Neue Herausforderungen, viele Zukunftschancen

Bilanz auf dem Ausbildungsmarkt im Landkreis Freising

Mit Beginn des Herbstes starteten wieder zahlreiche Freisinger Jugendliche in ihr Berufsleben als Azubi in einem Betrieb der Region. „In diesem Jahr freue ich mich besonders über jeden einzelnen abgeschlossenen Ausbildungsvertrag, stand das letzte Berufsberatungsjahr doch erneut sehr im Zeichen der Corona-Krise mit entsprechend erschwerten Rahmenbedingungen für Jugendliche, Betriebe, Schulen und Berufsberater*innen“, erläutert Nikolaus Windisch, Chef der Agentur für Arbeit Freising in einer Pressemitteilung.

Darin wird weiter informiert: "So waren Herbst und Winter 2020/2021 von Unsicherheit und wirtschaftlichen Einschränkungen geprägt, erst ab dem Frühsommer normalisierte sich die Lage in vielen Bereichen etwas. Praktika, persönliche Beratungen, Vorstellungsgespräche und sogar erste Berufsorientierungsmessen konnten wieder stattfinden. Auch die wirtschaftliche Situation entspannte sich in vielen Branchen. ´Das gab dem regionalen Ausbildungsmarkt – zusammen mit der hohen Ausbildungsbereitschaft der hiesigen Unternehmen – einen guten Schub`, so Nikolaus Windisch. Und trotzdem: Die Zahl der Ausbildungsstellen im Landkreis Freising, die im Berufsberatungsjahr 2020/2021 bei der Arbeitsagentur gemeldet wurden, ist im Vergleich zum Vorjahr erneut rückläufig. So suchten die regionalen Betriebe zum Ausbildungsbeginn für 994 Stellen Nachwuchskräfte und damit für 127 Stellen weniger als im Vorjahr. In verschiedensten Branchen wurden weniger Ausbildungsstellen gemeldet. Besonders deutlich fiel der Rückgang in den Bereichen Maschinenbau, Lagerei, Öffentliche Verwaltung und Gastgewerbe aus. Stellenzuwächse gab es dagegen im Großhandel. ´Im Landkreis Freising konnten wir uns viele Jahre lang über eine – auch im Vergleich zu den Nachbarlandkreisen – außerordentlich hohe Zahl an gemeldeten Ausbildungsstellen freuen. Die pandemiebedingt nun erneut rückläufigen Zahlen sollten deshalb nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Ausbildungsbereitschaft der Arbeitgeber*innen im Landkreis Freising weiterhin sehr hoch ist`, erläutert Nikolaus Windisch.

Zum Ausbildungsstart im September 2021 waren von den insgesamt 994 gemeldeten Ausbildungsstellen noch 185 Ausbildungsstellen unbesetzt, 37 Stellen weniger als vor einem Jahr. Der Ausbildungsmarkt im Landkreis Freising bleibt also weiter ein ´Bewerbermarkt`.

Entsprechend Positives gibt es auf Seiten der Jugendlichen zu vermelden: Wie schon in den vergangenen Jahren konnten auch 2020/2021 fast alle ausbildungsinteressierten Jugendlichen, die sich bei der Agentur für Arbeit Freising zur Berufsberatung anmeldeten, zum Ausbildungsbeginn in eine berufliche oder schulische Ausbildung starten. So machten sich zuletzt 882 junge Frauen und Männer mithilfe der Berufsberatung auf die Suche nach einer Ausbildungsstelle, 25 Jugendliche weniger als im Vorjahr. Davon waren im September 2021 noch 18 junge Leute „unversorgt“, hatten also noch keine berufliche oder schulische Perspektive. ´Jugendliche, die bisher keinen passenden Ausbildungsplatz gefunden haben, sollten unbedingt weiter dranbleiben`, das ist Harald Brandmaier, Leiter der Berufsberatung der Agentur für Arbeit Freising, wichtig zu betonen: `Viele Unternehmen stellen Azubis auch nach dem regulären Ausbildungsstart ein. Unsere Berufsberater*innen helfen hier gerne weiter, sie informieren aber auch über Überbrückungsmöglichkeiten und unterstützen, wenn es während einer Ausbildung Schwierigkeiten gibt.` Zum Ausbildungsbeginn waren bei der Agentur für Arbeit Freising noch offene Ausbildungsstellen in unterschiedlichen Bereichen gemeldet. Gesucht wurden unter anderem angehende Kaufleute für Speditions- und Logistikdienstleistungen, Hotelfachleute, Zahnmedizinische Fachangestellte, Medizinische Fachangestellte und Büromanagementkaufleute. Auch im Handwerk waren zum Ausbildungsstart noch Lehrstellen zu vergeben.

Das Handwerk
Insgesamt wurden im Handwerk im Landkreis Freising seit Jahresbeginn bereits 277 Lehrverträge abgeschlossen und damit genauso viele wie im gleichen Zeitraum vor einem Jahr. „Die Rahmenbedingungen waren für viele Betriebe in den letzten Monaten nicht leichter, sondern eher noch schwerer als 2020“, erläutert der Freisinger Kreishandwerksmeister Martin Reiter und zeigt sich entsprechend zufrieden mit den Ergebnissen. So kann die hiesige Kreishandwerkerschaft bei den Berufen, die in ihrer Innung organisiert sind, in vielen Sparten eine Mehrung oder zumindest gleichbleibende Lehrlingszahlen verzeichnen: beispielsweise bei den Zimmerer*innen, Anlagenmechaniker*innen und Schreiner*innen. ´Besonders erfreulich finde ich, dass sich aktuell wieder mehr Jugendliche für eine Ausbildung zur Bäcker*in und zur Fachverkäufer*in im Lebensmittelhandwerk interessieren. Bei den Friseur*innen sehen wir leider einen leichten Rückgang bei den Lehrlingszahlen – vermutlich verursacht durch den langen Lockdown`, so Martin Reiter weiter. ´Wir, unsere Obermeister und ich, engagieren uns seit Jahren intensiv in Sachen Berufsorientierung und stellen die Berufe in den Mittel- und Realschulen sowie auf Messen vor. Das führt zum Erfolg.´

Die Industrie- und Handelskammer
Stabile Ausbildungszahlen meldet auch die Industrie- und Handelskammer für den Landkreis Freising. So freut sich diese zum Ausbildungsbeginn 2021 über 513 neue Auszubildende in den hiesigen Betrieben. Damit wurde in diesem Jahr ein Ausbildungsvertrag mehr abgeschlossen als im selben Zeitraum 2020. Hubert Schöffmann, Bildungspolitischer Sprecher des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK e.V.) zeigt sich – zumindest mit Blick auf ganz Bayern – aber nur verhalten optimistisch: ´Die regionale Wirtschaft in Industrie, Handel und Dienstleistungssektor schöpft nach dem Corona-Schock wieder Zuversicht. Auch die Talsohle bei der Besetzung von Ausbildungsstellen scheint bald überwunden. Vor allem die sinkende Zahl an Bewerbungen für eine Ausbildung ist jedoch besorgniserregend. Denn jeder unbesetzte Ausbildungsplatz von heute, bedeutet eine fehlende Fachkraft von morgen. Es bleibt eine herausfordernde Daueraufgabe für alle Partner, Lücken bei der Berufsorientierung und bei den Informationen über die attraktiven Ausbildungsangebote und beruflichen Aufstiegsperspektiven in den bayerischen Betrieben gemeinsam zu schließen.`

Staatliches Berufliches Schulzentrum Freising
Über die Situation der Jugendlichen kann das Staatliche Berufliche Schulzentrum Freising ausführlich berichten. Dieses umfasst die Staatliche Berufsfachschule für Kinderpflege, die Staatliche Fachakademie für Sozialpädagogik und die Staatliche Berufsschule. 2.314 junge Männer und Frauen werden dort seit Beginn des Schuljahres 2021/2022 in 107 Klassen unterrichtet. Der Unterricht an der Staatlichen Berufsschule erfolgt in Fachklassen in den Berufsfeldern Wirtschaft und Verwaltung, Elektro- und Informationstechnik, Metalltechnik und Nahrungsberufe.

Zum Ausbildungsstart wurden an der Staatlichen Berufsschule 871 Jugendliche in das
1. Ausbildungsjahr aufgenommen – und damit insgesamt lediglich sieben Auszubildende weniger als im vergangenen Schuljahr. Deutlich rückläufig ist die Zahl der Auszubildenden im Metallbereich bei den Industrie- und Feinwerkmechaniker*innen und im Bereich Wirtschaft und Verwaltung bei den Servicekaufleuten im Luftverkehr. Einen leichten Rückgang gibt es bei den Elektroniker*innen. Eine Zunahme der Zahl der Auszubildenden ist bei den Kaufleuten für Speditions- und Logistikdienstleistungen, bei den Verkäufer*innen und bei den Kaufleuten im Einzelhandel zu verzeichnen. Stabil bleibt die Zahl der Auszubildenden indes im Nahrungsbereich bei den Fleischer*innen, im Fleischerfachverkauf, den Bäcker*innen und im Bäckereifachverkauf, außerdem bei den Anlagenmechaniker*innen, den Kfz-Mechatroniker*innen und den Fachinformatiker*innen.

Von den neu aufgenommenen Schüler*innen haben 183 Jugendliche keinen Ausbildungsberuf. Sie werden in schulischen Vollzeitangeboten unterrichtet. Schüler*innen mit Fluchthintergrund ohne Ausbildungsberuf besuchen Berufsintegrationsklassen. Auch im neuen Schuljahr konnte erneut zusätzlich eine durch den Europäischen Sozialfond geförderte ´Neustart-Klasse` für Jugendliche mit besonderen persönlichen Problemlagen eingerichtet werden. Das Ziel dieses Angebots ist es, Jugendliche durch vollzeitschulische Bildung wieder an die Gesellschaft und den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt heranzuführen.

Zum Schulhalbjahr 2020/2021 wurden zudem 20 Schüler*innen in eine sogenannte ´BV-Flexi-Klasse` aufgenommen. Ab Januar 2022 bzw. zum nächsten Schulhalbjahr ist die Einrichtung von zwei solchen Klassen geplant. ´Diese Vollzeitmaßnahme richtet sich an Jugendliche, die ihre Ausbildung abgebrochen haben und an Schüler*innen, die zum Beispiel die Probezeit an anderen Schulen nicht bestanden haben, aber weiterhin schulpflichtig sind`, erläutert Schulleiter Daniel Spreng. Im laufenden Schuljahr werden bis auf 21 Schüler*innen alle Jugendlichen ohne Ausbildungsberuf im Rahmen von Vollzeitmaßnahmen beschult. ´Damit ist der vom bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus angekündigte Paradigmenwechsel hin zum Vollzeitunterricht am Beruflichen Schulzentrum Freising weitgehend vollzogen.`

An der Staatlichen Berufsfachschule für Kinderpflege werden im laufenden Schuljahr 98 Schüler*innen in vier Klassen beschult – neun weniger als im Vorjahr. An der Staatlichen Fachakademie für Sozialpädagogik kann hingegen mit 193 Studierenden in neun Klassen ein Zuwachs von 63 Personen verzeichnet werden. ´Der an der Fachakademie für Sozialpädagogik im Schuljahr 2019/20 eingeführte Ausbildungsgang OptiPrax für Fachabiturient*innen und Abiturient*innen ist auch in diesem Schuljahr wieder gut angenommen worden`, so Daniel Spreng. Insgesamt absolvieren derzeit 64 Studierende dieses Ausbildungsangebot. ´OptiPrax` ist eine dreijährige Erzieherausbildung in Vollzeit mit Theorie- und betreuten Praxisphasen. Die erste Abschlussklasse in diesem Bereich wird im Schuljahr 2021/22 die Fachakademie für Sozialpädagogik verlassen. Neu eingeführt wurde im Schuljahr 2021/22 das Sozialpädagogische Einführungsjahr (SEJ) an der Fachakademie mit 26 Studierenden. Diese Studierenden, die zur Aufnahme unter anderem einen mittleren Schulabschluss vorweisen müssen, können die Ausbildung zur Erzieher*in nun in vier statt fünf Jahren absolvieren.

Fazit und Ausblick
´Trotz schwieriger Rahmenbedingungen konnten im Landkreis Freising viele Jugendliche zum Ausbildungsbeginn in eine hoffentlich erfolgreiche berufliche Zukunft starten. Das stimmt positiv`, resümiert Nikolaus Windisch. Die regionale Wirtschaft erholt sich, viele Betriebe stehen damit aber auch wieder vor Herausforderungen, die sie schon vor der Corona-Krise beschäftigten: die Suche nach ihren Fachkräften von morgen. Deshalb ist auch Nikolaus Windisch überzeugt: ´Es wird weiter unserer gemeinsamen Anstrengung bedürfen, Betriebe und Jugendliche zusammenzubringen, Jugendliche über die Attraktivität der verschiedenen Ausbildungsberufe zu informieren und ihnen damit auch – je nach Eignung und Neigung – eine Alternative zum Besuch einer weiterführenden Schule oder zur Aufnahme eines Studiums aufzuzeigen` Nicht nur in diesem Punkt sind sich die Vertreter der Arbeitsagentur, des Handwerks, der IHK und des Beruflichen Schulzentrums einig. Sie vereint darüber hinaus auch die Hoffnung, dass im kommenden Jahr Berufsorientierung wieder ´persönlicher` werden kann – durch dauerhaften Präsenzunterricht in den Schulen, Praktika in den Betrieben und dem persönlichen Beratungsgespräch von Angesicht zu Angesicht."

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