Ausbildung und Forschung im größten Buchenurwald Europas

HSWT unterzeichnet trilaterales Abkommen in Rumänien

Spannend, hochaktuell und zukunftsweisend in diesen Tagen, da die Bedeutung von Bäumen und Wäldern für das Klima landauf, landab diskutiert wird:  Um den größten europäischen Buchenurwald intensiver zu erforschen, hat die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) noch im Juli ein trilaterales Abkommen mit dem Semenic-Cheile Carasului Nationalpark in den Westkarpaten und der Banat University of Agricultural Sciences and Veterinary Medicine (USAMBVT) im rumänischen Temeswar geschlossen. Mit fast 6000 Hektar beherbergt der Nationalpark in der besonders artenreichen Bergregion das größte Buchenurwaldreservat der Europäischen Union, berichtet die HSWT in einer Medieninformation. Die Kooperation umfasse die Bereiche Ausbildung und Forschung. Auch modernste Forschungsansätze, etwa mittels Drohnen und Spektralanalyse, sollen umgesetzt werden. Ziel sei es, vom Urwald für das Management und die Bewirtschaftung von Buchenwäldern generell zu lernen, um diese auch in Zukunft zu erhalten.

Die HSWT: „Im Gebiet des Nationalparks, in dem selten gewordene Arten wie Wolf, Bär und Habichtskauz leben, können angehende Forstingenieurinnen und -ingenieure die Dynamik des Waldes erforschen und verstehen lernen. Unter anderem wird das Abkommen Studierenden und Lehrenden von USAMBVT und HSWT Austauschsemester ermöglichen sowie den Rahmen bilden für gemeinsame Forschungsaktivitäten und Publikationen der beiden Hochschulen. Darüber hinaus wird es den Abstimmungsaufwand mit dem Nationalpark reduzieren.

Seit 2016 finden dort regelmäßig Feldkurse mit Studierenden der HSWT statt. Der Fokus lag bislang vor allem auf der Untersuchung von Waldstrukturen und deren Korrelation mit Artenvorkommen. Eine Ausdehnung der Aktivitäten auf Bodeneigenschaften, die Insektenwelt sowie auf Fragen der Ökosystemdienstleistung, der Umweltbildung und des Tourismus ist geplant.

Vom Urwald lernen

USAMBVT und HSWT arbeiten vor allem im Bereich der waldökologischen Forschung eng zusammen und profitieren vom Austausch generierter Daten. Die Forschung im Semenic-Cheile Carasului Nationalpark geht beispielsweise der Frage nach, wie alt Bäume im Urwald werden und wodurch sie absterben. Zudem untersuchen die Projekte, wie groß die durch das Absterben entstehenden Lücken sind und welche Tier- und Pflanzenarten diese nutzen. In Zukunft werden die Forscherinnen und Forscher auch modernste Methoden umsetzen. So sollen beispielsweise Laserscanner und Drohnen die Waldstrukturen genauer erfassen und spezielle Höhlenkameras Einblicke in das Innere von Bäumen ermöglichen. Darüber hinaus nutzen neue Studien auch Jahrringmessungen, die Störungen erkennen lassen, messen das Restlicht unter den Baumkronen mittels Spektralanalysegeräten und setzen Fotofallen ein, die Höhlenbewohner und deren Konkurrenten zeigen.

Der Buchenurwald des Semenic-Cheile Carasului Nationalpark

Erste Forschungsergebnisse der vergangenen drei Jahre zeigen, dass im Buchenurwald über 70 verschiedene Vogel- und 20 unterschiedliche Fledermausarten vorkommen. Diese Vielfalt wird unter anderem dadurch bedingt, dass Kleinstrukturen in der Buche, etwa Baumhöhlen, raue Borke oder kleine Faulstellen, mit zunehmendem Alter der Buche exponentiell ansteigen. Im Urwald des Semenic-Cheile Carasului Nationalparks werden die Buchen bis über 400 Jahre alt und sterben in einem langsamen Prozess ab. Die entstehenden Lücken sind eher klein und machen nur rund 20 Prozent der Waldfläche aus. Innerhalb kurzer Zeit stellt sich die Naturverjüngung ein und Kleinlückenbesiedler wie die Vogelarten Halsbandschnäpper oder Gartenrotschwanz beginnen dort zu brüten.“ 

In eigener Sache: Als Universitätsstadt, die sich mit einem eigenen „Wissenschaftspreis Weihenstephan der Stadt Freising“ im Wissen um die großartigen Leistungen am Standort Freising auch selbst engagiert, weist Freising in loser Folge online auf Aktuelles aus Lehre und Forschung „made in Freising“ hin.

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