Miteinander statt Nebeneinander

So wirkt die Interkulturelle Woche nach

Der Corona-"Lockdown light" jetzt im November erschwert die Kommunikation – auch das interkulturelle Netzwerk in der Stadt Freising muss sein reges Miteinander aktuell ohne persönliche Treffen gestalten. Der Motivation tut’s keinen Abbruch: Der Migrationsrat als Fachgruppe innerhalb des Agenda21- und Sozialbeirats hat sich erstmals in einer Online-Sitzung via Webex ausgetauscht. "Die zielführende Arbeit soll schließlich auch unter den derzeit erschwerten Bedingungen weitergehen", unterstreichen Meral Meindl und Mesut Ünal, Sprecherin und Sprecher des Migrationrats. Mut macht nicht zuletzt die Rückschau auf die "Interkulturelle Woche 2020", die nicht nur die generelle, hohe Bedeutung der interkulturellen Arbeit in der Stadt Freising, sondern vor allem auch das große, lebendige Interesse unterstrichen hat.

"Wir haben uns bewusst dafür entscheiden, die Woche auch in diesem alles andere als einfachen Jahr stattfinden zu lassen", erinnert Sina Hörl, die Integrationsbeauftragte der Stadt Freising. "Die Interkulturelle Woche bespielt Themen, die enorm wichtig sind für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Der Diskurs darüber, wie wir in unserer vielfältigen Stadt zusammenleben wollen, darf nicht abbrechen!" Dieses Zusammenleben sei ein Prozess, an dem immer weiter gearbeitet werden müsse. Das habe die bundesweite Interkulturelle Woche 2020 deutlich unterstrichen mit ihrem Motto "Zusammen leben – zusammen wachsen".

Die Corona-Krise, sagt Hörl, "hat offengelegt, wie wichtig Solidarität und gegenseitige Rücksichtnahme in unserer Gesellschaft sind. Sie hat aber auch an vielen Stellen soziale Ungleichheiten verstärkt. Trotz der aktuellen Situation ist das Engagement in unserer Stadt ungebrochen. Soziale Organisationen, bürgerschaftliche Zusammenschlüsse, Kulturschaffende, Religionsgemeinschaften und Initiativen sowohl von wie auch für Migrant*innen, die sich allesamt für das Gelingen des interkulturellen Zusammenlebens engagieren, haben neue Wege gefunden, um das Netzwerk aufrechtzuerhalten." Auch das Thema Rassismus sei vor allem durch die Geschehnisse in den USA in diesem Jahr verstärkt in den gesellschaftlichen Blick gerückt. Mit der Interkulturellen Woche soll auch in Freising ein Zeichen gegen Rassismus und Diskriminierung gesetzt werden.

Enormes Interesse unter den Freisinger*innen
Von Ende September bis Mitte Oktober nutzten zahlreiche Freisinger*innen die Möglichkeit, teilzunehmen an verschiedensten Veranstaltungen der Interkulturellen Woche. Vielbeachtete Auftaktveranstaltung am 26. September 2020 war der "Interkulturelle Walk & Talk", eine Kooperation zwischen der Interkulturellen Stelle der Stadt, dem Kreisbildungswerk Freising und der Domberg-Akademie. Die Teilnehmenden nutzten die Möglichkeit, mit Menschen zu sprechen, die das interkulturelle Leben in Freising prägen. So machte man Halt im Barber Shop von Erkan Karahan, der als junger Freisinger Unternehmer Einblicke in seine Tätigkeit gab und auch persönliche Geschichten mit den Gästen teilte. Kulturdolmetschende erzählten beim "Walk- &-Talk"-Angebot im Hof der Caritas von ihrem Ehrenamt.

Im Furtnerbräu wurde die Gruppe von Künstler Pepito Anumu empfangen, der im Nebenraum einige seiner Werke ausgestellt hatte und von seinem Leben und Schaffen in der Stadt berichtete. Zum Schluss traf man sich in der Islamischen Gemeinde in der Wippenhauser Straße, wo die Teilnehmenden mit Tee und vielen Leckereien herzlich empfangen wurden. Vorsitzender Ömer Korkmaz erzählte vom Islam und räumte mit Klischees über die Religion auf. Hülya Celebi stellte die Frauenarbeit in der Gemeinde vor, auch die schönen Gebetsräume konnten sich die Teilnehmenden genauer ansehen.

Vielseitige Stand-Up-Comedy im Lindenkeller
Am 01. Oktober 2020 stand dann eine besondere Premiere an. Das Lindenkeller-Unterhaus wurde dabei nach langer, pandemiebedingter Zwangspause wiedereröffnet mit dem Bühnenprogramm "Ghettos Faust" von Özgür Cebe. Der Kabarettist spielt mit gesellschaftlichen Klischees und beschäftigt sich mit den dringendsten Themen der Neuzeit, mit Religion, Rassismus, Aufklärung – und Deutschem Schlager. "Dürfen wir über Diktatoren, Terror und Volksmusik lachen?", fragte Cebe und gab selbst die Antwort: "Wir müssen!" Mal leise und mit einem kleinen Augenzwinkern, dann wieder laut wie ein Presslufthammer überzeugte der vielseitige Stand-up-Comedian mit einem facettenreichen Programm und "einem Abend, der wirklich kein Auge trocken ließ", wie Hörl erinnert.

Die Stadtjugendpflege zeigte dann am 03. Oktober 2020 in angenehmer Kino-Atmosphäre im Vis-à-Vis den Film "Die Migrantigen", in dem die Freunde Benny und Marko für eine TV-Doku-Serie vortäuschen, arbeitslose Kleinkriminelle mit Migrationshintergrund zu sein, bis sich das Blatt wendet und die von ihnen erfundene Wirklichkeit die beiden einholt. Zum Ende der Aktionswoche fand ein Workshop zur "Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit" statt. Nach einem kurzen theoretischen Input von Referentin Meral Meindl, interkulturelle und antirassistische Trainerin, wurde den Fragen nach Ursachen und Folgen des Phänomens nachgegangen. Die Teilnehmenden wurden dazu ermutigt, die erarbeiteten Inhalte in konkrete Ideen für die Stadtgesellschaft zu verwandeln, um gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit vorzubeugen und ihr gegebenenfalls aktiv zu begegnen.

Mitwirken aller Freisinger*innen von Bedeutung
"Trotz wirklich erschwerter Umstände war die Interkulturelle Woche 2020 insgesamt ein verdienter Erfolg", sagt Sina Hörl mit einem Dank an alle Kooperationspartner: "Mit der Verabschiedung der Interkulturellen Leitlinien hat sich die Stadt Freising schon 2014 dazu verpflichtet, das solidarische Miteinander in der Stadtgesellschaft zu fördern. Uns und unseren Mitstreiter*innen ist es deshalb ein großes Anliegen, die (inter-)kulturelle Vielfalt in der Stadt weiter zu unterstützen – auch in schwierigen Zeiten. Für das Gelingen der Vision 'Miteinander anstatt Nebeneinander' sind weiterhin das Interesse, die Aufgeschlossenheit und das Mitwirken aller Freisinger*innen erforderlich", unterstreicht die Integrationsbeauftragte die Bedeutung aller gemeinsamen Anstrengungen.

Informationen zum interkulturellen Leben und Angebot finden Sie auch auf unserer Webseite.

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