Dem Wald den Puls fühlen: Ein Besuch an der Waldklimastation

Spannende Erkenntnisse beim "Walk & talk"

Wussten Sie, dass es mitten im Weltwald bei Freising eine Klimastation mit verkabelten Bäumen gibt? Seit 1995 wird hier dem Wald der Puls gemessen: Temperatur, Niederschlag, Verdunstung, Bodenwasser, Dickenwachstum…  alles ist unter Beobachtung.

Zu einem besonderen Herbstspaziergang hatte die Domberg-Akademie gemeinsam mit der Projektgruppe „Energie & Klimaschutz“ des Agenda21- und Sozialbeirats Freising am Sonntag, 10. Oktober 2021, eingeladen. Gemeinsam mit über 90 Teilnehmenden machte sich Professor Dr. Jörg Ewald von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf auf den Weg mitten hinein in den „Kleinen Spessart“, einem naturnahen Laubwald, der in unseren Breiten selten geworden ist. Mithilfe der Waldklimastation lassen sich klimatische Veränderungen auch hier in Bayern bereits feststellen: Die Durchschnittstemperatur für Südbayern liegt bei 8,5 Grad, in Nordbayern (Messstation Würzburg) bei 9,5 Grad, Tendenz deutlich steigend.

Artenreiche Mischwälder
Dank des lehmigen Bodens, der viel Wasser speichern kann, sind Wälder und Felder im Landkreis Freising noch in einem guten Zustand und haben die trocken-heißen Sommer 2018 bis 2020 ohne größere Schäden überstanden. Noch hält der naturnahe Wald den Temperaturextremen stand. Bei Verfehlen des 1,5 Grad-Ziels müssen wir uns jedoch auf Waldschäden wie derzeit in Nordbayern gefasst machen. Somit ist auch für die hiesige Forstwirtschaft Handeln angesagt. Der ökologische Umbau der vielerorts vorherrschenden, gegen Wind, Dürre und Käfer anfälligen Fichten-Reinbestände in stabile und artenreiche Mischwälder mit Buche, Tanne, Eiche und Ahorn muss fortgesetzt werden. Wärme liebende heimische Arten wie die Elsbeere oder Exoten, wie die bereits im 19. Jahrhundert aus Nordamerika eingeführte Douglasie, können dieses Sortiment ergänzen. Das Importieren von hitzebeständigen Baumarten ist jedoch nicht einfach, da diese - wie beispielsweise die südosteuropäische Zerreiche - auch frostresistent sein müssen.

Ressource Holz
Neben der Frage der zukunftsgerechten Baumartenwahl wurde die klimaschonende Verwendung der Ressource Holz diskutiert. „Leider“, so Ewald, „werden derzeit drei Viertel des Buchenholzes verheizt“. So gelangt das im Holz über Jahrzehnte gespeicherte CO2 allzu schnell zurück in die Atmosphäre. Nachhaltiger wäre es, mehr heimisches Holz als Baustoff einzusetzen und im Alltag gezielt auf die Herkunft der Hölzer beim Kauf von Möbeln etc. zu achten. Baumkronen, Rinde und Totholz sollten im Wald verbleiben, um CO2 im Boden durch die Anreicherung von Humus zu binden. Die Idee, schnell wachsende Plantagen z. B. für die Gewinnung von Bioplastik anzulegen, geht laut Ewald auf Kosten anderer Waldfunktionen, die von dauerhaften Mischwäldern aus unterschiedlich alten Bäumen viel besser erbracht werden.

Beitrag zum Waldschutz 
„Was können wir in unserem Alltag konkret zum Waldschutz beitragen?“, fragte am Ende des Ge(h)sprächs Tabea Janson, Bildungsreferentin der Domberg-Akademie, die Teilnehmenden. Zwei Gegenstände gaben erste Anregungen: Eine Rolle Klopapier und eine Papiertüte. „Ein Mensch verbraucht im Durchschnitt 12 Kilogramm Toilettenpapier, pro Kopf fallen 230 Kilogramm Papiermüll im Jahr an. Stellen Sie sich vor, wie viel Frischholz alleine für die Herstellung von Toilettenpapier oder Kartonagen anfällt, die nicht aus Recycling-Kreisläufen hergestellt werden?“, so Janson. Weniger Online-Bestellungen und vor Ort in den Geschäften auf den Erwerb von Papiertüten verzichten und eigene Taschen oder Rucksäcke mitbringen wäre ein Lösungsansatz. Ein anderer: Beim Kauf von (Klo)Papier auf Umweltsiegel wie den Blauen Engel und 100 Prozent Recyclinganteil achten.


Informationen über Aktivitäten und Veranstaltungen der Agenda21-Gruppe "Energie & Klimaschutz" finden Sie hier auf der Webseite.

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