Unterstützung aus der Mitte der Freisinger Bürgerschaft

Landrat Josef Hauner, Dr. Günther Beckstein, Stiftungsvorstandsvorsitzender Florian Herrmann und OB Tobias Eschenbacher (v.l.) bei der Begrüßung im Asamfoyer.
Landrat Josef Hauner, Dr. Günther Beckstein, Florian Herrmann und OB Tobias Eschenbacher (v.l.) im Asamfoyer. (Fotos: Stadt Freising)

Die vor sechs Jahren ins Leben gerufene Bürgerstiftung Freising „ist wahrlich eine Stiftung von Bürgerinnen und Bürgern für die Freisinger Bevölkerung.“ Ein zufriedenes Fazit zog Vorsitzender Florian Herrmann beim Herbstempfang am Mittwoch, 4. November 2015, im Asamfoyer vor gut 50 Gästen, darunter Festredner Dr. Günther Beckstein. Schließlich hat sich das Vermögen seit Gründung fast vervierfacht auf rund 212.300 Euro – und in Zeiten von Niedrigzinsen tragen viele kleinere und größere Spenden dazu bei, das Anliegen der Stiftung mit Leben zu erfüllen: die Förderung von Aktivitäten und Projekten zur nachhaltigen Entwicklung der Stadt Freising.

Kleine und große Spenden ermöglichen Förderung

Applaus im Blauen Saal des Asamgebäudes für die Stiftungsbilanz

Möglich macht die finanzielle Unterstützung in den Bereichen Kinder und Jugend, Senior/-innen, sozial Benachteiligte, Integration, Kulturarbeit sowie Ökologie und Klimaschutz die Spendenfreudigkeit auf der einen Seite und ein uneigennütziges ehrenamtliches Engagement auf der anderen Seite. Und so zeigte sich Florian Herrmann sehr dankbar für Spenden von "Institutionen aus der Mitte der Freisinger Gesellschaft" und ebenso für viele Kleinspenden "aus der Mitte der Bürgerschaft". Einige hätten sogar einen monatlichen Dauerauftrag eingerichtet, erzählte der Vorsitzende. Zu Gunsten der Bürgerstiftung werde - nächstes Jahr dann schon zum sechsten Mal - der Panoramalauf im Hofgarten Weihenstephan organisiert, der sich "als feste Institution im Freisinger Jahreskalender etabliert" habe, so Herrmann.

Schecks an LBV-Naturschutzjugend und Verein KULTUR-gut!

  • OB Tobias Eschenbacher, Florian Herrmann, Steffi Gölz (KULTUR-gut!) und Günther Beckstein.
  • OB Tobias Eschenbacher, Florian Herrmann, Steffi Gölz (KULTUR-gut!) und Günther Beckstein.

Und so konnten während der Veranstaltung Schecks überreicht werden: an die Naturschutzjugend der LBV-Kreisgruppe (500 Euro für ein Jugendprojekt in der Kleingartenanlage Tuching) sowie an den Verein KULTUR-gut! Freising e.V. (1000 Euro für kulturelle Veranstaltungen, deren Besuch Menschen mit geringem Einkommen ermöglicht wird). Ausgeschüttet hat die Bürgerstiftung in diesem Jahr freilich weit mehr, wie Herrmann berichtete, beispielsweise fast 13.000 Euro an Freisinger Grund- und Mittelschulen zur Unterstützung von Kindern aus sozial benachteiligten Familien. Weitere Mittel flossen laut Jahresbericht für die Wärmestube, die Lebenshilfe und den Förderverein des Sonderpädagogischen Zentrums. Die mit Überweisungsträgern verschickten Einladungen zum Herbstempfang brachten aktuell nochmals über 2200 Euro in die Kasse.

Die Würde des Menschen ist unantastbar

Festreferent Dr. Günther Beckstein

"Bürgerstiftung ist was Tolles", schwärmte Günther Beckstein zu Beginn seines Vortrags und würdigte die "Gesinnung" der ehrenamtlich Engagierten: "Ehrenamt und Bürgerstiftungen, das sind für mich die großen Säulen der Bürgerkultur." Der von Florian Herrmann als "Christ mit Leib und Seele" vorgestellte Festreferent und ehemalige Bayerische Ministerpräsident befasste sich mit dem Thema "Grundwerte unserer Gesellschaft". In den Mittelpunkt seiner Rede rückte Beckstein den Artikel 1 des Grundgesetzes: "Die Würde des Menschen ist unantastbar." Dabei stellte er auch aktuelle Bezüge zu diesem "wichtigsten und ursprünglichsten Grundwert" her. So plädierte er für eine "volle Teilhabe" von Menschen mit Behinderung am gesellschaftlichen Leben und sprach sich gegen Sterbehilfe aus: Nicht Suizid sei bei großem Leid am Ende des Lebens die richtige Antwort, sondern eine würdige Gestaltung dieser letzten Phase wie sie die Hospizbewegung leiste. Die unveräußerlichen Menschenrechte bedeuten für Beckstein jedoch nicht, für Flüchtlinge "die Grenzen völlig zu öffnen". Nicht die am meisten Hilfsbedürftigen erreichten Deutschland, eine Chance habe vielmehr nur, wer eine lebensgefährliche Flucht antrete, kritisierte der frühere bayerische Innenminister. Er setzt auf die - "viel zu spät" - eingesetzte finanzielle Hilfe in den Flüchtlingslagern, wo die Menschen gerade mal 60 Cent am Tag zu Leben hätten: "Das ist für mich ein Skandal."

Zuwanderung mit Hilfe einer "starken Bürgergesellschaft" zu meistern

Günther Beckstein referierte über weitere Grundwerte wie Freiheit, Gleichheit, Schutz der Familie, Nachhaltigkeit und Umwelt, eine Wirtschaftsordnung, die "den Mensch in den Mittelpunkt stellt und nicht das Kapital", und Toleranz im Sinne von "Respekt für die Meinung des anderen". Am Ende seiner Rede schloss sich der Kreis zu Becksteins einführenden Sätzen. Über die Grundwerte, so befand er, existiere ein breiter Konsens in der Gesellschaft. Deutschland als Einwanderungsland brauche eine starke Bürgergesellschaft, die den Kontakt zu den Zuwanderern suche und "unsere Werte implantiert".

OB Eschenbacher lobt bürgerschaftliches Engagement

OB Tobias Eschenbacher (links) überreicht an Günther Beckstein als Dankesgeschenk die Figur des Freisinger Bären.

Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher, Schirmherr der Bürgerstiftung Freising, würdigte in seinem Schlusswort die Stiftung dafür, dass sie "Schnittstelle zwischen denen, die geben, und den Bedürftigen" sei und ehrenamtlich die Organisation übernehme. Dem Festreferenten sprach Eschenbacher seinen Dank für die Anregungen aus und bekannte: Die "ein oder andere These" rufe bei ihm Diskussionsbedarf hervor. Der OB überreichte an Günther Beckstein eine Porzellanfigur des Korbiniansbären und erklärte dessen Bedeutung: Korbinian sei der erste Freisinger Migrant gewesen, der als Franzose mit einer jüdischen Mutter nach Freising gekommen sei, "um uns zu katholisieren".

Wie schon während der Veranstaltung sorgte das Saxophonquartett "Saxadonna" auch am Ende mit flotten Rhythmen für gute Laune, die sich beim Ausklang am kalten Büffet mit angeregten Gesprächen fortsetzte.

  • Steffi Gölz (Verein KULTUR-gut!) und Kulturreferent Hubert Hierl
  • Peter Reisch (li.) und Karl-Heinz Wimmer vom Stiftungsvorstand
  • Landrat Josef Hauner und Steffi Gölz (KULTUR-gut!)
  • Karl-Heinz Wimmer, Mitglied im Stiftungsvorstand (li.), und Norbert Ettinger, Rektor der Mittelschule Lerchenfeld
  • Saxophonquartett Saxadonna
  • Saxophonquartett Saxadonna mit (v. l.) Beate Kittsteiner und Julia Hörl.
  • Gesellige Runde mit (vorne v.l.) Alt-OB Dieter Thalhammer, OB Tobias Eschenbacher, Dr. Günther Beckstein und Florian Herrmann
  • Stadtwerke-Direktor Andreas Voigt, Göran Kleine (Vorsitzender des Stiftungsrats) und Maria Kirsch (v.l.)
  • Referent und Gastgeber (v.l.): Günther Beckstein und Florian Herrmann

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