Archivstück des Monats - Schätze aus dem Stadtarchiv Freising

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Einblick in die Magazinräume
Einblick in die Magazinräume des Stadtarchivs.

Archive gehören wohl zu den unergründlichsten Institutionen, die eine Kulturgesellschaft zu bieten hat. Aufgrund der relativ abstrakten Materie und auch der Tatsache, dass sie über viele Jahrhunderte hinweg den Blicken der Öffentlichkeit entzogen waren, hat sich ein ambivalentes Bild von Archiven herausgebildet: eine Mischung aus fantastischer Wunderkammer und feuchtem Kellergewölbe, dazwischen Archivare und Historiker, die scheinbar aus der Zeit gefallen sind und misstrauisch auf ihren Schätzen sitzen.

Protokoll der Gründungssitzung der Liedertafel Freising.
Protokoll der Gründungssitzung der Liedertafel Freising.

Ein solches Bild ist natürlich falsch. Ein Archiv wie das Freisinger Stadtarchiv ist eine öffentliche Einrichtung und eine Dienstleistungsbehörde, die in zweierlei Hinsicht für Bürgerinnen und Bürger da ist:
Zum einen, weil sie - und das ist die Hauptaufgabe des Stadtarchivs - die kontinuierliche Überlieferung des Stadtgeschehens organisiert ("records management"); alles Wesentliche, das sich in einer bestimmten Zeit im Bereich des Freisinger Stadtgebiets ereignet hat, wird idealerweise Eingang in die Überlieferung des Archivs finden und sich in den dortigen Beständen widerspiegeln. Die Überlieferungsbildung erfolgt nicht zufällig, sondern nach wissenschaftlichen Grundsätzen und detailliert ausgearbeiteten Strategien.
Zum anderen ist das Stadtarchiv für Bürgerinnen und Bürger da, indem es die Zeugnisse vergangenen Geschehens für jede und jeden Interessierte(n) bereitstellt, freilich unter Wahrung von Persönlichkeits- und Datenschutzrechten.

Die enorme Quantität und Vielfalt der einzelnen Zeugnisse machen es, wenn man nicht gerade Mitarbeiter im Stadtarchiv ist, sehr schwer, einen Überblick darüber zu erhalten, was sich im Stadtarchiv alles verbirgt. Um ein bisschen Licht ins Dunkel zu bringen und einen tieferen Einblick in die Bestände des Stadtarchivs zu erhalten, wird hier jeden Monat eine Archivalie präsentiert und beschrieben. Bei Interesse können Ihnen diese Stücke auch auf Anfrage im Original im Stadtarchiv vorgelegt werden.

September 2018 - Bewerbungsschreiben des Schaustellers Kaspar Gerstmeier (1929)

Vom 7. bis 16. September findet zum 89. Mal das Freisinger Volksfest in den Luitpold-Anlagen statt. Dann sind die Freisinger Bürgerinnen und Bürger wieder dazu eingeladen, zehn Tage lang Spaß, Spannung und eine gemütliche Zeit miteinander zu verbringen. Neben dem Genuss eines Brathendls oder einer Maß Bier gehört für viele Familien auch der Gang durch die Schieß- und Wurfbuden sowie die Mitfahrt bei den verschiedenen Fahrgeschäften zu einem ordentlichen Volksfest-Besuch dazu.

Bewerbungsschreiben des schaustellers Kaspar Gerstmeier für das erste Freisinger Volksfest aus dem Jahr 1929.
Bewerbungsschreiben des schaustellers Kaspar Gerstmeier für das erste Freisinger Volksfest aus dem Jahr 1929.

Das Freisinger Volksfest wurde erstmals zwischen dem 31. August und dem 9. September 1929 als "Schützen- und Volksfest" veranstaltet. Ganz in der Tradition der Landwirtschafts- und Gewerbeschauen des 19. Jahrhunderts war die Veranstaltung verbunden mit zahlreichen Ausstellungen von Vereinen, Tierzüchtern, Handwerkern und Institutionen. Präsentiert wurden beispielsweise die Errungenschaften verschiedener Weihenstephaner Einrichtungen sowie eine Obst- und Gartenbauausstellung, eine Bezirks-Bienenausstellung oder eine Präsentation von landwirtschaftlichen Brennerei- und Molkereimaschinen. Weitere Höhepunkte des Volksfestes bildeten die Wettkämpfe der Schützenvereine sowie ein Pferderennen auf dem Rennplatz rechts der Isar.

Schauzelt "Palast-Hippodrom" des Schaustellers Kaspar Gerstmeier.
Schauzelt "Palast-Hippodrom" des Schaustellers Kaspar Gerstmeier.

Zur Belustigung der Freisinger Bevölkerung wurde zwischen den Ausstellungs- und Bierhallen ein Jahrmarkt mit verschiedenen Schaubuden, Essensständen und Fahrgeschäften errichtet. Wie heutzutage mussten sich auch 1929 Schausteller, die ihre Attraktionen auf dem Volksfest präsentieren wollten, im Vorfeld für einen Platz auf der Volksfestfläche bewerben. So fragte beispielsweise der Augsburger Kaspar Gerstmeier den Freisinger Stadtrat an, ob er mit seiner Reitbahn, dem Palast-Hippodrom, am ersten Freisinger Volksfest teilnehmen könnte und bat um baldige telegrafische Zusage. Beigelegt war eine Fotografie, um sich einen Eindruck von dem Schauzelt der Reitshow zu machen, die mit insgesamt 26 Tieren auf die Reise ging (vgl. Abbildung). Zunächst erhielt Kaspar Gerstmeier eine Absage durch den Freisinger Stadtrat, konnte schließlich aber als Vertretung für den Schausteller Reinhold Wiessner doch noch am Fest teilnehmen.

Wie heute bildeten auch schon beim ersten Freisinger Volksfest 1929 die Schieß- und Wurfbuden den Großteil der Attraktionen. Hinzu kamen verschiedene Automatenspiele, wie beispielsweise ein automatischer Kraftmesser oder eine Personenwaage, sowie eine eigens errichtete Kegelbahn. Der Unterhaltung diente, neben dem Hippodrom des Herrn Gerstmeier, verschiedene Varieté- und Tierschauen. So gab es neben Fakiren und anderen Artisten auch eine Urwaldschau mit Krokodilen, Riesenschlangen und verschiedenen Affenarten, welche aus dem Hamburger Tierpark Hagenbeck stammten. Als Fahrgeschäfte standen den Bürgerinnen und Bürgern verschiedene Kettenkarusselle und Schiffschaukeln zur Verfügung. Zudem kleinere Kinderkarusselle und Ponyreithallen. Einen besonderen Anziehungspunkt stellte allerdings ein vollkommen neuartiges Fahrgeschäft dar, ein "Elektro-Selbstfahrer", oder "Auto-Scooter" - wie man heute sagt.

Autor: Matthias Lebegern
Quelle: Stadtarchiv Freising; Altakten III Volksfest 1929.

 

 

Juli 2018 - Schreiben Adolf Hitlers an den Freisinger Stadtrat (1933)

Am Abend des 10. Mai 1933, gut drei Monate nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler, kam in Freising ein neuer, nunmehr nationalsozialistisch dominierter Stadtrat zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Die Sitzungsleitung lag in den Händen des ersten Bürgermeisters Gottlieb Schwemmer (NSDAP), der das Amt seit dem (erzwungenen) Rücktritt Stephan Bierners am 23. März kommissarisch führte.

Schreiben vom 30. August 1933 durch Adolf Hitler, anläßlich der Verleihung des Ehrenbürgerrechts von Freising.
Schreiben vom 30. August 1933 durch Adolf Hitler, anläßlich der Verleihung des Ehrenbürgerrechts von Freising.

Das Gremium war mit dem Stadtrat in der bisherigen Form nicht mehr vergleichbar: Zum einen besaß es keine demokratische Legitimation; die einzelnen Räte wurden nicht durch die Wahl der wahlberechtigten Stadtbevölkerung bestimmt, sondern durch einen Ende April einberufenen "Wahlausschuß", dem zum überwiegenden Teil Funktionäre der NSDAP angehörten. Zum anderen gab es die kommunale Selbstverwaltung, den rechtlichen Handlungsrahmen, in dem ein Gemeinde- oder Stadtrat politisch agierte, nicht mehr; mit Hitlers "Vorläufigem Gesetz zur Gleichschaltung der Länder mit dem Reich" vom 31. März 1933 war sie aufgehoben worden. Auch auf kommunaler Ebene trat an die Stelle der demokratischen Ordnung, die die Nationalsozialisten mit erschreckender Geschwindigkeit zerlegt hatten, das Führerprinzip. Der Bürgermeister war nunmehr der Alleinverantwortliche, der Stadtrat hatte nur noch beratende Funktion.

Die Konstituierung des neuen Stadtrats nutzten Gottlieb Schwemmer und sein Stellvertreter, SA-Sturmbannführer Hans Lechner, noch für ein anderes Vorhaben: Als äußerliches, weithin wahrnehmbares Zeichen der nationalsozialistischen Herrschaft sollte Freisings bedeutendste Straße, die Hauptstraße, den Namen "Adolf-Hitler-Straße" erhalten. Diesem Ansinnen stimmte das Ratsgremium ebenso "einstimmig" und "einmütig" zu wie dem Vorschlag, vier Herren die Ehrenbürgerwürde anzutragen: Neben Hitler waren das Reichspräsident Paul von Hindenburg, Reichsstatthalter Franz Ritter von Epp und SA-Stabschef Ernst Röhm.

Dreieinhalb Monate später, am 30. August 1933, unterzeichnete Adolf Hitler in Berlin ein maschinenschriftliches Schreiben, in dem er die angetragene Ehrenbürgerschaft annahm und sich darüber hinaus auch für die nach ihm umbenannte Freisinger Hauptstraße bedankte. Laut dem Eingangsstempel erreichte das Schreiben seinen Bestimmungsort allerdings erst am 12. Dezember 1933 (vgl. Abb.).

Ob auch Hindenburg, Epp und Röhm die Ehrenbürgerschaft angenommen haben, ist derzeit nicht zu ermitteln. Sowohl Röhm als auch Hindenburg wären nur kurzzeitige Träger gewesen: Röhm wurde Anfang Juli 1934 im Zusammenhang mit dem "Röhm-Putsch" ermordet, Hindenburg starb wenige Wochen später, im August 1934. Was die Straßenbezeichnung betrifft, so wurde - anders als zunächst vorgesehen - nicht die ganze Hauptstraße, sondern lediglich der obere und mittlere Teil in "Adolf-Hitler-Straße" umbenannt, der untere Teil dagegen in "Hindenburgstraße".

Infolge der Befreiung der Stadt Freising durch die U.S.-Armee am 29. April 1945 wurden die Straßenbezeichnungen der NS-Zeit, darunter auch die "Adolf-Hitler-Straße" und die "Hindenburgstraße", zügig umbenannt. In aller Regel erhielten die Straßen ihren angestammten Namen zurück. Sämtliche Ehrenbürgerschaften, die während der NS-Zeit verliehen wurden, hob der Freisinger Stadtrat im März 1946 auf.

Autor: Florian Notter
Quellen: StadtAFS, Amtsbücher II, Stadtratsprotokoll 1933; ebd., Altakten III, Nr. 408; ebd., Zeitungssammlung, Freisinger Tagblatt, 26.04.1933, 11.05.1933.
Literatur: Notter, Florian: zur Um- und Neubenennung von Freisinger Straßen während der NS-Zeit, in: Fink 8 (2014), Ausgabe März, S. 16-19.

 

 

Juni 2018 - Aufriss: Das Isartor von außen (1863)

Es gibt nur wenige Themen zur Freisinger Stadtgeschichte, die in der öffentlichen Wahrnehmung so präsent sind wie die historische Stadtbefestigung. Ihre im Lauf des 18. und 19. Jahrhunderts überwiegend zerstörten Bestandteile (Wehrmauer, Graben, Türme und Tore) waren seit den 1920er Jahren vielfach Gegenstand von Ausstellungen, Vorträgen oder kurzen heimatkundlichen Beiträgen. Generation von Grundschulkindern mussten die Namen und Standorte lernen (im Stadtmuseum gibt es inzwischen sogar einen Stadttor-Bastelbogen). Auch der Freising-Besucher, der an einer Stadtführung teilnimmt, kommt den Spuren und Überresten der Stadtbefestigung in der Regel nicht aus.

Außenansicht des Freisinger Isartores von 1863.
Außenansicht des Freisinger Isartores von 1863.

Die konstante Popularität des Themas steht allerdings im Gegensatz zur wissenschaftlichen Aufarbeitung. Denn eigentlich ist über die Freisinger Stadtbefestigung relativ wenig bekannt: Nichts über eine mögliche Vorgänger-Befestigung, kaum etwas über die Entstehungsumstände der Befestigung im Spätmittelalter; kaum etwas über die militärische Bestückung. Selbst der genaue Verlauf und der Befestigungsgrad insbesondere an der ost- und südseitigen Stadtgrenze sind unklar. Klärung bestünde zum Beispiel auch im Hinblick auf organisatorische Fragen wie die konkrete Zuständigkeit der Stadt bzw. des Hochstifts oder die Funktion der Tore als Zolleinnahmestellen. Auch die Abbruchphase der Befestigung im 19. Jahrhundert, zu der es vergleichsweise geschlossene Akten- und Planbestände gibt, wurde bisher kaum untersucht. Neben zwischenzeitlich verwertbaren archäologischen Quellen müsste sich eine Auswertung besonders auf die schriftlichen Quellen im Bayerischen Hauptstaatsarchiv, im Staatsarchiv München sowie im Stadtarchiv Freising stützen.
Ein kleines Puzzleteil stellt in diesem Zusammenhang die vorliegende Planzeichnung dar (vgl. Abb.): ein Fassadenaufriss des Freisinger Isartors von 1863. Johann Lang, Bauassistent am königlichen Landbauamt Freising, hat ihn im Auftrag des Stadtmagistrats gefertigt. Der Plan zeigt das Isartor, das am äußeren ende der Unteren Domberggasse bzw. Heiliggeistgasse stand, von seiner Außenseite, also von Südosten her. Das Pendant, der Aufriss der Innenseite, hat sich ebenfalls erhalten. Da es zum Tor keine anderweitige exakte visuelle Darstellung (auch keine Fotografie) gibt, kommt den beiden Plänen eine hohe stadtgeschichtliche Bedeutung zu.

Dem Aufriss nach handelte es sich beim Isartor um eines der kleineren der insgesamt sechs Freisinger Stadttore. Neben dem Torgeschoss mit einer spitzbogigen Toröffnung besitzt das Gebäude nur mehr ein weiteres Vollgeschoss. Darüber setzt das steile Satteldach an, dessen Giebelseiten mit relativ einfach gestalteten Rechteckzinnen versehen sind (eine ganz ähnliche Giebelgestaltung findet sich heute noch am Domberg-Osttor). Nordöstlich (rechts) schließt ein kleineres Gebäude mit einer Fachwerkkonstruktion an, südwestlich (links) ein etwas höheres Haus, in dem sich die Wohnung des Torwärters befindet. Dahinter zieht sich das (bis heute erhaltene) Teilstück der Stadtmauer den Domberg bis zum Turm der Domdechantei (jetzt Amtsgericht) hinauf.
Als Johann Lang die Pläne im Dezember 1863 zeichnete, war bereits klar, dass das Tor fallen würde. Ein halbes Jahr später, im Mai 1864, waren die Abbrucharbeiten beendet.

Autor: Florian Notter
Quellen: StadtAFS, Akten II, Planselekt.

 

 

Mai 2018 - Werbepostkarte des Jägerwirts in Freising (1910)

Wenn die Temperaturen im Frühling steigen, beginnt an vielen Orten in Bayern die jährliche Biergartensaison. Dabei werben viele Gaststätten mit verschiedenen Veranstaltungen wie Blasmusik oder Maibaum-Aufstellen, um Gäste anzulocken. Das diesmalige Archivstück des Monats zeigt uns eine andere, nicht weniger kreative Möglichkeit, wie man für seine Wirtschaft Werbung machen kann. Der Freisinger "Jägerwirt" setzte zu Beginn des 20. Jahrhunderts Werbepostkarten ein, um auf sich aufmerksam zu machen.

Bildseite der Werbepostkarte des "Jägerwirts" (1910)
Bildseite der Werbepostkarte des "Jägerwirts" (1910)

Die Bildseite der 1910 gelaufenen Postkarte zeigt einen freundlich dreinblickenden, volkstümlich gekleideten Mann, der, Zigarre rauchend, in einen prunkvoll verzierten Bierkrug blickt. Dabei sitzt er aufgestützt an einem hölzernen Bierfass, auf dem sich zum einen der Schlegel für den Zapfhahn und zum anderen ein "Radi" befindet. Somit stellt er das klischeehafte Bild eines bayerischen Wirtshausbesuchers dar. Zudem ist das Bild mit dem humoristischen Sinnspruch "Auf Erden wärs nur halb so schön Müsst durstig Du zu Bette gehen." unterschrieben, wodurch diese karikierte Überzeichnung noch einmal verstärkt wird. Neben der witzigen Art und Weise, Bekannten oder Verwandten eine Nachricht zukommen zulassen, hatte die Postkarte noch eine zweite Aufgabe: Sie diente der Freisinger Wirtschaft als Werbeträger. Dies wird deutlich, betrachtet man die Textseite der Postkarte, die für die Nachricht des Absenders und die Adresse des Empfängers vorgesehen war. Dort ist zu lesen: "Gasthaus "Jägerwirt" Freising b. München Restaurateur: Josef Nagerl. Ff. Freisinger Weißbier, sowie 1a. Dunkles aus der Brauerei Seiderer & Eichner. Reine Weine. Vorzügliche Küche. Schattiger Garten mit Kegelbahn. Gute Fremdenzimmer. Civile Preise."

Textseite der Werbepostkarte des "Jägerwirts" (1910)
Textseite der Werbepostkarte des "Jägerwirts" (1910)

Die Verwendung als Werbeträger geht auf die frühe Zeit der Postkarten in den 1870er Jahren zurück. Häufig waren die kleinen Bilder mit Plakatwerbungen gekoppelt, so dass dasselbe Bild in verschiedenen Formaten seine Verbreitung fand. Besonders Hotelbetriebe und Restaurants in Tourismusorten sowie die Eisenbahn- und Schifffahrtsgesellschaften fertigten solche Postkarten an, um durch den Versand durch Touristen neue Kunden zu gewinnen. Ende des 19. Jahrhunderts zogen auch große Industriefirmen (z.B. Leibnitz), Freizeiteinrichtungen (z.B. Zirkusse oder Theater), und Zeitungen nach, um ihre Produkte auf diese Weise zu bewerben.

Gebäudeansicht des Freisinger "Jägerwirts" (1903).
Gebäudeansicht des Freisinger "Jägerwirts" (1903).

Den Freisinger "Jägerwirt" gab es wohl seit dem späten 17. Jahrhundert. Er befand sich am westlichen Ende der historischen Kernstadt, in der heutigen Oberen Hauptstraße 60. Das Anwesen befand sich im grundherrschaftlichen Eigentum des Kollegiatstifts St. Veit. Zu dieser Zeit dürfte ein Pächter des Hauses eine sogenannte Bierzäpflergerechtigkeit erworben haben. Für das Jahr 1704 lässt sich erstmals die Bezeichnung "Jägerwirt" belegen, welche vermutlich auf den fürstbischöflichen Oberjäger Hans Pfeifer hindeutet. Dieser hatte das Haus 1672 erbrechtsweise übernommen und war vermutlich der erste Inhaber dieses Privilegs. Im späten 19. Jahrhundert wurde die Gaststätte durch die Freisinger Großbrauerei "Seiderer & Eichner" beliefert und hatte wechselnde Pächter. Zur Entstehungszeit der Postkarte, war dies, wie uns der Werbetext verrät, der Wirt Josef Nagerl. In Jahre 1952 endete der mehr als 280-jährige Betrieb der Gaststätte durch die Aufgabe des Pächters Alois Langer.

Die Postkarte aus der Sammlung des Stadtarchivs ist ein schönes und humoristisches Beispiel für das Werbemarketing eines Gastronomiebetriebs des frühen 20. Jahrhunderts. Der Sinnspruch und die freundliche Gestalt des klischeehaften Wirtshausbesuchers appellierten dabei an das Heimats- und Geselligkeitsgefühl der Menschen und sprachen somit eine humorvolle Einladung zum Besuch der Gaststätte aus.

Autor: Matthias Lebegern
Quelle: Stadtarchiv Freising, Postkarten-Sammlung 55-01801.
Literatur: Notter, Florian: Aufbruch und Umbruch. Freising in Fotografien der Jahre 1900 bis 1920. München 2017. S. 60-61.
Till, Wolfgang: Alte Postkarten. Augsburg 1994.

 

 

April 2018 - Familienbogen des Anton Kvas (1937)

Haben Sie schon einmal daran gedacht nach Ihrer Herkunft zu forschen? Also nicht wer Vater oder Mutter sind, sondern: Wie haben die Verwandten im vergangenen Jahrhundert ausgesehen, welche Berufe haben sie ausgeübt und wie viele Kinder hatten sie? Diesen und anderen Fragen gehen in den deutschen Archiven täglich Genealogen (Familienforscher) nach, um Stammbäume und Chroniken über ihre Familien zu erstellen. Dabei bieten die Akten und Dokumente der unterschiedlichen Archive eine Vielzahl an Möglichkeiten zur Nachforschung über die eigene Familie. Seien es beispielsweise die Tauf-, Heirats- oder Sterbematrikel in den kirchlichen Archiven, die Kriegsstammrollen im bayerischen Hauptstaatsarchiv oder die standesamtlichen Unterlagen in den kommunalen Archiven. Mit dem diesmaligen Archivstück des Monats, möchte Ihnen das Stadtarchiv eine wichtige Quellengattung vorstellen, die Sie nutzen können, um mit der Suche nach Ihren Vorfahren zu beginnen: die kommunalen Familien- und Meldebögen.

Familienbogen Anton Kvas (1937).
Familienbogen Anton Kvas (1937).

Diese Unterlagen des polizeilichen Meldewesens wurden im 19. Jahrhundert eingeführt, nachdem sich im Königreich Bayern staatliche und kommunale Stellen neuordnen mussten. So kam es zu Beginn des Jahrhunderts zur Auflösung des Heiligen Römischen Reiches und seiner Territorien sowie zur Mediatisierung und Säkularisation der kirchlichen Besitzungen. 1818, im Zusammenhang mit der neuen Verfassung, wurde aus diesem Grund eine Gemeindeordnung erlassen, deren Bestandteil unter anderem eine Reform des polizeilichen Meldewesens gewesen ist. Nach dem bayerischen Gesetz über die Ansässigmachung und Verehelichung von 1825 führten die kommunalen Polizeireferate schließlich Familienbögen, Einbürgerungsakten sowie Hausbögen zur Erfassung der wichtigsten Personenangaben ein. Die Familien- und Meldebögen erfassen dabei in den bayerischen Gemeinden die jeweiligen Hausvorstände. Grundlegend aufgeführte Informationen sind dabei die Angaben zu Geburtsdatum und -ort, Konfession, Familienstand, Herkunft und gegebenenfalls ein Sterbedatum. Darüber hinaus enthalten viele Bögen weitere Informationen, wie den Beruf, den Namen und die Anzahl der Kinder, Gewerbeanmeldungen oder Wehrdienstleistungen einer Person oder Familie. Besonders wichtig für die Familienforschung ist dabei die Erfassung der Aufenthaltsorte, also wo in Freising jemand gelebt hat und im Falle eines Um- oder Wegzuges dessen nächste Nachfolgeadresse gewesen, so dass man mit diesen Informationen weitere Nachforschungen über das Leben eines Menschen anstellen kann.

Familienbogen Anton Kvas (1937).
Familienbogen Anton Kvas (1937).

Welche Informationen über eine Person man nun konkret aus einen solchen Dokument erfahren kann, zeigt das Beispiel des abgebildeten Familienbogens des Freisinger Bürgers Anton Kvas. Geboren wurde dieser am 25. Januar 1894 als Sohn des Anton Kvas und der Anna Kvas (geb. Weg), im österreichischen Gratkorn bei Graz. Am 5. Juni 1937 zog er aus der damals noch eigenständigen Gemeinde Rudlfing bei Marzling nach Freising. Dort verdingte er sich beruflich als Schlosser. Über die Familie des Katholiken Kvas ist aus dem Bogen nichts Weiteres zu erfahren, außer dass er geschieden wurde. Allerdings verrät uns der Meldebogen noch weitere biografische Details seines Lebens, so sind auf der Rückseite des Bogens die Wohnungen aufgeführt, in welchen der Handwerker in Freising lebte. Aus dieser Tabelle werden nicht nur die Adressen, sondern auch die Vermieter ersichtlich. Daher eignen sich  die Familienbögen auch zur Erforschung der Häusergeschichte Freisings. Eher ungewöhnlich ist die Annahme der Staatsbürgerschaft des Deutschen Reiches durch den Österreicher Kvas am 13. Februar 1929, was aus dem Feld über dessen Heimatzugehörigkeit ersichtlich wird. Nach dem Zweiten Weltkrieg legte er diese allerdings wieder ab und wurde erneut österreichischer Staatsbürger.

Der Bogen von Anton Kvas verdeutlicht die grundlegenden biografischen Details, welche ein solcher Familienbogen zu einer Person liefern kann. Weitere Informationen auf anderen Bögen können beispielsweise das Sterbedatum und die Todesumstände einer Person beschreiben oder welche politischen Ämter sie innegehabt hat. Daher sind diese Dokumente ein guter Einstieg, die eigene Geschichte zu erforschen.

Autor: Matthias Lebegern
Quelle: Stadtarchiv Freising. Einwohnermeldebögen Kvas, Anton.
Literatur: Cramer-Fürtig, Michael: Personenstands- und Meldeunterlagen in bayerischen Kommunalarchiven. In: Krenn, Dorit-Maria; Stephan, Michael; Wagner, Ulrich (Hrsg.): Kommunalarchive - Häuser der Geschichte. Quellenvielfalt und Aufgabenspektrum. Würzburg 2015. S. 137-158.

 

 

März 2018 - Porträtfotografie des Freisinger (Ober-)Bürgermeisters Stephan Bierner (1902)

Mit einer Amtszeit von 34 Jahren gibt es keinen Vorgänger oder Nachfolger, der länger als (Ober-)Bürgermeister Stephan Bierner das politische Tagesgeschäft Freisings gelenkt hat. Durch den städtischen Magistrat im Königreich Bayern zum ersten Mal gewählt, durchlebte er den systemischen Umbruch am Ende des Ersten Weltkrieges und wurde schließlich 1933 von den Nationalsozialisten aus dem Amt des Oberbürgermeisters entlassen.

Amtsporträt des Freisinger Bürgermeisters Stephan Bierner aus dem Jahr 1902.
Amtsporträt des Freisinger Bürgermeisters Stephan Bierner aus dem Jahr 1902.

Die hier gezeigt Fotografie stellt Stephan Bierner 1902 als 35-jährigen Mann, drei Jahre nach seiner Wahl zum Freisinger Bürgermeister, dar. Die Aufnahme stammt von Hoffotograf franz Ress. Er porträtierte Bierner in sitzender Pose: im Amtsstuhl, scheinbar lesend; zudem trägt er deutlich sichtbar die Amtskette der Freisinger Bürgermeister. Damit wählte der Fotograf hier eine typische Form des Porträts aus dem frühen 20. Jahrhundert. So war die sitzende Position für den Abgebildeten einfach einzuhalten, was auf Grund der langen Belichtungszeiten, die Qualität der Aufnahme erhöhte. Gleichzeitig wird durch die geschickte Verwendung von Amtsinsignien, wie der Amtskette und das Sitzen auf dem Sessel, ein politischer Machtanspruch symbolisiert und die Person als Bürgermeister erkennbar gemacht. Um einen positiven Eindruck beim Betrachter zu bewirken, stellt Ress Bierner zudem in einer alltäglichen und als natürlich empfundenen Position dar - den Blick nicht direkt in die Kamera gerichtet sowie lesend in einem Stuhl. Diese Einstellung wurde häufig in vergleichbaren Motiven gewählt, um das Gefühl zu vermitteln, dass diese Personen ihr Amt gut und mit angemessener Würde ausführt. Die Verwendung eines Buches stellt Bierner obendrein als gebildete Person heraus.

Stephan Bierner wurde am 28. Mai 1867 im oberpfälzischen Langenthal geboren. Nach einem Studium der Rechtswissenschaften begann seine politische Karriere in Ingolstadt als Rechtsrat des Stadtmagistrats. Am 28. Oktober 1899 wurde der 32-jährige von den Freisinger Gemeindebevollmächtigten zum Bürgermeister der aufstrebenden Landstadt Freising gewählt. In seinen ersten Amtsjahren erfolgte die Fortführung, der unter seinem Vorgänger Martin Mauermayr begonnen Ausweitung des Stadtgebiets. Hierfür wurden an unterschiedlichen Punkten der Stadt neue Siedlungen verwirklicht, welche sich in ihren Ausprägungen an den jeweiligen Bedürfnissen der dort angesiedelten Bevölkerungsschicht orientierten. So entstanden in Bierners Amtszeit zum Beispiel das architektonisch hervorstechende Villenviertel und etwas später die Arbeitersiedlung am Goldberg. die Ansiedlung neuer Einwohner förderte die Entwicklung Freisings hin zu einem urbanen Zentrum, was sich nicht zuletzt auch durch den Ausbau der örtlichen Infrastruktur belegen lässt. 1902 eröffnete Stephan Bierner den nötig gewordenen Erweiterungsbau der Knabenschule St. Georg sowie mit der Schwimm- und Badeanstalt eine bis heute bestehende Freizeit-Einrichtung der Stadt. Mit dem Neubau des Freisinger Rathauses in den Jahren 1904/05 schuf er, nach den Plänen des Münchner Architekten Günther Blumentritt, ein neues politisches Zentrum für Freising. Auch die lokale Wirtschaft konnte er in den Folgejahren durch eine geschickte Politik stärken. So wurde 1905 der Ort Neustift nach Freising eingemeindet und das bayerische Militär verlegte seinen Standort von dort in die neu eingerichtete "Jägerkaserne" auf den Freisinger "Wehrberg". Das alte Kasernengebäude in Neustift brachte die Stadt käuflich an sich, mit dem Ziel, es an einen Unternehmer zu veräußern, der dort investierte und dringend benötigte Arbeitsplätze schuf. In Carl Feller aus Lauingen fand man schließlich einen solchen Unternehmer: er etablierte auf dem ehemaligen Kasernengelände eine Tuchfabrik. Durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges ebbte die Aufbruchsstimmung ab. Mit der Einführung einer demokratischen Ordnung und Ratsverfassung in den bayerischen Kommunen begann für den königlichen Hofrat Bierner 1919 ein neues Kapitel seiner Amtszeit. So erhielt der Stadtrat eine deutliche Aufwertung seiner politischen Kompetenzen und seines Mitspracherechts. Aber auch die Stellung des Bürgermeisters wurde aufgewertet und Bierner am 29. Februar 1924 der Titel eines Oberbürgermeisters verliehen. Beim 1200-jährigen Korbiniansjubiläum brachte er sich 1924 verstärkt in die Ausrichtung der Feierlichkeiten ein und wurde hierfür von Papst Pius XI. zum Ritter des Ordens vom Hl. Sylvester ernannt. Die Amtszeit Bierners endete abrupt mit seiner Entlassung durch die neue nationalsozialistische Regierung im März 1933. Im Anschluss verlor Bierner an Bedeutung und erhielt erst wieder 1946 mit der Verleihung der Ehrenbürgerwürde eine späte Ehrung für seine Verdienste um die Stadt. 1951 starb der Altoberbürgermeister in seinem Geburtsort Langenthal; bestattet wurde er in einem Ehrengrab auf dem St. Georgs-Friedhof in Freising.

Autor: Matthias Lebegern
Bestand: Stadtarchiv Freising, NLSp Stephan Bierner, SEL FO 1.
Literatur:
Lebegern, Matthias: Kontinuität oder Wandel? Die Darstellung der Erzbischöfe von München und Freising in der Fotografie des 20. Jahrhunderts. München 2015 (unveröffentlichte Masterarbeit).
Lehrmann, Günther: Eine Freisinger Vorstadt. Zur Eingemeindung der Ortschaft Neustift im Jahre 1905. In: Götz, Ulrike (Hrsg.): 39. Sammelblatt des Historischen Vereins Freising. Freising 2006. S. 61-87.
Notter, Florian: Freisinger (Ober-)Bürgermeister der letzten 150 Jahre. In: Fink Media (Hrsg.): Fink das Magazin aus Freising. Ausgabe 02/12. Freising 2012. S. 14-19.
Schmid, Wilhelm: Die Bürgermeister von Freising vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart. München 1970 (unveröffentlichte Zulassungsarbeit).

 

 

Februar 2018 - Gewichtheben von Olympia-Sieger Rudi Ismayr (1935)

Ab dem 9. Februar 2018 treffen sich im südkoreanischen Pyeongchang Sportler aus fast 100 Nationen, um sich dort in den Wettkämpfen der 23. Olympischen Winterspiele zu messen. Auch die Stadt Freising kann in der Geschichte der Spiele auf mehrere Goldmedaillen Gewinner zurückblicken. So gewannen mit Josef Manger und Rudolf Ismayr in den 1930er Jahren, zwei Freisinger Sportler bei den Olympischen Spielen in Los Angeles und Berlin die Wettkämpfe im Gewichtheben.

Titelbild "Gewichtheben von Olympia-Sieger Rudi Ismayr" (1935)
Titelbild "Gewichtheben von Olympia-Sieger Rudi Ismayr" (1935)

Im Stadtarchiv Freising ist von Rudolf Ismayr ein Splitternachlass erhalten, der die Karriere dieses Sportlers nachzeichnet und sie mit einer Sammlung von Zeitungsausschnitten, Auflistungen von Wettkampfergebnissen und Korrespondenzen dokumentiert. Zudem zeigt der Nachlass, dass Ismayr daran interessiert gewesen ist, seine Fähigkeiten und Trainingsmethoden in der Disziplin des Gewichthebens weiterzugeben. 1935 erschien im Trigon-Verlag das Sportbuch "Gewichtheben von Olympia-Sieger Rudi Ismayr". In dieser Veröffentlichung stellt Rudolf Ismayr zum einen autobiographisch seinen Werdegang und seine Wettkampferfahrungen, insbesondere die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Los Angeles, dar. Zum anderen wollte er aber seine Trainingsmethoden präsentieren und den Leser dazu ermuntern, diese Sportart zu betreiben. Das Werk beinhaltet in einem ersten Abschnitt neben einer kurzen Historie des Sports eine einführende Beschreibung in die verschiedenen Teildisziplinen des Gewichthebens. Daran schließt sich ein zweiter Bereich an, in welchem sich Ismayr intensiv mit verschiedenen Übungen sowie Trainingsmethoden für das "Drücken", "Reißen" oder "Stoßen" der Hanteln, auseinandersetzt. Ausgehend von den vorgestellten Übungen erstellt er einen aus seiner Sicht idealen Wochenplan für ein intensives Krafttraining mit verschiedenen Geräten und für verschiedene Muskelgruppen. In einem letzten Kapitel gibt Ismayr, vermutlich als Orientierungshilfe, eine Übersicht zu den bestehenden deutschen Rekorden und über die Weltrekorde in den verschiedenen Gewichtsklassen. Dass seine Trainingsmethoden durchaus erfolgsversprechend gewesen sind, zeigt nicht nur sein eigener Olympiasieg im Jahr 1932, sondern auch der Sieg seines Zöglings Josef Manger, dieser Gewann vier Jahre später in Berlin die Goldmedaille im Schwergewicht.

Rudolf Ismayr wurde am 14. Oktober 1908 in Landshut geboren. Seine Jugend verbrachte er in Landshut und Deggendorf, wo er 1924 im Alter von 16 Jahren mit dem Boxen und Gewichtheben begann. Bereits 1925 wurde er niederbayerischer Gaumeister im Leichtgewicht, bei den Wettkämpfen kam es zu einem ersten Treffen mit dem späteren Reichstrainer Josef Zimmermann. 1928 zog Ismayr nach München und begann dort ein Studium der Rechtswissenschaften. Sein sportliches Training setzte er jedoch bei mehreren Sportvereinen fort. Josef Zimmermann holte ihn schließlich 1930 in den SC Roland München, wo er das Training intensivierte. Binnen eines halben Jahres erreicht Rudolf Ismayr so Siege und hohe Platzierungen bei verschiedenen deutschen Meisterschaften und nahm noch im selben Jahr erstmals an den Europameisterschaften im Gewichtheben teil. 1931 wurde Ismayr in Magdeburg Deutscher Meister und bei den Meisterschaften in Luxemburg Europameister. Dies ermöglichte ihm im darauffolgenden Jahr die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Los Angeles, wo er für das Deutsche Reich die erste Goldmedaille im Gewichtheben errang. Nach den Spielen begann Ismayr mit dem Aufbau der Gewichtheber-Abteilung der Sportvereinigung Freising und holte dabei junge Talente wie den bereits erwähnten Bamberger Josef Manger nach Freising. Bei der Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele 1936 in Berlin sprach Rudolf Ismayr den Olympischen Eid. Zudem konnte er im Verlauf der Spiele die Silbermedaille in seiner Gewichtsklasse erringen. Während des Zweiten Weltkriegs, wurde er 1940 als Soldat zum Kriegsdienst eingezogen. 1945 geriet er in britische Kriegsgefangenschaft, aus welcher er 1946 wieder entlassen wurde. Im Nachkriegsdeutschland war Ismayr als Volljurist im Staatsdienst tätig und wandte sich der Friedensbewegung zu. Politisch setzte er sich für die Abschaffung von Atomwaffen ein und kandidierte 1957, 1961 und 1965 erfolglos für den "Bund der Deutschen" sowie für die "Deutsche Friedens-Union" bei den Bundestagswahlen. Am Ende seiner Sportlerkarriere konnte Ismayr auf sieben Deutsche Meistertitel, drei Gewinne der Europameisterschaft, mehrere Weltrekorde und den Olympiasieg von 1932 zurückblicken. Am 9. Mai 1998 verstarb Rudolf Ismayr in Marquartstein.

Seine Veröffentlichung über das Gewichtheben bietet uns die Möglichkeit einen Vergleich mit den heutigen Trainingsmethoden vorzunehmen. Interessant ist es dabei zu untersuchen, inwieweit sich die Vorstellungen von Training und Ernährung in den letzten 80 Jahren veränderten.

Autor: Matthias Lebegern
Quelle: Stadtarchiv Freising; NLSP Rudolf Ismayr.

 

 

Januar 2018 - Eislauf auf dem Eissportplatz am Veitsmüllerweg (1896)

Im April 2017 erhielt das Stadtarchiv von einem Antiquariat in Frankreich ein interessantes Angebot: eine Serie von knapp dreißig Fotografien mit qualitativ sehr hochwertigen Freising-Motiven der 1890er Jahre. Die Bilder wurden schließlich für die  Fotosammlung des Stadtarchivs angekauft.

Eissportplatz am Veitsmüllerweg, vermutlich um 1896/97.
Eissportplatz am Veitsmüllerweg, vermutlich um 1896/97.

Auf einer dieser Fotografien hat der uns unbekannte Fotograf eine Szene aus der Anfangszeit des Freisinger Wintersports festgehalten: den Eislauf auf dem Eissportplatz am Veitsmüllerweg, vermutlich im Winterhalbjahr 1896/97. In zeittypischer Kleidung sehen wir Frauen mit schweren Röcken und Männer mit Hüten beim Schlittschuhlaufen. Im Hintergrund erhebt sich der Domberg mit seiner südwestseitigen Bebauung. Links außen ist das sogenannte Sengschmiede- oder Wuhrmeister-Anwesen zu erkennen (nachmals Veitsmüllerweg 13, 1996 abgebrochen). Im 18. und 19. Jahrhundert gehörte es einer Familie namens Heilmeier.

Im Lauf der 1860er Jahre öffnete Kastulus Heilmeier, ein Mitglied dieser Familie, seinen hinter dem Anwesen gelegenen Weiher für den Eislauf. Durch die Flutung der umliegenden Wiese mit Moosachwasser konnte die Eisfläche noch beträchtlich vergrößert werden. Unklar ist, inwieweit Heilmeier die Eisgewinnung auch ökonomisch, also für den Blockverkauf an Brauereien, Gaststätten oder Metzgereien, nutzte. Die Öffnung für den Eislauf werden ihm seine Mitbürgerinnen und Mitbürger jedenfalls gedankt haben, nicht zuletzt auch im Hinblick auf das Gefahrenpotential, das die älteren Eislaufplätze auf zugefrorenen Isar-Altwassern in sich bargen.

Im Jahr 1888, vielleicht auch schon einige Jahre früher, gründeten Freisinger Bürger einen örtlichen "Eisklub". Als seine Hauptaufgabe sah es dieser Verein an, für ein ansprechendes Angebot an Wintersportmöglichkeiten in Freising zu sorgen. dies bezog sich zeitgenössisch vor allem auf den Eislauf und das Eisstockschießen. Mittelpunkt des aktiven Vereinslebens war wiederum die winterliche Heilmeier-Wiese, der Freisinger "Eissportplatz", wie die Fläche nun bezeichnet wurde. Als zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Freisinger Baumeister Alois Steinecker das weitläufige Grundstück in seinen Besitz brachte, wurde der Bereich entlang des Veitsmüllerwegs mit Stadtvillen bebaut. Die rückwärtige Wiese und ihre Winternutzung blieben davon jedoch unberührt. 1903/04 ließ Steinecker für die Eisläufer eine "provisorische Ankleide- und Wärmehalle" errichten.
Der Eislaufplatz am Veitsmüllerweg blieb bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg erhalten. Heute steht hier größere Gebäude, so vor allem der Kindergarten am Veitshof und ein Wohnheim der Lebenshilfe Freising e.V..

Autor: Florian Notter
Quellen: StadtAFS, Vereinsakte "Eis Club Freising"; Fotosammlung; Stadtgeschichtliche Dokumentation; Häuserkartei (nach F. Bichler).

 

 

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