Grüne Hänge erhalten Auszeichnung

Landschaftsarchitekturpreis für nachhaltige Stadtentwicklung

Der neugeschaffene Bayerische Landschaftsarchitekturpreis (bdla) 2020 ist vergeben. Als Gewinner in der Kategorie "Nachhaltige Stadtentwicklung" wurde am Freitag, 09. Juli, das Freisinger Vorzeige-Projekt "Grüne Hänge" in einer Online-Veranstaltung vor den Münchner Mitbewerbern "Schwabinger Tor" und "Heckenstaller Park" ausgezeichnet.

Prof. Dr.-Ing. Swantje Duthweiler, 1. Vorsitzende des Berufsverbandes Bund Deutscher Landschaftsarchitekten (bdla) Bayern, im Namen des Auslobers: "Gerade in Zeiten der Klimaanpassung ist der Aufbau und die Sicherung von Grünstrukturen in Stadt und Landschaft eine ausgesprochen wichtige, aber überaus komplexe Planungsaufgabe. Ich freue mich daher besonders, dass wir mit dem Bayerischen Landschaftsarchitektur-Preis ein neues Instrument auf den Weg bringen konnten, welches künftig eine wichtige Plattform und Diskussionsgrundlage für die ökologischen wie gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen an unseren Berufsstand darstellen kann."

Schon eine Nominierung für den Wettbewerb, ausgelobt vom Bund Deutscher Landschaftsarchitekten (bdla), Landesverband Bayern, in Kooperation mit der Bayerischen Architektenkammer, gilt als Anerkennung: Der Wettbewerb würdigt Maßnahmen und Planungen in Bayern, die sich durch innovative und nachhaltige Außen- und Landschaftsräume von hoher Qualität sowohl in der Neuanlage als auch im Bestand auszeichnen. Die endgültigen Preisträger wurden in einem Online-Voting der Mitglieder ermittelt. Und Freising überzeugte folglich nicht nur die Jury:

"In einer Stadt, die einem enormen Siedlungsdruck ausgesetzt ist und deren Innenstadt zudem mit hohen klimatischen Belastungen zurechtkommen muss, erfüllen in Freising die innerstädtischen 'Grünen Hänge' wichtige Funktionen. Wir gratulieren den Teams von WGF Landschaft, Nürnberg, und DIE STADTENTWICKLER, Kaufbeuren, zu ihrer Studie 'Grüne Hänge'", heißt es im Jury-Urteil, das die Zustimmung der bdla-Mitglieder gefunden hat: "Im Zentrum stand die Herausforderung, die wichtigen – das Stadtbild und die Stadtökologie prägenden – grünen Hangkanten zu erhalten, die durch eine zunehmende Überbauung mehr und mehr bedroht sind. In einer ausführlichen landschafts­planerischen und städtebaulichen Rahmenplanung ist es den beiden Teams gelungen, nach Erfassung, Analyse und Bewertung der Ausgangssituation eine Zielplanung mit Leitbildern, Zielen und Grundsätzen zu entwickeln, um die prägenden grünen Hangkanten zu erhalten und weiterzuentwickeln. Der eigentliche Planungsprozess, und auch das wurde als großes Plus für eine weiterhin positive Entwicklung gewertet, erfolgte in einem gemeinsamen Prozess der beauftragten Büros, des Stadtrates sowie der Stadtverwaltung und vor allem mit intensiver Einbindung auch der sehr interessierten Bevölkerung.

Für die Innenentwicklung verfügen nun die Stadt Freising und ihre Bürger*innen über ein beispielgebendes Instrumentarium, um vorhandene städtebauliche Qualitäten zu erhalten, zu befördern und zugleich mit den multifunktionalen Freiräumen 'Grüne Hänge' einen bedeutenden Beitrag zur Aufenthaltsqualität in der Stadt sowie zum Klima- und Hochwasserschutz zu leisten. Der bdla Bayern gratuliert zu dieser vorbildlichen Arbeit!"

"Mit der Feinuntersuchung der 'Grünen Hänge' ist eine probate Grundlage geschaffen worden, die stadträumliche Qualität der grünen Hangkanten langfristig zu sichern", unterstreicht auch Stadtbaumeisterin Barbara Schelle, die sich für die Projektleiter*in Andrea Brandl und Heiko Huppenberger und ihre Mannschaft im Stadtplanungsamt aufrichtig freut: "Toll, was das Team mit seiner Arbeit alles geschafft hat, vielen, vielen Dank!"

Derzeit wird als eine der ersten Umsetzungsmaßnahmen der Studie der Bebauungsplan Nr. 157 "Grüner Hang – Alte Poststraße" aufgestellt. Ziel und Zweck des Bebauungsplanes ist der Erhalt, die Ergänzung und die langfristige Sicherung der weithin wahrnehmbaren, von standorttypischen Bäumen und Sträuchern geprägten Hangkante am südlichen Lankesberg oberhalb der Alten Poststraße. Aufgrund seiner visuellen, naturschutzfachlichen und klimatischen Qualität kommt diesem Bereich eine besondere Schutzwürdigkeit zu. Ein standortgerechter Bewuchs an den Hängen ist ein besonders wirkungsvoller Erosionsschutz bei Starkregen und ein wichtiger Bestandteil als Vorsorge zur Klimaanpassung.

Eine weitere Umsetzungsmaßnahme die gerade erarbeitet wird, ist die Sicherung der Hohlwege. Entstanden sind sie durch jahrhundertelanges Begehen und Befahren von Wegen im Zusammenwirken mit natürlicher Erosion. Da die steilen Randbereiche weder landwirtschaftlich noch baulich genutzt werden konnten, entwickelten sich entlang der Hänge Gehölzbestände mit teils besonders alten und großen Baumveteranen, wie es sie sonst im Stadtgebiet kaum mehr gibt. Diese einzigartigen kulturhistorischen Zeugnisse haben eine besondere ökologische sowie stadtklimatische Bedeutung und bilden einen Lebensraum für eine Vielfalt von Tieren und Pflanzen, die auf den weitgehend überbauten und intensiv genutzten Flächen nicht mehr vorkommen.

Mehr zum Wettbewerb und dem Freisinger Projekt sind auf der bdla-Webseite sowie auf unserer Homepage zu finden. 

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