Geschichte Freisings
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Darstellung des Bärenwunders mit dem
Hl. Korbinian aus dem Jahr 1489
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Überblick über Geschichte und Kunstgeschichte
Freisings
Die Anfänge Freisings verlieren sich im Dunkel der Geschichte. Archäologische
Funde bezeugen die Besiedelung des nachmaligen Dombergs bereits in der frühen
Bronzezeit. Eine Siedlungskontinuität über die Kelten- und Römerzeit
hinweg zum frühmittelalterlichen Ort Freising - Frigisinga - ist bisher
aber nicht belegt. Im frühen 8.Jahrhundert ist Freising als bayerische
Herzogspfalz bezeugt. In seinen Bestrebungen, dem Herzogtum eine
kirchliche Ordnung zu geben, suchte der Agilolfinger Theodo für den
Pfalzort Freising den fränkischen Wanderbischof Korbinian zu gewinnen,
der dann etwa um 720/730 dort wirkte. Er fand bereits zwei Kirchen auf den
beiden Freising dominierenden Hügeln vor. Korbinian wird als der erste
Freisinger Bischof, als Gründungsheiliger des Bistums angesehen,
wenngleich die kanonische Einrichtung des Bistums und des Bischofssitzes
in Freising erst 739 durch Bonifatius erfolgte.
Bis heute ist der hl.Korbinian Patron der Erzdiözese München und
Freising. Sein besonderes Attribut, der Bär, der der Legende nach dem
Heiligen das Gepäck über die Alpen trug, ziert das Freisinger
Stadtwappen.
Nach und nach entwickelte sich Freising von der Herzogspfalz zum
Bischofssitz.
996 verlieh Kaiser Otto III. an Bischof Gottschalk das Marktrecht. Mit
dem Hinweis auf den "täglichen Markt" lenkt diese Urkunde den
Blick erstmals vom Burg- und Domberg herab auf die Siedlung zu seinen Füßen,
die sich zur Freisinger Bürgerstadt entwickelte. Festzuhalten bleibt
freilich, dass sich das Freisinger Bürgertum - anders als etwa in
Regensburg oder Augsburg - nie aus der bischöflichen Herrschaft
emanzipierte. Auf's ganze gesehen blieb Freising über die Jahrhunderte
ein vom Domberg dominierter Ort - eine "geistliche Stadt", wie
sie von den Historikern immer wieder genannt wird.
Das Mittelalter zeigt eine Reihe großer Gestalten auf dem Freisinger
Bischofsstuhl, Persönlichkeiten, die, über den Wirkungskreis der
Bischofsstadt und ihres Sprengels hinaus in der Reichspolitik eine Rolle
spielten und enge Beziehungen zum kaiserlichen Hof unterhielten. An ihrer
Spitze steht der Babenberger Otto von Freising (1138-1158), Enkel Kaiser
Heinrichs IV. und Onkel Kaiser Friedrich Barbarossas. Als Verfasser berühmter
Geschichtswerke ist er auch einer der besonderen Repräsentanten des
Freisinger "mons doctus", des "Gelehrtenberges" - dies
ein Ehrentitel, mit dem sich Freising durch die Geschichte hindurch immer
wieder gerne schmückte.
Bauliches Zeugnis des Freisinger Mittelalters ist an erster Stelle der
romanische Dom mit seiner eindrucksvollen Hallenkrypta und der berühmten
Bestiensäule. Die Gotik hat den Dom umgestaltet und neue Kirchenbauten
bzw. Kirchenausstattungen in Freising entstehen lassen. Natürlich besaß
Freising auch eine Domschule mit eigenem Skriptorium. Die schönsten
illustrierten Handschriften befinden sich heute zum größten Teil in der
Bayerischen Staatsbibliothek in München.
Freising war in den ersten Jahrhunderten seines Bestehens der wichtigste
und zentrale Ort im bayerischen Voralpenraum, dem Raum zwischen den alten
Römerstädten Augsburg, Salzburg, Regensburg. Das vielleicht
einschneidendste Datum in seiner Geschichte ist das Jahr 1158 - die Gründung
Münchens. München, nur eine kurze Wegstrecke von Freising isaraufwärts
gelegen, entwickelte sich zu einem wirtschaftlichen und politischen
Zentrum, das mehr und mehr die benachbarte Bischofsstadt überrundete. Die
Herzöge von Bayern - ab 1180 aus der Familie Wittelsbach - beobachteten
Freising aufmerksam, später zunehmend auch mit begehrlichen Blicken: war
doch der Freisinger Bischof nicht nur geistlicher Vorsteher seiner Diözese,
sondern auch weltlicher Herr eines kleinen Staates im Staat. Seit frühester
Zeit hatte Freising einen stattlichen Kranz an Besitzungen erworben, bis
hinab nach Österreich und Slowenien. Für die Kernbereiche dieser
Besitzungen hatte der Freisinger Bischof im hohen Mittelalter die
Reichsunmittelbarkeit sowie den Titel eines Reichsfürsten erringen können.
Seit dem 16.Jahrhundert bemühten sich deshalb die Wittelsbacher,
Mitglieder der eigenen Familie auf den Freisinger Bischofsstuhl zu
bringen, was mit Unterbrechungen auch immer wieder gelang.
In nachmittelalterlicher Zeit sind es vor allem die kulturellen und künstlerischen
Leistungen unter einigen besonders tatkräftigen Fürstbischöfen, die
besondere Erwähnung verdienen. Veit Adam von Gepeckh (1618-1651) ließ Künstler
von internationalem Ruf für sich arbeiten; das große Hochaltarbild des
Doms - die Apokalyptische Frau - wurde bei Rubens in Antwerpen in Auftrag
gegeben. Unter Johann Franz Eckher von Kapfing und Liechteneck (1696-1727)
gaben die berühmten Brüder Asam dem mittelalterlichen Dom ein Gewand des
18.Jahrhunderts. Zum großen Bistumsjubiläum 1724 erarbeitete der
Benediktinerpater Karl Meichelbeck ein großes Freisinger Geschichtswerk,
die Historia Frisingensis: Sie wird heute als das erste moderne - d.h.
quellenkritische - Geschichtswerk im katholischen deutschen Raum bewertet
und ist eines der großen Zeugnisse für das stets stark ausgeprägte
Geschichtsbewußtsein der Bischofsstadt Freising.
Einschneidendes, letztlich aber konsequent aus der Geschichte sich
entwickelndes Ereignis war sodann die Säkularisation von 1802/1803, die
Aufhebung der geistlichen Herrschaft und Enteignung des kirchlichen
Besitzes durch Bayern. Die ehemals fürstbischöfliche Residenzstadt wurde
zur kleinen Landstadt im neuen Königreich. Der Bischofssitz wurde 1821
nach München verlegt, das neue Erzbistum "München und
Freising" genannt. Der Säkularisation zum Opfer fielen auch die
beiden großen, vor der Stadt gelegenen geistlichen
Kristallisationspunkte: das Prämonstratenserkloster Neustift und das
Benediktinerkloster Weihenstephan. Die Klosterkirche Neustift blieb
erhalten und präsentiert sich noch heute als Juwel des bayerischen Rokoko
(Johann Baptist Zimmermann, Ignaz Günther); die Klostergebäude wurden
zunächst in eine Kaserne umgewandelt und beherbergen heute das Freisinger
Landratsamt. In Weihenstephan traten an die Stelle des Klosters eine
staatliche Forstschule sowie ein Staatsgut mit angegliedertem
Schulbetrieb. Sie sind die Keimzellen des heutigen "grünen"
Lehr- und Forschungszentrums Weihenstephan.
Im Laufe des 19.Jahrhunderts setzten in Freising allmählich Technisierung
und Industrialisierung ein: 1858 kam die Eisenbahn, 1875 wurde die
Brauereimaschinenfabrik Steinecker gegründet, 1899 die Motorenfabrik Schlüter.
Mit den beiden markanten Türmen und originell gestalteten Werkshallen
stellt die - inzwischen geschlossene - Schlüterfabrik ein interessantes
Industriedenkmal aus dem 2.Jahrzehnt des 20.Jahrhunderts dar. Der
2.Weltkrieg hinterließ in Freising - verglichen mit anderen Städten -
wenig sichtbare Spuren.
Freising ist heute, zu Beginn des 21. Jahrhunderts, weiterhin die Stadt
mit großer Geschichte, die Stadt eindrucksvoller Bau- und Kunstdenkmäler.
Freising ist weiterhin "geistliche" Stadt, zweiter Bischofssitz
der Erzdiözese, mit überregional wirkenden Tagungs- und
Bildungseinrichtungen, mit dem Diözesanmuseum als bundesweit größter
kirchlicher Kunstsammlung. Seit jeher ein Ort der Gelehrsamkeit ist
Freising auch heute eine Stadt der Bildung und Wissenschaft - Schulstadt
mit ungewöhnlich breitem Ausbildungsangebot und Universitätsstadt mit
naturwissenschaftlichem Schwerpunkt: zum "grünen" Lehr- und
Forschungszentrum Weihenstephan gehören eine große Fakultät der
Technischen Universität München, die Fachhochschule Weihenstephan, die
Landesanstalten für Landwirtschaft sowie für Wald und Forstwirtschaft,
weitere Forschungsinstitute sowie die Staatsbrauerei Weihenstephan.
Freising hat sich auch zu einem interessanten Wirtschaftsstandort mit
guter Verkehrsanbindung entwickelt - rund 30 Fahrminuten vom Zentrum der
Millionenstadt München und nur wenige Kilometer vom 1992 eröffneten
internationalen Münchner Flughafen entfernt. Im bayerischen
Landesentwicklungsplan ist die Große Kreisstadt Freising inzwischen in
die Kategorie "mögliches Oberzentrum" eingestuft.
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