"Bereich bitte freihalten"

Barrierefreier Korridor unterstützt sehbehinderte Menschen

Der städtische Bauhof hat am Dienstag in der Unteren Hauptstraße als einem ersten Teil der bereits neugestalteten Innenstadt Markierungen und Aufkleber angebracht, die darauf aufmerksam machen, den barrierefreien Korridor unbedingt freizuhalten. Dann kam der große Regen. Die Restarbeiten werden witterungsbedingt zeitnah nachgeholt.

Hintergrund der augenfälligen Aktion: Die Freisinger Innenstadt wurde nach einem langen, intensiven Planungs- und Abstimmungsprozess, in den ersten Bauabschnitten von einem klassischen Straßenquerschnitt (also der „üblichen“ Differenzierung von Gehweg und Fahrbahn mit Trennung durch einen Hochbordstein) barrierearm und niveaugleich ausgebaut und als verkehrsberuhigter Bereich ausgewiesen. Zusammengewirkt für diese gute Lösung hatten neben den Fachleuten der beauftragten Planungsbüros (Landschaftsarchitekten ST raum a. und Verkehrsplaner Steinbacher-Consult) auch viele Fachleute mitten aus der Praxis: Der Behindertenbeauftragte der Stadt Freising, die Projektgruppen „Seniorinnen und Senioren“ sowie „Menschen mit Behinderung“ des Agenda 21- und Sozialbeirats, die Aktive City Freising, der Planungsreferent der Stadt Freising, die Fachämter der Stadt Freising (u.a. Ordnungsamt, Amt für Soziale Angelegenheiten, Stadtplanungsamt, Amt für Tiefbauplanung, Amt für Straßen- und Brückenbau) und selbstverständlich die Beratungsstelle Barrierefreiheit der Bayerischen Architektenkammer und der Bayerische Blinden- und Sehbehindertenbund.

Während die Zustimmung beim Stadtbummel vom ersten Moment an groß war und die neugeschaffene Fläche von den Passant*innen umgehend wie vorgesehen und gedacht genutzt wird, haben sehbehinderte Mitbürger*innen, für die in den neugestalteten Flächen eigens ein taktiles Leitsystem eingebaut wurde, Probleme, die meist verursacht werden durch Gedanken- und Achtlosigkeit.

PKWs, Fahrräder und Mobiliar verstellen oft den Weg
Der barrierefreie Korridor, der blinden und seheingeschränkten Personen als Führungslinie dient und folglich wirklich unbedingt freigehalten werden muss, wird allzu häufig durch ruhenden Verkehr (PKWs und Fahrräder), zum Teil aber auch durch Mobiliar von Geschäften und Restaurants besetzt: Obwohl meist unbewusst dort platziert oder im Laufe des Tages „gewandert“, sorgen unglücklich situierte Stühle, Tische oder Werbetafeln ebenso wie falsch geparkte Autos oder nachlässig abgestellte Radl zu einer erheblichen Einschränkung der Orientierung von sehbehinderten oder blinden Mitbürger/-innen. Sie werden daran gehindert, den taktilen Streifen mit ihrem Blinden-/Langstock zu folgen.

Die Stadt weiß, dass hier nicht Absicht oder gar Rücksichtslosigkeit im Spiel sind, sondern allzu oft noch Unwissenheit über die Bedeutung der wichtigen Korridore entlang der taktilen Kante für absolut vermeidbare (!) Blockaden sorgen. Deshalb hatte die Stadt Freising bereits im Sommer einen Informationsflyer erstellt, der nochmals ausdrücklich über das Konzept Barrierefreiheit in der Freisinger Innenstadt und den barrierefreien Korridor informiert – aufklären, nicht belehren, so die Idee der umfassenden Darstellung.

Info-Flyer informiert über Konzept der Barrierefreiheit
Mit der neu aufgebrachten Markierung, die in den nächsten Tagen bei trockener Witterung entlang des taktilen Leitsystems fortgesetzt wird, soll augenfällig auf die die wirklich große Bedeutung dieses Leitsystems aufmerksam gemacht werden: „Bereich bitte freihalten“, appelliert die neue Bodenmarkierung. Blinden oder Sehbehinderten sollte schließlich wirklich nichts – buchstäblich – im Wege stehen, das ihnen die Teilnahme am öffentlichen Leben zusätzlich erschwert!

Das Info-Faltblatt mit Hintergrundinformationen ist zum Mitnehmen nach wie vor erhältlich im Bürgerbüro, in der Touristeninformation, in der Stadtbibliothek und im Büro der Aktiven City (Ziegelgasse 15). Es kann zudem online auf dem Portal zur Innenstadt-Neugestaltung heruntergeladen werden.

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