Digital und zukunftsweisend

Das "Update Ernährungsmedizin" des Else Kröner Fresenius Zentrums

Über 450 Multiplikator*innen verfolgten zum ersten Mal virtuell einen bunten Reigen aktueller, ernährungsmedizinischer Themen aus Wissenschaft und Praxis am Else Kröner Fresenius Zentrum (EKFZ) der TU München für Ernährungsmedizin. Das jährlich stattfindende Update Ernährungsmedizin leistet als Fortbildungsveranstaltung von Ernährungsfachkräften und Ärzt*innen somit einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung von Ernährungstherapie und Prävention.

Aktuelles aus der Adipositasforschung und – therapie stand am ersten Tag im Fokus der Veranstaltung. Gute Erfolge bei der Behandlung von Betroffenen, die stark unter Adipositas leiden, können erzielt werden, wenn die Therapie sowohl die beiden Säulen Ernährung und Bewegung als auch verhaltenspsychologische Elemente beinhaltet. Diese sogenannte Basistherapie zur Gewichtssenkung sollte am Anfang immer einem chirurgischen Eingriff vorgezogen werden und kann durch spezielle Medikamentengabe unterstützt werden. Hier wird die baldige Zulassung neuer, hochwirksamer Wirkstoffe erwartet. Zur Gewichtssenkung sind jedoch lebenslange Therapien im interdisziplinären Team erforderlich, da Adipositas (d.h. starkes Übergewicht) nicht nur Treiber für viele Krankheiten ist, sondern darüber hinaus selbst ein belastendes Krankheitsbild darstellt.

Bei den verschiedenen Gewichtsreduktionsprogrammen für Kinder und Jugendliche ist grundsätzlich zu beachten, dass das Körpergewicht auf der Basis der individuellen genetischen Veranlagung in komplexen Regelkreisen eng reguliert wird. Nur einer Minderheit wird es gelingen, die beabsichtigten Gewichtsverluste zu realisieren und langfristig aufrechtzuhalten. Somit sollte nicht primär die Gewichtsreduzierung im Fokus stehen, sondern ein verbessertes Ernährungs- und Bewegungsverhalten an sich angestrebt werden.

Schulungsprogramme sollten frühzeitig beginnen
Als besonders effektiv werden Adipositas-Schulungsprogramme beschrieben, die bereits im Zeitraum um das 10. Lebensjahr, ansetzen und welche die Eltern – nicht nur die Betroffenen selber – intensiv miteinbeziehen. Best Practice Beispiele aus anderen Ländern sollten genutzt werden, um die Potentiale in Deutschland besser zu nutzen. Es gilt, ein Vernetzen aller Beteiligten im Gesundheits- und Bildungsbereich zu erleichtern. Präventionsprogramme lassen sich in Schulen besonders gut etablieren, sofern die notwendigen finanziellen Resourcen zur Verfügung stehen. Von besonderer Bedeutung ist es außerdem, Personen mit Adipositas vor Schuldzuweisungen und Diskriminierung zu schützen. Eine Ausweitung der Aufklärungsarbeit über die biologischen und metabolischen Mechanismen bei der Körpergewichtregulation ist dringend erforderlich, um Stigmatisierung in Zukunft noch stärker entgegenzuwirken.

Doch nicht nur Veränderungen des Verhaltens bzw. des Lebensstils sind zur Adipositasprävention erforderlich. Vielmehr ist es von Bedeutung, auch das adipogene Umfeld zu ändern. Es geht darum Verhältnisse zu schaffen, die zu einem gesundheitsförderlichen Lebensstil beitragen. Dies kann durch veränderte Strukturen in unserer Lebensumgebung erfolgen, die mehr Bewegung im Alltag ermöglichen oder beim Einkauf von Essen und Trinken eine gesündere Wahl erleichtern. Die Politik kann laut Prof. Hauner - wissenschaftlicher Leiter der Veranstaltung - eine gesunde Ernährungsweise fördern, indem sie beispielsweise verbindliche Regeln für die Nährwertkennzeichnung vorsieht, Werbung für Kinderlebensmitteln - die nicht den WHO-Kriterien entsprechen - einschränkt und Qualitätsstandards für die Schulverpflegung bundesweit umsetzt. Ergänzt werden könnten diese Maßnahmen durch eine für alle Kita- und Schulkinder in Deutschland gebührenfreie Bereitstellung eines gesunden und ernährungsphysiologisch ausgewogenen Essens.

Prävention als gesamtgesellschaftliche Aufgabe
Abgesehen von diesen gesundheitsförderlichen Effekten wird bei der Entwicklung bzw. Optimierung des Ernährungssystems in Zukunft verstärkt ein ressourcenschonender Ansatz unter Berücksichtigung von Klima- und Umweltschutz zum Tragen kommen müssen. Dazu sind weitere Anstrengungen seitens der Stakeholder*innen entlang der Wertschöpfungskette, des Staates bzw. der EU bzw. Vertreter*innen im Gesundheitssystem für die Gesundheit von Mensch und Planet Erde erforderlich. Prävention in diesem Sinne ist somit nicht nur eine Aufgabe der Politik, sie ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und geht uns alle an.

Insgesamt gesehen waren die Online-Teilnehmenden begeistert von den facettenreichen Vorträgen, der Organisation und der Atmosphäre. Alle, die an der Ausrichtung beteiligt waren, - insbesondere Prof. Dr.med. Witt, als federführender Organisator der EKFZ-Veranstaltung - freuten sich über die aktive Diskussion mit den Teilnehmern.

Das Update Ernährungsmedizin bietet somit eine optimale Gelegenheit, einen Austausch der verschiedenen Interessengruppen in Gang zu bringen und die vielfältigen Herausforderungen auf der Ernährungsebene anzugehen. Damit leistet diese Veranstaltung einen wertvollen Beitrag zur Verbesserung der Ernährungssituation auf gesellschaftlicher Ebene.

Das nächste Update Ernährungsmedizin findet vom 21. bis 22. Oktober 2022 in München voraussichtlich in Hybridform statt, um dem gewohnten persönlichen Erfahrungsaustausch wieder mehr Raum geben zu können.

Weitere Informationen zum Programm entnehmen Sie bitte der EKFZ-Webseite.


In eigener Sache: Als Universitätsstadt, die sich mit einem eigenen „Wissenschaftspreis Weihenstephan der Stadt Freising“ im Wissen um die großartigen Leistungen am Standort Freising auch selbst engagiert, weist Freising in loser Folge online auf Aktuelles aus Lehre und Forschung „made in Freising“ hin. Gemeinsam mit der TUM bietet die Stadt Freising die Veranstaltungsreihe „TUM@Freising – Wissenschaft erklärt für ALLE“an, die regelmäßig für einen spannenden Austausch zwischen Wissenschaftler*innen und der interessierten Bevölkerung sorgt.  

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