestehen Einschränkungen. Die gefährdeten Waldflächen liegen in einem Gebiet verstreut, das von Treuchtlingen bis Bad Kissingen (150 km) sowie von Hassfurt bis nach Remlingen (70 km) reicht. In diesem Bereich werden aktuell auf ca. zwei Prozent der Bayerischen Eichenwaldfläche Pflanzenschutzmittelbehandlungen gegen Schwammspinner vorbereitet. Im Herbst und Winter 2019 wurde dazu ein Monitoring durchgeführt, bei dem im Gebiet zwischen Bad Kissingen und Weißenburg gut 30.000 Laubbäume in Eichenwäldern begutachtet wurden.

Die Festlegung der Behandlungsflächen erfolgt in Abstimmung mit den Höheren Naturschutzbehörden und den Wasserwirtschaftsämtern. Über ein Dittel der potentiellen Behandlungsfläche wurde aus Naturschutzgründen oder wegen gesetzlich vorgeschriebener Abstandsauflagen aus der eigentlich notwendigen Behandlung herausgenommen. Hierzu gehören alle bekannten Vorkommen gefährdeter bzw. geschützter Arten nach einer mit der Umweltverwaltung abgestimmten Artenliste, die durch die Maßnahme negativ betroffen sein könnten. Um die Entscheidungsgrundlage für eine naturschutzfachliche Bewertung weiter zu verbessern, wurden 2019 Feldaufnahmen und Gutachten zum Vorkommen ausgewählter geschützter Schmetterlinge in der potentiellen Befallskulisse in Auftrag gegeben, die bei der Abgrenzung der Flächen berücksichtigt wurden. 

Die geplante Behandlung mit dem Pflanzenschutzmittel Mimic erfolgt insgesamt auf nur etwa zwei Prozent der fränkischen Eichenwald-Fläche und ist zudem sehr kleinteilig auf etwa 400 Teilflächen verteilt. Bei 50 Prozent der behandelten Fläche handelt es sich um Teilflächen kleiner als 20 Hektar, 80 Prozent aller Teilflächen sind sogar kleiner als 10 Hektar, Stand: 14. April 2020). Das Mittel 'Mimic' mit dem Wirkstoff Tebufenozid wird seit Jahrzehnten im konventionellen Obst- und Weinbau gegen Schmetterlinge eingesetzt. Tebufenozid wirkt spezifisch gegen blattfressende Schmetterlingsraupen, Insekten anderer Ordnungen wie Hautflügler (Bienen, Hummeln, Schlupfwespen) oder blattfressende oder räuberische Käfer sowie saugende Insekten werden nicht oder nur gering beeinträchtigt. Dieser Wirkstoff wird daher als nützlingsschonend und nicht bienengiftig eingestuft.

Ziel der Behandlung des Schwammspinners ist es, akute und chronische Folgeschäden in Laubwäldern zu vermindern, um gerade die für Mensch und Natur wertvollen Eichenwälder zu erhalten. Mit den geplanten Maßnahmen soll ein Verlust der besonders artenreichen Eichenwälder vermieden werden, der kaum zu kompensieren wäre.

Über die LWF
Die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) ist die Fachstelle für Wald und Forstwirtschaft in Bayern. Sie forscht national und international vernetzt für eine nachhaltige Forstwirtschaft und naturnahe Waldbewirtschaftung. Sie trägt mit praxisbezogener Forschung und Beratung zu einer betrieblich erfolgreichen, sozial ausgewogenen und umweltverträglichen Entwicklung der Forstwirtschaft und des Waldes bei. Die LWF mit ihren rund 200 Mitarbeitern ist Kooperationspartner im Zentrum Wald-Forst Holz in Freising-Weihenstephan. Weitere Informationen im Internet unter http://www.lwf.bayern.de.

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