Drei Straßen zu Fahrradstraßen ernannt

Praxisphase beginnt noch im Herbst

Noch im Herbst beginnt die Praxisphase: Der Planungs- und Umweltausschuss hat im Sommer beschlossen, Kulturstraße, Alte Poststraße (zwischen Landshuter Straße und Wendelinstraße) sowie die Straße Zur Schwabenau fahrradfreundlicher zu gestalten und deshalb zu Fahrradstraßen bzw. -zonen umzuwidmen. In diesen Straßen werden künftig also die Radler*innen Vorrang haben: "Sie geben damit das Tempo vor und dürfen zum Beispiel auch nebeneinander fahren", erklärt Dominik Fuchs, Mobilitätsmanager der Stadt Freising. Start ist voraussichtlich noch im Oktober in Neustift.

Hintergrund: In der Umsetzung zentraler Anliegen aus der Hauptbereisung durch die Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen (AGFK) hatte der Planungsausschuss im Juli einen Maßnahmenkatalog verabschiedet, um den Radverkehr in Freising weiter zu stärken. Dazu zählt die Umwidmung ausgewählter Straßenzüge zu Fahrradstraßen und -zonen. "Zonen", sagt Fuchs, "umspannen einen gesamten Bereich, während Fahrradstraßen nur einen bestimmten Straßenabschnitt betreffen." Nach ausgiebiger Evaluation und mit Hilfe des Instituts für innovative Städte (i.n.s.), das im Bereich Radverkehrsförderung als führend gilt, konnten die Kulturstraße und Alte Poststraße (zwischen Landshuter Straße und Wendelinstraße) als Fahrradstraßen und die Fahrradzone Zur Schwabenau als geeignete Straßenzüge identifiziert werden.

Rechtliche Regelungen in Fahrradstraßen
Das Befahren einer Fahrradstraße oder -zone ist nur Radlerinnen und Radlern erlaubt, es können jedoch Ausnahmen angeordnet werden. In Freising werden alle drei Bereiche mit dem Zusatzschild "Anlieger frei" umgesetzt. Folglich können Anwohnerinnen und Anwohner weiterhin mit ihrem Pkw in die Straße fahren. Auch Besucher*innen mit eigenem Pkw oder die Anlieferung (sowohl für Geschäfte als auch für Privatpersonen) ist selbstverständlich wie bisher erlaubt. Ausgenommen ist jedoch der Kfz-Durchgangsverkehr – die Straßen dürfen also beispielsweise nicht mehr als Abkürzung genutzt werden. Das Parken auf der Straße ist wie bisher gestattet. Die Geschwindigkeits-begrenzung liegt bei 30 km/h, allerdings müssen sich Autofahrer*innen ausdrücklich am Radverkehr orientieren: Sie dürfen Radfahrer*innen zwar überholen, jedoch nur, wenn eine Gefährdung absolut ausgeschlossen werden kann.

Ein wichtiger Teil der Umsetzung wird es sein, einige Zufahrten mit Markierungen oder Gummiborden zu verschmälern, um dem Kfz-Verkehr deutlich mitzuteilen, dass er hier quasi nur "als Gast" erwünscht ist. "Das betrifft zum Beispiel die Einmündung Alte Poststraße und Landshuter Straße aus Richtung General-von Nagel-Straße/Korbinianskreuzung. Heute schon sehr enge Bereiche wie die Abzweigung der Wendelinstraße von der Alten Poststraße werden nicht durch zusätzlichen Einbauten weiter verschmälert."

In der Kulturstraße wird sich die Vorfahrtsregelung durch die Anpassung ebenfalls ändern. Während bislang an den Kreuzungen zur Mur- oder Finkenstraße die Rechts-vor-Links-Regel gilt, erhält die Kulturstraße mit der Umwidmung zur Fahrradstraße Vorfahrt über den gesamten Bereich. Um dennoch nicht den unerwünschten und dann auch nicht mehr erlaubten Durchgangsverkehr anzulocken, werden hier ebenfalls Einengungen angebracht. 

Auswahl der Bereiche und erhoffte Wirkung
Alle drei Straßen sind im Mobilitätskonzept der Stadt Freising aus dem Jahr 2018 als sogenannte Hauptrouten definiert – in diesen Straßen sollen Fahrradfahrer*innen also schnell und sicher vorankommen. Schon heute werden diese Strecken rege vom Radverkehr genutzt, jedoch befindet sich auf keiner der Straßen Radverkehrsinfrastruktur wie Radwege oder Schutzstreifen. "Durch die Umwidmung wird dem Radverkehr in diesen Bereichen klar Vorrang gegeben und damit die Sicherheit der Fahrradfahrerinnen und -fahrer erhöht", betont Fuchs.

Umsetzung und Ausblick
Nachdem alle Anwohner*innen in den betreffenden Straßen vergangenes Wochenende mittels Wurfsendung informiert wurden, ist die Umsetzung der Maßnahmen für Ende Oktober/Anfang November geplant. Auftakt wird in der Alten Poststraße sein. Da die erforderlichen Markierungsarbeiten bei schlechter Witterung nicht durchgeführt werden können, kann sich der Zeitpunkt aufgrund ungünstiger Bedingungen auch nach hinten verschieben. Eine Beschilderung wird alle Verkehrsteilnehmer*innen in jedem Fall ausdrücklich auf die Geltungsbereiche der neuen Fahrradstraßen/-zonen hinweisen.

Selbstverständlich werden die Erfahrungen genau verfolgt, eine stetige Evaluierung ist vorgesehen. Mobilitätsmanager Fuchs: "Wenn die Fahrradstraßen und -zonen den erwarteten positiven Effekt erfüllen, ist geplant, weitere Straßenzüge aus dem Hauptroutennetz des Mobilitätskonzepts umzuwidmen. Denkbar sind in den Fahrradstraßen zudem weitere Maßnahmen – sei es, um die Sicherheit von Radfahrerinnen und Radfahrern zu maximieren oder den Durchgangsverkehr weiter zu minimieren. "Einbahnstraßenregelungen", sagt Fuchs, "könnten hier ein Mittel sein, das wir noch diskutieren und je nach Erfolg umsetzen  könnten." Der Praxistest ab dem Spätherbst wird‘s weisen.

Einen Flyer zum Thema können Sie hier herunterladen.

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